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Frankfurter Zeitung 16.11.1918 : Propaganda fliegt aus dem Stundenplan

  • Aktualisiert am

Eine deutsche Schule in Belgien, zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Bild: Picture-Alliance

Das Kultusministerium beschließt einen neuen Umgang mit dem gerade beendeten Krieg: Mehr Aufklärung, weniger Stimmungsmache.

          Ein Erlaß des Kultusministeriums.

          Berlin, 15. Novbr. (W.B. Amtlich.) Das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung richtete folgenden Erlaß an die Provinzialschulkollegien und Regierungen:

          1. Wo bisher der Geschichtsunterricht mit anderen Lehrfächern dazu mißbraucht wurde, Volksverhetzung zu betreiben, hat solches in Zukunft unbedingt zu unterbleiben, vielmehr einer sachgemäßen Kultur und historischen Belehrungen Platz zu machen. Alle tendenziösen und falschen Belehrungen über den Weltkrieg und dessen Ursachen sind zu vermeiden.

          2. Aus den Schulbibliotheken sind alle Bücher zu entfernen, welche den Krieg an sich verherrlichen.

          3. In keinem Unterrichtsfache sind seitens der Lehrkräfte abfällige oder entstellende Bemerkungen über die Ursachen und Folgen der Revolution sowie die gegenwärtige Regierung zu äußern, welche geeignet sind, bei der Schuljugend das Ansehen und die Errungenschaften dieser Volksbefreiung herabzuwürdigen.

          4. Es hat seitens der Schulleiter und Lehrer im Verkehr mit der Jugend alles zu unterbleiben, was geeignet ist, die Stimmung zu einer Gegenrevolution (besonders auf dem flachen Lande) zu schüren, da ein solches Vorgehen im jetzigen Augenblick die größte Gefahr eines Bürgerkriegs für unser Volk in sich birgt.

          5. Bis zum Erlaß über die Trennung von Schule und Kirche sind die Kinder von Dissidenten und solchen Andersgläubigen, für die ein Religionsunterricht im jetzigen Schulplan nicht vorgesehen ist, auf Antrag der Erziehungsberechtigten ohne jeden weiteren Nachweis vom Religionsunterricht zu befreien.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Paper erscheint am 19. November 2018.

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