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Erster Weltkrieg : Der letzte Kampf um Höhe 80

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Das Zweite erklärt Robin Schäfer so: „Wir möchten den auf Höhe 80 gefallenen Soldaten, ihre Würde wiedergeben, indem sie so weit möglich identifiziert werden.“ Bei einer Probesichtung 2015 förderte gleich der erste Spatenstich ein bayerisches Koppelschloss zu Tage. „Wijschaete war für die Bayern das, was für die Preußen Langemarck war“, so Schäfer, mit Blick auf den nur unweit gelegenen Ort, an dem schlecht ausgebildete Reserve-Einheiten verbluteten. Die deutsche Propaganda stilisierte das grausame Abschlachten zum „Langemarck Mythos“ – einen enthusiastischen Opfergang von Regimentern aus angeblich besonders jungen Kriegsfreiwilligen. Die südlicher bei Wijschaete kämpfenden Bayern, wetteiferten mit den Preußen um militärisches Prestige und lehnten Hilfsangebote ab. Sie wollten ihre Angriffe unbedingt mit den eigenen Truppen zum Erfolg führen, zur Not auch mit unerfahrenen Reserve-Truppen wie dem Regiment 17. Dessen Soldaten mussten bis zu seiner Einnahme mehrmals gegen den Höhenzug anrennen, den Franzosen, Briten und indische Soldaten verteidigten. Um die Gebeine der Toten forensisch zu erfassen, stünden Experten der Cranfield University aus Großbritannien bereit. Auch ein Team von österreichischen Sprengmittel-Experten wäre vor Ort. „Bei 30 Prozent Blindgänger-Quote im Erstem Weltkrieg ist das ein absolutes Muss“, so Robin Schäfer.

Doch dieser Aufwand kostet. Für das Crowdfunding-Projekt, das unter dem Namen „DigHill80“ im Netz firmiert, müssen die drei Wissenschaftler 140.000 Euro einsammeln. Dafür haben sie prominente Unterstützung gewonnen. Auf der Kampagnenseite wirbt mit Dan Snow der bekannteste Geschichtsjournalist Großbritanniens für das Crowdfunding-Projekt. Zudem wird Unterstützern in einer Social-Media-Kampagne ein ganzer Strauß an Belohnungen in Aussicht gestellt, bis hin zum Gewinn eines echten Eisernen Kreuzes. Die Idee: Wer spendet, darf Geschichtsforschung vor Ort miterleben. So erhält, wer 190 Euro einbringt, eine „VIP Tour“ mit einem der Wissenschaftler durch die Höhe 80 Grabung. Doch Geschichts-Crowdfunding hat seine Tücken.

Trotz Dan Snow und Co. fehlen drei Tage vor Abschluss des Projekts immer noch gut 30.000 Euro. Robin Schäfer hatte auf das Engagement von Schlachtfeld-Touristen gehofft; in Großbritannien ein bedeutendes Marktsegment der Tourismus-Branche. Schäfer ist dort bestens vernetzt, bietet mit Doyle die „Fritz und Tommy Tour“ an. Alleine der Anbieter Leger Holidays hat 24 „Battlefield Tours“ im Programm, wie „Beer and Battlefields“ – fünf Tage über die Schlachtfelder Belgiens mit dem Besuch lokaler Brauereien. Doch die Leute liken mehr auf Facebook und Twitter, als dass sie einen Obolus geben. Wer gerne Geschichte konsumiert, ist nicht unbedingt auch bereit, ihre Erschließung zu finanzieren. Eine weitere Hürde: Die Feindschaft der Vergangenheit wirft ihre Schatten bis heute auf das Projekt. So kamen E-Mails mit dem Hinweis bei den Forschern an, die deutsche Flagge neben der belgischen und britischen im „DigHill80“-Logo sei kontraproduktiv. Auch ist nicht jedes Angebot zur Unterstützung annehmbar. Der britische Rechtspopulist Nigel Farage bot seine Hilfe an, um EU-Gelder zu akquirieren. „So respektabel das Interesse von Herrn Farage auch ist; seine nationalistischen Ansichten passen nicht zum internationalen und versöhnenden Charakter unseres Vorhabens“, so Schäfer.

Sollte die Crowdfunding-Aktion scheitern, rücken im Sommer 2018 die Bagger an, um Höhe 80 auszuschachten. Dann wird dort ein neues Wohngebiet hochgezogen. Statt einer behutsamen Sichtung und Erfassung des Areals gäbe es höchstens eine archäologische Schnellsichtung von Amtsseite mit ein paar Probeschnitten. Danach würde das Langemarck der Bayern samt seiner Toten umgegraben und zugebaut.

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