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Denkmal für Martin Luther King : Der Konsens und seine Grenzen

  • -Aktualisiert am

Ein Stein der Hoffnung: Eigentlich hätte das Martin Luther-King-Denkmal in Washington schon am 28. August eingeweiht werden sollen - am Jahrestag der „I-have-a-dream“-Rede. Der Hurrikan Irene hatte diesen Plan durchkreuzt. Jetzt wurde das Versäumte nachgeholt Bild: AFP

Das Denkmal für Martin Luther King ist eröffnet - und Amerika diskutiert über den Rassismus. Der schwarze Republikaner Herman Cain hat die Black Community provoziert.

          Im zweiten Anlauf ist es gelungen: Am Sonntag wurde in Washington, unweit der Gedenkmeile „National Mall“, das Denkmal zu Ehren des schwarzen Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King offiziell eingeweiht. Es kamen Zehntausende. Die Laudatio hielt Barack Obama, der erste schwarze Präsident Amerikas und wie King ein Friedensnobelpreisträger. Es sangen Aretha Franklin, Stevie Wonder und andere. Die Sonne wärmte den Leib, die Feier die Seele.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der erste Anlauf zur Einweihung des Denkmals war am 28. August, dem Jahrestag von Kings Washingtoner „I Have a Dream“-Rede von 1963, buchstäblich ins Wasser gefallen. Der Hurrikan „Irene“ hatte vor dem letzten Wochenende im Ferienmonat August sintflutartige Regenfälle und einen gefährlichen Orkan über die gesamte Ostküste Amerika gebracht. Das Organisationskomitee sagte die Veranstaltung kurzfristig ab. Bis zu eine Viertelmillion Menschen waren in der Hauptstadt erwartet worden.

          Der zweite Anlauf

          Dass „Irene“ in Washington kaum Schäden anrichtete, überhaupt in der Hauptstadt glimpflicher verlief und rascher vorüberzog als von den Meteorologen errechnet worden war, konnte Harry Johnson, Vorsitzender der Stiftung zum Bau des King-Denkmals, nicht wissen. Am Sonntag, dem 28. August, herrschte dann in Washington schönstes Sommerwetter. Der Himmel war wie blank geputzt, die Luft frisch und klar. Die offiziell abgesagte Einweihung fand informell dennoch statt. Denn die vielen Reisegruppen zumal aus dem Süden, die ihre Flüge und Hotels längst gebucht hatten, kamen trotzdem zum Denkmal.

          Und als sich die Seniorengruppe einer schwarzen Kirchengemeinde aus Atlanta in Georgia im Sonntagsstaat vor das Denkmal Kings stellte und aus voller Kehle spontan den Gospel „We Shall Overcome“ anstimmte, dann war das bewegender, als es jeder amtliche Auftritt eines Redners oder Sängers hätte sein können.

           Herman Cain will Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden, aber die Vorwürfe der sexuellen Belästigung schaden seinen Umfragewerten.

          Dass am Sonntag zum zweiten Anlauf nur etwa ein Fünftel der für Ende August erwarteten Besucher kam, war kein Schaden. In den vergangenen Wochen hat das King-Denkmal längst seinen Platz in der Memorial-Landschaft gefunden. Die Gestaltung des 120 Millionen Dollar teuren Denkmals aus chinesischem Granit durch den chinesischen Bildhauer Lei Yixin sowie die Auswahl der 14 Zitate aus verschiedenen Reden Kings, die in die Mauern rings um das neun Meter hohe Denkmal eingemeißelt sind, kann allerdings bestenfalls als fragwürdig gelten. Mancher Kunstkritiker, mancher Weggefährte des Bürgerrechtlers und Baptisten-Pastors findet, dass Kings Physiognomie, dass die verschränkten Arme und der fast grimmige Blick der Statue hinüber zum Thomas-Jefferson-Denkmal auf der gegenüberliegenden Seite des „Tidal Basin“ rundweg misslungen sind.

          Unstrittig aber ist, dass allein schon die Vollendung des Projekts eines King-Denkmals - nach 15 Jahren Planung - von höchster Bedeutung ist. Auf und entlang der „National Mall“ wird mit jeweils eigenen Gedenkstätten großer Präsidenten wie George Washington, Abraham Lincoln, Thomas Jefferson und Franklin D. Roosevelt sowie der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges und der Kriege in Korea und Vietnam gedacht. Dass Martin Luther King in diese Reihe hineingehört, dass sein Denkmal am rechten Platz steht, ist mittlerweile Konsens.

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