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Frankfurter Zeitung 13.12.1916 : Friedensangebot der Mittelmächte

Reichskanzler von Bethmann-Hollweg (stehend, helle Kleidung) verkündet am 12. Dezember 1916 das Friedensangebot der Mittelmächte. Bild: Picture-Alliance

Was ist dran an den Gerüchten um ein Friedensangebot an die Entente? Der deutsche Reichskanzler tritt vor das Parlament. Aus dem Reichstag berichtet die Frankfurter Zeitung vom 13. Dezember 1916.

          N Berlin, 12. Dezbr. (Priv.-Tel.), (80. Sitzung.)

          Die Tribünen sind überfüllt. Weit in die Gänge hinaus stehen noch die Menschen. Das Haus ist bis auf den letzten Platz besetzt, und am Bundesratstisch sind außer dem Reichskanzler sämtliche Staatssekretäre und sämtliche preußische Minister sowie die Minister der Bundesregierungen mit zahlreichen Kommissaren der Reichs- und Staatsämter anwesend.


          Präsident Dr. Kämpf eröffnet um ¾ 2 Uhr die Sitzung und erteilt sofort ohne weitere Einleitung das Wort dem Reichskanzler.

          Reichskanzler von Bethmann Hollweg

          gab folgende Erklärung ab:

          Meine Herren! In der Hoffnung auf baldige neue günstige Ereignisse im Feld lag der Grund, warum der Reichstag nicht auf längere Zeit vertagt, sondern Ihrem Herrn Präsidenten anheimgegeben wurde, den Tag der nächsten Vollsitzung zu bestimmen. Diese Hoffnung hat sich fast über Erwarten schnell erfüllt. Ich will kurz sein, die Taten sprechen. Rumäniens Eintritt in den Krieg sollte unsere und unserer Verbündeten Stellungen im Osten aufrollen. Gleichzeitig sollte die große Offensive an der Somme unsere westliche Front durchbrechen, sollten erneute italienische Anstürme Oesterreich-Ungarn lahmlegen. Die Lage war ernst. Mit Gottes Hilfe haben unsere herrlichen Truppen einen Zustand geschaffen, der uns

          volle und größere Sicherheit bietet, als je zuvor.

          (Lebhafter Beifall.) Die Westfront steht, sie steht nicht nur, sie ist mit Reserven an Menschen und Material besser ausgestattet, als sie es früher war. (Lebhafter Beifall.) Gegen alle italienischen Diversionen ist sehr nachdrücklich vorgesorgt, und während an der Somme und auf dem Karst das Trommelfeuer ertönte, während die Russen gegen die Ostgrenze Siebenbürgens anstürmten, hat Feldmarschall Hindenburg in genialer Führung ohne gleichen und mit Truppen, die im Wetteifer mit ihren Verbündeten an Kampf- und Marschleistungen das Unmögliche möglich gemacht haben (Lebhafter Beifall.) die ganze Westwalachei und die feindliche Hauptstadt genommen (Lebhafter Beifall.) und Hindenburg rastet nicht, die militärischen Operationen gehen weiter. (Beifall.) Zugleich ist durch die Schläge des Schwertes

          unsere wirtschaftliche Versorgung fester fundiert

          Worden. (Beifall.) Große Vorräte an Getreide, Lebensmitteln, Oel und sonstigen Gütern sind in Rumänien in unsere Hand gefallen. Ihre Abführung ist im Gange. Trotz aller Knappheit wären wir auch mit dem Eigenen ausgekommen. Jetzt steht auch unsere wirtschaftliche Sicherheit außer aller Frage. (Beifall.) Den großen Geschehnissen zu Lande reihen sich die Heldentaten unserer Unterseeboote vollwürdig an. (Beifall.) Als nach Verlauf des ersten Kriegsjahres Seine Majestät der Kaiser sich in öffentlicher Kundgebung an das Volk wandte, sprach er das Wort: „Großes Erleben macht ehrfürchtig und im Herzen fest.“ Niemals ist unser Kaiser, ist unser Volk anderen Sinnes gewesen, auch jetzt nicht. Geniale Führung und unerhört heldenhafte Leistungen haben eherne Tatsachen geschaffen. Auch die innere Kriegsmüdigkeit, mit der der Feind rechnete, war ein Trugschluß. Mitten im Drange des Kampfes draußen hat der Deutsche Reichstag in dem Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst eine

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