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Frankfurter Zeitung 23.04.1916 : Ein verschleiertes Ultimatum

Die beschädigte „Sussex“ in Boulogne-sur-Mer. Bild: Picture-Alliance

Der Beschuss des Passagierdampfers „Sussex“ hat ernste Konsequenzen. Was sich hinter der amerikanischen Note verbirgt, berichtet die Frankfurter Zeitung am 2. April 1916.

          Die am Donnerstag Abend in Berlin von dem amerikanischen Botschafter überreichte Note der Regierung in Washington liegt nunmehr in amtlicher deutscher Uebersetzung vor, nachdem der ausländischen Oeffentlichkeit der Inhalt seit drei Tagen bekannt geworden war. Wir werden auf das Schriftstück noch näher eingehen. Schon eine erste Prüfung aber ergibt, daß es sich um eine diplomatische Kundgebung von äußerster Entschiedenheit handelt, um eine Mitteilung, die bis dicht an die Grenze des endgültigen Bruches geht. Den letzteren, nämlich die Lösung der diplomatischen Beziehungen zur deutschen Regierung, scheint Herr Wilson zunächst vermeiden zu wollen, wenn anders der Beteuerung, daß es sein aufrichtiger Wunsch sei, mit Deutschland in Frieden und Freundschaft zu leben mehr als bloßer Floskelwert beizumessen ist.

          Der Präsident macht die Aufrechterhaltung der Beziehungen abhängig von dem unverzüglichen Aufgeben der bisherigen Methode des deutschen Unterseebootkrieges. Das ist eine äußerst starke Sprache, die es schwer macht, zu antworten. Um so schwerer, als der wesentliche Teil der Note nichts anders ist als eine unverblümte Bestreitung der deutschen amtlichen Mitteilungen über den Dampfer „Sussex“. In der zu der Note gehörigen „Feststellung“, bezeichnet es der Staatssekretär Lansing geradezu als „außer Frage“, daß die Sussex von einem deutschen Boote torpediert worden sei. Das widerspricht durchaus den deutschen Erklärungen. Die Form dieses Widerspruches ist so ungewöhnlich scharf, daß einstweilen nicht abzusehen ist, wie man sich einigen soll. Die Reichsleitung bedarf aller ihrer Ruhe und Kraft, um, ohne sich herausfordern zu lassen, ohne von dem zurückweichen, was notwendig ist, unbeirrt durch Rücksichten zweiten Ranges, zu beschließen, was die Ehre und Sicherheit Deutschlands fordern.

          Der Wortlaut der Note.

          Berlin, 22. April (W. B.)

          Die am 20. April abends von dem hiesigen amerikanischen Botschafter überreichte Note lautet in der Uebersetzung wie folgt:

          Euer Exzellenz! Ich habe nicht verfehlt, unverzüglich meiner Regierung telegraphisch die Note Eurer Exzellenz vom 10. d. M. zu übermitteln, betreffend gewisse Angriffe deutscher Unterseeboote und insbesondere betreffend die unheilvolle Explosion, die den französischen Dampfer „Sussex“ am 24. März im englischen Kanal zerstörte. Den Weisungen meiner Regierung entsprechend, habe ich jetzt die Ehre, Eurer Exzellenz die folgende Antwort zu übermitteln:

          Durch die jetzt im Besitz der Regierung der Vereinigten Staaten befindlichen Nachrichten wird der Tatbestand im Falle der

          „Sussex“

          vollkommen festgestellt, und für die Folgerung, die meine Regierung aus diesen Nachrichten gezogen hat, findet sie eine Bestätigung in den Umständen, die in Eurer Exzellenz Note vom 10. d. M. dargelegt sind. Am 24. März 1916, ungefähr um 2 Uhr 50 Minuten nachmittags, wurde der unbewaffnete Dampfer „Sussex“ mit 325 oder mehr Passagieren an Bord, unter denen eine Anzahl amerikanischer Bürger war, auf der Ueberfahrt von Folkestone nach Dieppe torpediert. Die „Sussex“ war niemals bewaffnet; sie war ein Schiff, das, wie bekannt, regelmäßig nur zur Beförderung von Passagieren über den englischen Kanal benutzt wurde. Sie folgte nicht der von Truppentransport- oder Proviantschiffen gefahrenen Route. Ungefähr 80 Passagiere, Nichtkombattanten jeglichen Alters und Geschlechts, darunter Bürger der Vereinigten Staaten wurden getötet oder verwundet. Eine sorgfältige, eingehende und gewissenhaft unparteiische Untersuchung durch Offiziere der Flotte und der Armee der Vereinigten Staaten hat schließlich die Tatsache ergeben, daß die „Sussex“ ohne Aufforderung zur Uebergabe torpediert wurde, und daß der Torpedo, durch den sie getroffen wurde, deutscher Herstellung war. Nach Ansicht der Regierung der Vereinigten Staaten machten diese Tatsachen von Anfang an den Schluß unvermeidlich, daß der Torpedo von einem deutschen Unterseeboot abgefeuert worden war. Sie findet jetzt diese Schlußfolgerung durch die Ausführungen in der Note Eurer Exzellenz bekräftigt. Eine vollständige Darlegung des Tatbestandes, auf dem die Regierung der Vereinigten Staaten ihre Schlußfolgerung gegründet hat, ist beigefügt.

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