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Thomas de Maizière im Gespräch : „Freiheit ist wie Radfahren ohne Stützrad“

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Thomas de Maizière Bild: Jan Rieckhoff

Lässt sich ein Leben planen? Gibt unsere Herkunft uns eine Spur vor? Und die Politik, welchen Einfluss nimmt sie auf das private Dasein der Bürger? Thomas de Maizière, der einer interessanten deutschen Familie entstammt und nach einer abwechslungsreichen Karriere heute Bundesminister der Verteidigung ist, gibt Auskunft.

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          Lieber Herr de Maizière, man könnte meinen, Ihr Lebensweg habe etwas Schicksalhaftes: Der Vater Generalinspekteur der Bundeswehr, der Sohn wird Verteidigungsminister. Oder würden Sie sagen, es ist ein Zufall, dass sich das so ergeben hat?

          Etwas dazwischen. Es gibt da einen schönen Begriff, der heißt „Konstellation“. Es gibt gute Leute, bei denen es oftmals nicht die günstige Konstellation gibt, um in einer bestimmten Situation etwas zu werden. Und es gibt Leute, die werden etwas, weil die Konstellation günstig ist. Das ist nicht Schicksal, aber ein bisschen mehr als Zufall. Bei mir war die Geschichte mit meinem Vater immer auch ein Rucksack mit schweren Steinen, den ich da mitgeschleppt habe. Was mein jetziges Amt angeht: Letztlich war es die Kanzlerin, die die Entscheidung getroffen hat, dass dieses Amt jemand übernehmen soll, von dem sie glaubte, er könne sich schnell einarbeiten.

          Aber ein Leben in der Politik oder für die Politik: War das bei Ihnen irgendwie vorgespurt? Ich nehme an, Sie sind in einer Familie aufgewachsen, in der viel über Politik diskutiert wurde.

          Daran mag etwas sein. Jedenfalls: Dass man nicht nur seinen Beruf haben sollte, sondern sich auch gesellschaftlich engagiert, das war in der Tat sozusagen Küchentisch-Gemeingut in unserer Familie.

          Damit ist nicht notwendigerweise ein politisches Engagement verbunden?

          Anders als viele glauben, sind wir weder eine Soldaten- noch eine Politikerfamilie. Mein Vater war der erste Berufssoldat in der Familie. Als er 1929 oder 1930 Abitur machte in Hannover, stand er vor der Entscheidung, Pianist oder Soldat zu werden - eine ziemlich ungewöhnliche Alternative. Wir sind eigentlich eine alte Juristenfamilie. Und dass mein Vetter Lothar 1989 in die Politik kam, war auch eher Konstellation, obwohl er auch gesellschaftspolitisch in der evangelischen Kirche und anderswo engagiert war. Ich selbst hatte nach dem Abitur einen Moment überlegt, Soldat zu werden - bin dann ja auch Zeitsoldat geworden. Ich habe das Ziel, Berufssoldat zu werden, dann unter anderem wegen meines Vaters verworfen: Ich wäre immer an ihm gemessen worden. Bei Beförderungen hätte es geheißen: „Kein Wunder bei dem Vater!“ Wäre ich dagegen nicht weitergekommen, hätten die Leute gesagt: „Der Vater war ja gut, aber der Sohn . . .“ Wir haben, um ein anderes Beispiel zu geben, wie schon meine Eltern auch, versucht, unsere Kinder immer auf verschiedene Schulen zu schicken. Mit dem Ziel, dass eben jeder seine eigene Schullaufbahn hat und nicht der Kleinere gemessen wird an den Schulergebnissen oder Verhaltensweisen der älteren Brüder oder Schwestern. Letztlich habe ich mich dann für ein Rechtsstudium entschieden. Ich wollte - und deswegen ist Ihre Frage nicht abwegig - relativ früh in so etwas wie politische Verwaltung eintreten, zum Beispiel das Kartellamt oder das, was heute die Netzagenturen machen.

          Sie haben gesagt, Ihre Karriere sei nicht Schicksal, sondern konstellationsabhängig gewesen. Machen Sie am Ende dennoch irgendwie, was Sie gewollt haben?

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