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Denk ich an Deutschland 2016 : Rückkehr eines gefallenen Stars

Karl-Theodor zu Guttenberg, einst Politiker, jetzt Vorsitzender von Spitzberg Partners, auf der F.A.Z.-Konferenz „Denke ich an Deutschland“ in Berlin Bild: dpa

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen bemerkenswerten Auftritt in Berlin. Mit viel Selbstkritik – und einem Angebot in eigener Sache.

          Als Karl-Theodor zu Guttenberg am Mittag auf das Podium tritt, ist es, als sei er nie weg gewesen. Der Baron trägt Dreitagebart, blaues Sakko und schon lange kein Gel mehr in den Haaren – eine amerikanische Lässigkeit, die er nach seinem Umzug nach New York zum neuen Markenzeichen erhoben hat. Die Alfred Herrhausen Gesellschaft und die F.A.Z. haben zu Guttenberg an diesem Freitag nach Berlin geladen, um über die Flüchtlingspolitik aus der amerikanischen Perspektive zu sprechen – und Guttenberg macht nahtlos da weiter, wo er vor der Plagiatsaffäre aufgehört hat. 

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Gute 20 Minuten beliebt er zu scherzen, verliert sich in seinem Vortrag manchmal im Nirgendwo, bleibt mitunter so wolkig, dass mancher im Saal sich argumentativ irgendwie abgeholt fühlt, ohne zu wissen, wo genau das war. Aber sein Publikum hat er schon nach wenigen Minuten in seinen Bann gezogen. Kaum jemand vermag mehr Begeisterung zu wecken als ein gefallener Hoffnungsträger, der sich lange rar gemacht hat. Höchstens der, der sich schuldbewusst, geläutert, gar gereift zeigt. Und auf dieser Klaviatur spielt Guttenberg, der sich nach seinem Rücktritt 2011 noch kaum einsichtig gezeigt hatte, am Freitag ungewohnt virtuos.

          „Die Kritik war mehr als berechtigt“

          Ja, sein Sturz sei „abgründig selbst verschuldet“ gewesen und „von eigener Hybris“ verursacht, sagt der 44-Jährige. Und ja, er habe lange gebraucht, um seine Eitelkeit nach seinem Sturz zu überwinden. „Ich sah ein Land der maßlosen Kritiker und der Selbstgerechtigkeit, aber ich schämte mich auch und hatte plötzlich Angst, auch vor mir selbst. Heute weiß ich: Die Kritik war mehr als berechtigt.“ Das sind starke Worte eines stets Selbstbewussten; vielleicht sogar die Demut, die sich mancher seiner Anhänger schon damals, in Guttenbergs altem Leben, von ihm gewünscht hätte.

          Seit seinem Rücktritt als Verteidigungsminister wegen der Plagiatsaffäre vor fünfeinhalb Jahren tourt er als Privatmann, vor allem aber als elder statesman vorrangig durch die Vereinigten Staaten. In New York hat er vor einiger Zeit eine Investment- und Beratungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt neue Technologien gegründet.

          Seehofer will Guttenberg statt Söder

          Seit Oktober 2015 ist Guttenberg auch Mitglied im „Kompetenzteam“ des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), der ihn nur zu gern wieder nach Bayern locken würde – um sich in seinem wieder erstrahlenden Glanz zu sonnen, vor allem aber, um Markus Söder als neuen starken Mann in der CSU zu verhindern, wie Kritiker spötteln. Doch das komme derzeit nicht infrage, sagt Guttenberg – zu gut gehe es ihm in seinem neuen Leben, fernab von alten Wunden und den parteipolitischen deutschen Nickeligkeiten. „Meine Scham wird fortdauern, die Angst ist gewichen. Sonst stünde ich heute nicht hier.“

          Mit konkreten Einwürfen, gar Angriffen auf deutsche Politiker, hält sich Guttenberg zurück. Stattdessen referiert er die „internationale Machtverschiebung in der amerikanischen Außenpolitik“, spricht vom „transatlantischen Kraftfeld“, das sich in Richtung Osten verschoben habe und kritisiert den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, der den politischen Skandal „entwertet“ habe, indem er ihn inflationär zelebriere.

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