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100 Jahre Erster Weltkrieg (2) : Der Krieg als Bescherung

  • -Aktualisiert am

Max Liebermanns optimistische Lithographie Bild: Bibliothek für Zeitgeschichte, Stuttgart

Im Bemühen, es den Kämpfern gleich zu tun: Wie der Künstler Max Liebermann 1914 seinen Beitrag zur Kriegsanstrengung der Nation leisten wollte.

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          Mit seiner Lithographie „Jetzt wolln wir sie dreschen! (Der Kaiser)“ greift Max Liebermann einen von Kaiser Wilhelm II. in den ersten Tagen des Krieges geäußerten Satz auf, der von vielen Künstlern, Karikaturisten und Postkartenproduzenten in unzähligen Bildmotiven visualisiert wurde. Durch die stürmische Bewegung und den gezückten Säbel des Reiters verleiht Liebermann seiner Darstellung eine Dynamik, die den Bewegungskrieg und die deutschen Eroberungen der ersten Kriegswochen versinnbildlicht. Bis Weihnachten wollten die Soldaten siegreich nach Hause zurückkehren. Doch der schnelle Sieg blieb aus, bald sollten die Soldaten in einem erbarmungslosen Stellungskrieg an der Westfront stecken bleiben.

          Liebermanns Titel-Lithographie zierte die zweite Nummer von insgesamt 65 Künstlerflugblättern, die in der Reihe „Kriegszeit“ erschienen. Der Berliner Verlag von Paul Cassirer brachte bereits im August die erste Nummer heraus. Geplant war pro Woche eine „Original-Lithographie“ auf Zeitungspapier für 15 Pfennig. Gleichzeitig wurde eine Luxusausgabe angeboten, deren Erlös notleidenden Künstlern zugute kommen sollte. Getragen von einer patriotischen Grundhaltung brachte die „Kriegszeit“ künstlerische, literarische und aktuelle Beiträge, darunter Arbeiten der bedeutendsten Mitglieder der Berliner Secession.

          Vom patriotischen Hochgefühl erfasst

          Die August-Ausgabe versah der angesehene Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe mit einem programmatischen Text: „Der Krieg beschert uns. Wir sind andere seit gestern. Der Streit um Worte und Programme ist zu Ende. Wir kämpfen gegen Windmühlen. Manchem war die Kunst ein Zeitvertreib. Wir hatten Farben, Linien, Bilder, Luxus. Wir hatten Theorien. Was uns fehlte, der Inhalt, das, Brüder, gibt uns die Zeit. Seien wir ihrer würdig. Keine gemächliche Hingabe mehr! Aus Feuerschlünden, aus Not und Blut, aus Liebe und heiligem Hass wird uns Erlebnis. Wehe dem Künstler, der Heute nicht erlebt!“

          Auch Liebermann wurde vom patriotischen Hochgefühl des August 1914 erfasst. Als Künstler wollte er seinen Beitrag zur Kriegsanstrengung der Nation leisten. Für die „Kriegszeit“ engagierte er sich begeistert, er lieferte die Titel-Lithographie der ersten Nummer und weitere 27 Blätter. Es „sollten die Musen sich bemühn, es den Kämpfern gleich zu thun. Jeder soll das thun was er am besten thun kann. Das scheint mir patriotisch“, schrieb er am 11. August an einen befreundeten Galeristen. Noch im Oktober 1914 beteiligte er sich mit 92 anderen deutschen Intellektuellen am Aufruf „An die Kulturwelt“, der die deutschen Kriegsgreuel in Belgien rechtfertigte.

          Im März 1916 wurde die Reihe „Künstlerflugblätter“ wieder eingestellt: Verleger und Mitarbeiter hatten sich zu Kriegsgegnern gewandelt. Max Liebermann legte seinen anfänglichen Hurrapatriotismus ebenfalls wieder ab. Nach 1916 befasst sich sein Werk nicht mehr mit dem Kriegsgeschehen.

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