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Zukunft der Europäischen Union : Das Haupthindernis ist Deutschland

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Die Silhouette des Brandenburger Tors in Berlin Bild: dpa

Auf dem Weg zur Politischen Union sollte die EU nicht am deutschen, sondern am britischen Wesen genesen – und eine vollständige Parlaments-, Verteidigungs- und Fiskalunion schaffen. Ein Essay zur Einstimmung auf die „Denk ich an Deutschland“-Konferenz.

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          Am 15. März 2019 veranstalten die F.A.Z. und die Alfred Herrhausen Gesellschaft die zehnte „Denk ich an Deutschland“-Konferenz zum Thema „Was glauben wir eigentlich, wer wir sind? Das deutsche Selbstbewusstsein in einem bewegten Europa.“ Weitere Informationen und das vollständige Programm finden Sie hier.

          Auf den ersten Blick scheint die Stellung Deutschlands in der Welt stärker zu sein denn je. Trotz einiger Schwankungen in der jüngsten Zeit dominiert die deutsche Wirtschaft Europa. Nach der Anerkennung der deutschen Fiskalregeln in der Eurozone wird nun, wie es in dem berühmten Ausspruch Volker Kauders, des langjährigen Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hieß, „in Europa Deutsch gesprochen“, wenngleich zuweilen mit einem recht sonderbaren Akzent. Angela Merkel, die vielfach als die „Führerin der freien Welt“ gepriesen wird, seit diese Position aufgrund der Wahl Donald Trumps verwaist ist, wurde kürzlich von ihrer „Basis“, der Münchener Sicherheitskonferenz, ausgiebig mit Beifall bedacht. Deutschland sei, so behaupten manche, zur „unentbehrlichen Nation“ in Europa geworden.

          Die anscheinend führende Rolle Deutschlands steht in deutlichem Kontrast zu dem offensichtlich erbärmlichen Schauspiel, das Großbritannien bei seinem Versuch bietet, aus der Europäischen Union auszutreten. Die orientierungslose Führung, die Gefahr einer Abspaltung Nordirlands und Schottlands sowie die wachsenden wirtschaftlichen Probleme lassen das Land schlecht dastehen im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland. Diese hat es anscheinend geschafft, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Regionen untereinander und das Verhältnis zwischen dem Nationalstaat und der EU weitaus besser zu gestalten. Die Briten, so könnte man meinen, bleiben in ihrer Geschichte gefangen, während die Deutschen die ihre im Griff haben.

          Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Es ist durchaus möglich, wenngleich eher unwahrscheinlich, dass Großbritannien nach dem Brexit stagnieren oder die EU gar nicht verlassen wird. Aber in Wirklichkeit ist nicht das Vereinigte Königreich, sondern die Bundesrepublik heute überflüssig und das Haupthindernis für die politische Union, die das europäische Festland so dringend benötigt. Um die Gründe zu verstehen, müssen wir uns an die vollkommen unterschiedlichen historischen Ausgangspunkte erinnern.

          Deutschland war – um es mit einem von früheren Generationen häufig benutzten Wort zu sagen – gelegentlich der Hammer Europas, aber in der Regel dessen Amboss. Das Land liegt an den Kreuzungspunkten des Kontinents und wurde immer wieder von feindlichen Armeen durchzogen und verwüstet. Reichtum und militärische Stärke machten Deutschland zu einer beliebten Beute und zugleich zu einem potentiellen Hegemon. In der frühen Neuzeit versuchten ausländische Akteure, das Gebiet an sich zu bringen oder wenigstens zu verhindern, dass es an andere fiel. Auch galt es als unumstößlicher Grundsatz, dass derjenige, der Deutschland kontrollierte, ob nun eine ausländische Macht oder die Deutschen selbst, der „Universalherrscher“ Europas würde.

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