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100 Jahre Sykes-Picot-Abkommen : Wurzel des Nahostkonflikts

Frankreich verweigerte sich gegenüber Großbritannien eines Zangenangriffs auf das Osmanische Reich. Bei Gallipoli (Foto 1915) siegten die türkischen Soldaten.

Sykes war Ende 1915 zu der Überzeugung gelangt, dass die Araber für einen Sieg wichtiger geworden seien als Frankreich. Militärisch sah es nicht gut aus für die Alliierten: Im Februar 1915 konnte eine osmanisch-deutsche Offensive gegen den Suezkanal erst nach heftigen Kämpfen zurückgeschlagen werden; Rückschläge gab es neben Gallipoli auch in Mesopotamien. Eine neue Strategie war daher erforderlich.

Araber wendeten sich vom Osmanischen Reich ab

Da hatte Ronald Storrs, ein britischer Kolonialbeamter in Kairo und Freund des ebenfalls in Kairo tätigen Geheimagenten Thomas Lawrence („Lawrence von Arabien“), bereits die Idee lanciert, den Scherifen Hussein in Mekka zu gewinnen, als faktischer Herr über die Heiligen Stätten des Islams gegen den Sultan in Konstantinopel den Dschihad auszurufen und Hussein zum spirituellen Oberhaupt der Muslime aufzubauen, das London gegenüber loyal ist. Als sich die Niederlage in Gallipoli abzeichnete, hatte Sir Henry McMahon, der Gouverneur über Ägypten, Kontakt zu Hussein aufgenommen – und beide erkannten, dass sie sich gegenseitig brauchten.

Australische Artilleristen bei Kämpfen nach der Invasion auf der türkischen Halbinsel Gallipoli (1915/16).

Denn die Araber gingen immer mehr auf Distanz zu Konstantinopel, wo die chauvinistischen Jungtürken die Macht übernommen hatten. Seit 1910 organisierten sich junge arabische Offiziere in Geheimgesellschaften, die im Untergrund agierten und einen Aufstand vorbereiteten, der in einen unabhängigen arabischen Staat münden sollte. Die wichtigsten Geheimgesellschaften hießen al Fatat und al Ahd; sie hatten ihren Sitz von Konstantinopel nach Damaskus verlegt. Der Scherif Hussein stand über seinen Sohn Faisal, den Großbritannien später als König des neuen Staats Irak einsetzte, mit den Geheimgesellschaften in Verbindung, und der desertierte Offizier Muhammad Scharif al Faruqi, ein Iraker, stellte aus Damaskus die Verbindung zum britischen Gouverneur in Kairo her.

Gebietsfragen blieben ungeklärt

Damit schließt sich der große Bogen der Argumentation von Sykes. Denn Faruqi hatte, in Abstimmung mit Hussein und Faisal, die Briten wissen lassen, dass die arabischen Truppen einen Aufstand gegen das Osmanische Reich ausrufen würden, sollten die Alliierten eine Invasion Palästinas und Syriens beginnen. Dazu war die Zustimmung Frankreichs erforderlich, und so wollte Sykes Frankreich dadurch ins Boot holen, dass er ihm die blaue Zone nördlich seiner „Linie im Sand“ anbot.

Dieses Gebiet aber beanspruchten auch die Araber als Gegenleistung für ihren Kriegseintritt an der Seite der Alliierten. Die Geheimgesellschaften und Faisal hatten im Frühjahr 1915 das Damaskus-Protokoll verfasst, in dem sie ihre Gebietsansprüche für einen künftigen arabischen Staat formulierten: Er sollte die Arabische Halbinsel und die Levante umschließen. Nicht dazu gehören sollten die britische Enklave Aden (heute Jemen) und das britische Protektorat Ägypten. McMahon versprach in einem Brief vom 24. Oktober 1915 einen unabhängigen Staat in den vom Scherifen Hussein vorgeschlagenen Grenzen, schloss aber Gebiete Syriens aus. Vor allem aber verschwieg er, dass sich London und Paris längst auf die Aufteilung des Nahen Ostens verständigt hatten. Aufgrund der Kriegshandlungen blieben die Gebietsfragen jedoch ungeklärt. Denn am 5. Juni 1916 erhoben sich die Araber unter Führung des Scherifen Hussein gegen das Osmanische Reich.

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