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Erster Weltkrieg : Langemarck, der verschleierte Irrsinn

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„Deutschland, Deutschland über alles“

Kaum etwas spricht jedenfalls dafür, dass die Meldung der Obersten Heeresleitung auf Fakten basiert. Dass etwa die Soldaten die gegnerischen Stellungen stürmten und dabei „Deutschland, Deutschland über alles“ sangen, ist unwahrscheinlich. Der Boden auf dem Schlachtfeld war schlammig, die Soldaten rannten auf den Feind zu oder warfen sich in Deckung. Während dieses hektischen und anstrengenden Vorgehens zu singen, obendrein ein gemächliches Lied, könnte realitätsferner nicht sein.

Manche Historiker vermuten, die Einheiten hätten das Deutschlandlied, wenn überhaupt, nur gesungen, um sich den eigenen Truppen zu erkennen zu geben. Oft genug beschossen sich Kameraden gegenseitig im Chaos der Frontkämpfe.

Die Oberste Heeresleitung gab das Schlachtfeld „westlich Langemarck“ an. Die genaue Ortsangabe lautet Bixschote. Bilderstrecke
Die Oberste Heeresleitung gab das Schlachtfeld „westlich Langemarck“ an. Die genaue Ortsangabe lautet Bixschote. :

Die Mär vom Opfergang der deutschen Jugend

Ein Jahr nach der Schlacht setzten sich die Tageszeitungen mit den hohen Opferzahlen auseinander. Es tat dem Mythos keinen Abbruch. Im Gegenteil erhielt er dadurch noch Auftrieb. Besonders die Studentenverbindungen fanden an der ruhmreichen Geschichte der Soldaten von Langemarck Gefallen. Seit 1928 gab es jährlich Langemarck-Feiern an den Universitäten, außerdem wurde die sogenannte Langemarck-Spende eingeführt, um eine Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten zu errichten. Im Jahr 1932 wurde dann auch der „Studentenfriedhof“ in Langemarck eingeweiht.

Zum Ende der Weimarer Republik sollte dem Mythos sein elitärer Charakter genommen werden. Deutsche Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Schichten - Bauern, Arbeiter und Handwerker - wurden nun zu den Opfern gezählt. Vorher war wegen der Umschreibung „junge Regimenter“ in der Meldung der Obersten Heeresleiter der Eindruck entstanden, die Einheiten hätten überwiegend aus freiwilligen Jugendlichen, Schülern und Studenten bestanden. Tatsächlich machten sie jedoch nur ein Fünftel der Soldaten aus.

Unter den Nationalsozialisten gab es dann kein Halten mehr. Sie setzten den Mythos ein, um der Jugend jenes Bild vom selbstlosen, sich bedingungslos für das Vaterland opfernden Soldaten einzuimpfen, das die Oberste Heeresleitung mit ihrer Falschmeldung 1914 entworfen hatte. Die Schlacht von Langemarck sollte zu einem Symbol für die Volksgemeinschaft werden.

Der Rest des Mythos

So übernahm 1934 die Hitlerjugend von der Deutschen Studentenschaft die Patenschaft für das Ehrenmal in Flandern. Und Hermann Göring ordnete an, deutschlandweit Straßen, Plätze und Schulen nach Langemarck zu benennen. Viele Straßen und Plätze tragen den Namen bis heute.

Seit 1945 schreibt sich die Ortschaft Langemarck ohne „c“. Am Soldatenfriedhof von Langemark, einem der vier deutschen Friedhöfe des Ersten Weltkrieges in Flandern, wurde das „c“ dann auch im Jahr 1971 aus dem Namen gestrichen. Was bleibt, sind die Gräber der Soldaten, die in Flandern starben. Auf dem Friedhof in Langemark ruhen die Überreste von 44.304 Soldaten. Und es bleibt ein Mythos, der nicht totzukriegen ist.

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