https://www.faz.net/aktuell/politik/denk-ich-an-deutschland/wagenknecht-die-linke-ist-nicht-die-partei-des-schwachen-staates-14451342.html

Denk ich an Deutschland 2017 : „Die Linke ist nicht die Partei des schwachen Staates“

Die Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, im Bundestag.
Die Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, im Bundestag. : Bild: dpa

Ihr Ehemann Oskar Lafontaine hat einmal gesagt, eine starke Rechte sei immer auch ein Versagen der Linken. Welche Fehler hat Ihre Partei gemacht, dass die AfD jetzt so in die Lücke stoßen kann?

Die derzeitige starke Rechte ist in erster Linie das Ergebnis einer Politik, die sich jahrelang gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung gerichtet hat. Oskar Lafontaine hatte mit seinem Satz die traditionellen Arbeiterparteien im Blick, die wie bei uns die SPD an vielen Regierungen beteiligt waren, die die Ungleichheit weiter vergrößert haben. Auch wir haben den Fehler gemacht, den Eindruck zuzulassen, wir stünden hinter Frau Merkels Politik. Das war natürlich falsch.

Nach der Berlin-Wahl gibt es in der Hauptstadt Sondierungsgespräche in Richtung Rot-Rot-Grün. Als erste realistische Machtoption für die SPD seit langer Zeit könnte ein solches Bündnis auch eine Blaupause für die Bundestagswahl sein. Würden Sie eine solche Machtoption unterstützen?

Natürlich wünsche ich mir eine andere Regierung, die den Sozialstaat wiederherstellt und eine friedliche Außenpolitik betreibt. Von Frau Merkel kann man das ganz sicher nicht erwarten.

Also werben auch Sie jetzt für Rot-Rot-Grün? Es war zu lesen, Sie hätten im Bundestag neulich heimlich unter dem Tisch geklatscht, als die Rede darauf kam...

Ich klatsche nie heimlich. Wenn ich klatschen will, dann klatsche ich, und wenn nicht, dann eben nicht. Ich werbe auch nicht für irgendeine neue Farbenkoalition, sondern für eine andere Politik in Deutschland. Leider vermisse ich bei der SPD die Signale, dass sie tatsächlich nicht nur den Kanzler stellen, sondern auch ihre Politik der letzten Jahre  korrigieren möchte. Denken Sie an CETA oder Nahles' aktuelles Leiharbeitsgesetz.

Gibt es denn schon Gespräche mit führenden Sozialdemokraten?

Natürlich gibt es Gespräche.

Die Grünen brauchen Sie aber auch - Jürgen Trittin hat bei Ihnen ja auch schon vorgesprochen, heißt es...

Die Grünen sind ein Problem, weil sich führende Grüne offensichtlich immer mehr in Richtung Schwarz-Grün orientieren. Ich bin aber davon überzeugt: Je besser die Linke bei der nächsten Wahl abschneidet, desto stärker wird auch die Position der linken Grünen werden, die ein Bündnis mit uns unterstützen.

Es gibt Stimmen, die sagen, es liege nur an Ihnen und Ihrem Ehemann, die Rot-Rot-Grün noch aus ideologischen Gründen verhindern wollten.

Das ist Unsinn. Solche Projekte sind noch nie an einzelnen Personen gescheitert, auch wenn die SPD eine Vorliebe dafür hat, sich hinter solchen Vorwänden zu verstecken. Die relevante Frage ist: Ist die SPD bereit, eine ordentliche gesetzliche Rente wieder herzustellen? Ist sie bereit, bei Leiharbeitern und Werkverträgen so zu regulieren, dass das Lohndumping aufhört?

Ist sie bereit, in der Steuerpolitik Geringverdiener zu entlasten und die oberen Zehntausend und Konzerne stärker zu belasten? Bleibt sie bei den Kriegseinsätzen der Bundeswehr? Über diese konkreten Fragen muss man reden. Und nicht darüber, ob einem die Nase von irgendjemandem passt oder nicht.

Das heißt, an Ihnen wird Rot-Grün-Rot im Bund nicht scheitern?

An uns ist eine Politik für mehr soziale Gerechtigkeit noch nie gescheitert. 2013, als es die entsprechende Mehrheit gab, haben wir den Sozialdemokraten Gespräche angeboten. Stattdessen sind sie sofort in die Arme von Frau Merkel gesunken.

Weitere Themen

Topmeldungen

Sieg im Elfmeterschießen : Messis Traum vom WM-Titel lebt

Superstar Lionel Messi hofft bei seiner fünften WM weiter auf den ersten Titel. Gegen Oranje verspielt Argentinien zunächst einen Zwei-Tore-Vorsprung, hat im Elfmeterschießen aber das bessere Ende für sich.
Außenministerin Annalena Baerbock steigt am 9. Dezember 2022 am Flughafen von Dublin in den Airbus der Flugbereitschaft der Bundeswehr.

Baerbocks Besuch in London : Die Schadensbegrenzung muss warten

Eigentlich wollten sich die deutsche Außenministerin und ihr britischer Kollege viel Zeit für ihre Gespräche nehmen. Doch ein Wintereinbruch in Dublin bringt ihre Pläne durcheinander – statt nach London fliegt Baerbock zurück nach Berlin.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.