https://www.faz.net/-gpf-8h1lw

100 Jahre Sykes-Picot-Abkommen : Wurzel des Nahostkonflikts

Sir Mark Sykes (links) und François Georges-Picot

„Great Game“ zwischen England und Frankreich

Der nahende Untergang des 1299 gegründeten Osmanischen Reichs stellte die damaligen Großmächte vor eine doppelte Herausforderung: Sie mussten neue Strategien für die „Orientalische Frage“ und das „Great Game“ finden. Während des 19. Jahrhunderts stand im Mittelpunkt der „Orientalischen Frage“, dass die Schwächung des Osmanischen Reiches das Gleichgewicht der europäischen Mächte nicht beeinträchtigen und nicht Russland zugutekommen sollte; nun aber galt es, die Aufteilung des Osmanischen Reichs so vorzunehmen, dass das Machtgleichgewicht intakt blieb.

Im Mittelpunkt des „Great Game“ wiederum stand der Versuch Großbritanniens, Indien mit Pufferzonen vor Frankreich und Russland zu schützen. Entschieden wurden die „Orientalische Frage“ und das „Great Game“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Nahen Osten – der Region, in der heute, hundert Jahre später, Staaten und die regionale Ordnung zerfallen.

An jenem Morgen des 16. Dezember 1915 war nun der Kern des britischen Kriegskabinetts überzeugt, dass die Lösung aller Probleme in der Linie liege, die Mark Sykes auf der Landkarte des Nahen und Mittleren Ostens gezogen hatte. Der britische Historiker James Barr nennt sie im Titel seiner Monographie zum Machtkampf, der den heutigen Nahen Osten geschaffen hat: „Eine Linie im Sand“.

Britisch-französische Interessenüberschneidung

Die Aufteilung brachte Vorteile für die britische Kolonialmacht: Die britische „rote Zone“ südlich der Linie sollte ein Puffer sein, um den Suezkanal zu schützen; die französische „blaue Zone“ wiederum galt als Puffer, der sich zwischen Russland und die britische Kronkolonie Indien sowie die Protektoratsgebiete in Ägypten und auf der Arabischen Halbinsel schieben solle. Palästina unter Einschluss Jerusalems sollte eine internationale Verwaltung erhalten, die Hafenstadt Haifa dagegen britische Enklave bleiben. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg setzte London durch, dass Mossul (im heutigen Irak) und Palästina seiner Einflusssphäre einverleibt wurden. Großbritannien konnte Russland aus dem Nahen Osten fernhalten. So hatte die „Orientalische Frage“ ihren letzte Akt erlebt.

Sykes machte auf einen weiteren Vorteil aufmerksam, der besonders Kriegsminister Kitchener gefiel. Frankreich beanspruchte als „Erbrecht“ Syrien und Palästina, das „Land der Kreuzritter“. Das Kalkül war, wenn Frankreich mehr gegeben werde, als ihm nach seiner Bedeutung zustehe, werde Paris einem Angriff auf das Osmanische Reich über die Küstenstadt Alexandretta (Iskenderun) in der heutigen türkischen Provinz Hatay zustimmen. Zuvor hatte Frankreich einen solchen Angriff stets abgelehnt, weil es die Region Syrien, in der Alexandretta lag, für sich reklamierte. Anstatt das Osmanische Reich gleichzeitig über die Halbinsel Gallipoli und von Süden her über Alexandretta anzugreifen, landeten Anfang 1915 alliierte Truppen nur in Gallipoli, was in einer vernichtenden Niederlage endete.

Weitere Themen

Union beendet Europawahlkampf Video-Seite öffnen

Merkel ist auch da : Union beendet Europawahlkampf

Beim Abschluss des Europawahlkampfs der konservativen EVP in München ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit von der Partie. Das jähe Ende der Koalition aus ÖVP und FPÖ in Österreich ist auch hier Thema.

Topmeldungen

Bayern-Sieg im DFB-Pokal : Geballte Münchner Klasse

Nach dem Meistertitel in der Fußball-Bundesliga sichert sich der FC Bayern nun das Double. Die Münchner setzen sich im Pokalfinale gegen RB Leipzig durch. Vorstandschef Rummenigge bestätigt anschließend: Trainer Kovac bleibt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.