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Frankfurter Zeitung 12.01.1915 : Hochwasserkatastrophen

Überschwemmung in St. Louis, Amerika 1915. Bild: Picture-Alliance

Starke Hochwasser suchen die deutschen Flussgebiete immer wieder heim. Auch im Weltkrieg. Welche Gebiete besonders in der Vergangenheit betroffen waren, schreibt die Frankfurter Zeitung am 12. Januar 1915.

          Von Dipl.-Ing. Reisner (Essen.)

          Der große österreichische Geograph Peschel hat einmal die Hochwasser der Ströme mit dem Fieberstande eines Menschen verglichen, wie er überhaupt von einer „Pathologie der Flüsse“ sprach, deren Aerzte die Hydrographen und Hydrotechniker sind.

          Wenn wir die Chronik irgend einer Stadt oder Landschaft durchsehen, so werden wir immer die großen Ueberschwemmungen als ein bemerkenswertes Ereignis sorgfältig registriert finden, ebenso wie in manchen Kirchenbüchern die Wassernot-Predigten und –Andachten in vergangenen Jahrhunderten immer wiederkehren. So finden wir überall das Jahr 1536 verzeichnet mit umfangreichen Darstellungen über die gewaltigen Zerstörungen, welche die Flüsse damals in ganz Europa hervorriefen. Für die Elbe und den Rhein besitzt man sogar eine tausendjährige Geschichte der Hochwasser.

          Jedermann kenne den großen Einfluß, den die Hochfluten im Jahre 1813 während des Feldzuges der Verbündeten gegen Napoleon hatten, insbesondere bei der Schlacht an der Katzbach. Derartige Hochwasser kehren nicht alle paar Jahre wieder; sie gehören zu den außerordentlichen Hochgluten, die vielleicht nur alle 50 Jahre einmal auftreten.

          Es ist auch zu berücksichtigen, daß der Begriff „Hochwasser“ in der Meinung der Bevölkerung ein sehr relativer ist. Während früher unzweckmäßige Anlagen im Wasserbau, zu eng gezogene Deiche, schlecht geräumte Flußbecken, enge Brückenöffnungen und vor allem auch geringe Durchflußprofile in den Städten den Eindruck eines gewaltigen Hochwassers auch schon bei einer verhältnismäßig geringeren Erregung des Stromes hervorrufen konnten, sind in neuerer Zeit gewaltige Hochwasser vorgekommen, die in einem sorgfältig gesäuberten Flußbett fast ohne Schaden abflossen und daher auch in der Bevölkerung keine Erinnerung an den hohen Fiebergrad des Gewässers hinterließen. In alten Städten finden wir an Häusern und Kirchen die sogenannten Hochwassermarken, bei deren Anblick wir allerdings manchmal staunen, wenn wir bedenken, welche ungeheure, jetzt bebaute und bewohnte Fläche damals unter Wasser gestanden hat.

          Die Jahre 1784/85, 1845, 1855, 1888, 1891 und 1903 brachten ganz gewaltige Hochwasserkatastrophen mit sich. Gerade die Hochwassererscheinungen zu Beginn der Regierungszeit des jetzigen deutschen Kaisers hatten zu einer eingehenden Untersuchung der Natur der Hochwasser in Deutschland durch den sogenannten Wasserausschuß, die heutige Landesanstalt für Gewässerkunde, geführt. Man hat sich hierbei nicht nur mit der exakten Darstellung der Tatsachen begnügt, sondern vor allem auch die Prüfung der Maßnahmen zu einer Abhilfe oder gar Nutzbarmachung jener ungeheuren Wassermassen, die in ganz kurzer Zeit aus den Wolken den Flüssen zuströmen, ins Auge gefaßt.

          In Deutschland spielt bei den Hochwassererscheinungen die geographische Lage eine wichtige Rolle. In Nordwest-Deutschland haben wir es mit den Einflüssen des Meeres zu tun, wo die starken Regenmengen anstatt des Schnees in den wärmeren Wintern des ozeanischen Klimas fallen, während in den ostdeutschen Strömen der Einfluß der Schmelzwasserfluten aus Tauwassern der riesigen, mit Schnee bedeckten Gebiete vorwiegt. Dazu kommt der Gegensatz zwischen Niederung und Gebirge. Im Gebirge taut der Schnee später als im Tiefland. Der Einfluß der Schmelzwassermengen in den Stromgebieten, deren Quellen in den höheren Gebirgslagen liegen, zeigt sich bis in den Frühsommer hinein. Besonderen Vorteil hiervon hat die Schiffbarkeit des Rheins, desjenigen deutschen Stromes, der eigentlich nie an Wassermangel leidet, weil die alpinen Zuflüsse ihm das Wasser erst im Sommer zuführen.

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