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Fabrik der Zukunft : Auch die „Smart Factory“ braucht einen, der sie baut

  • -Aktualisiert am

Bild: Mart Klein/Miriam Migliazzi

Bei der vernetzten Industrieproduktion, in der die reale und die virtuelle Welt verschmelzen, wollen deutsche Unternehmen abermals vorn mit dabei sein. Wie ein Zulieferer aus dem Schwäbischen am Morgen bastelt.

          Die Revolution kommt auf leisen Sohlen - und sie offenbart sich erst bei genauerem Hinsehen. Denn auf den ersten Blick bietet die kleine Produktionsanlage des schwäbischen Maschinenbaukonzerns Festo das gewohnte Bild einer industriellen Fertigung: Einzelne Metallplatten werden automatisch von einer Arbeitsstation zur nächsten befördert, wo Bohrer ansetzen oder Greifer sie umdrehen; ab und an wird ein Teil von der Maschine leise auf ein anderes Band geschoben.

          Was hier im lichtdurchfluteten Erdgeschossraum von Festo Didactic in Größe einer Modelleisenbahn aufgebaut ist, ähnelt den großen Produktionsanlagen, die überall im Land in den Fabriken stehen und dort Arzneimittel in Kapseln füllen und anschließend verpacken oder aus großen Holzplatten fertig verleimte und verkantete Tischplatten machen. Einzig der kleine Roboter fällt ins Auge, der die vermeintlich aussortierten Teile aufnimmt und sie selbständig zu einer nebenan stehenden zweiten Produktionsanlage bringt - wobei er sofort stoppt, wenn jemand seinen Weg kreuzt.

          Das Geheimnis dieser Musteranlage zeigt sich erst, wenn ein Festo-Mitarbeiter sein Smartphone zückt und auf einen bestimmten Sensor oberhalb des kleinen Fließbands richtet. Unmittelbar danach tauchen Produktionsdaten auf dem Bildschirm auf: Wie viele Teile wann bearbeitet wurden, welchen Ausschuss es gab und mehr. „Es gibt bei dieser Anlage keinen zentralen Leitrechner mehr, die Maschine und die Teile steuern sich selbst“, erläutert Daniel Boese, Geschäftsführer von Festo Didactic. Und der Mensch überwacht das Ganze mit mobilen Geräten, statt an einem fest angebrachten Schaltpult zu stehen.

          Alles steuert sich selbst

          „Wir demonstrieren mit dieser Musteranlage einen kompletten Prozess, wie die Fertigung in einer Fabrik künftig einmal aussehen wird“, sagt Boese. Von der Materialentnahme aus dem Hochlager über die Bearbeitung bis zur Fertigstellung: Alles steuert sich selbst. Auch Hackerangriffe und Fragen der Softwaresicherheit können daran untersucht werden. „Das ist kein Fischertechnik-Baukasten“, versichert Boese, „sondern reale Industrietechnik zum Lernen.“ Und lernen muss die deutsche Industrie auf dem Weg zur nächsten industriellen Revolution, von der eigentlich alle Fachleute sagen, dass sie eine Evolution sein wird.

          Unter dem Leitmotiv „Industrie 4.0“ ist dieser Wandel inzwischen bekannt; kurz gefasst lautet das Ziel, in einer Fabrik die reale und die virtuelle Welt immer mehr zu verschmelzen, so dass am Ende die „smart factory“ dabei herauskommt. Eine Produktionsstätte, die so flexibel ist, dass jeder einzelne Auftrag sich vom vorherigen unterscheiden kann und das mit so geringen Kosten wie in der Massenproduktion. Ein System, in welchem alle Maschinen miteinander vernetzt sind und auch mit den Teilen, die sie bearbeiten. Und wo die Rolle des Menschen mehr und mehr darin besteht, diesen Prozess zu überwachen und mit der gewaltigen Datenflut, die dabei entsteht, etwas Sinnvolles anzufangen.

          All dies kommt nicht über Nacht und durch ein singuläres Ereignis wie Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Einführung des Fließbands plötzlich das Wesen und die Arbeitsplätze so vieler Fabriken völlig veränderte. „Die Grundüberlegungen für die Industrie 4.0 sind schon länger vorhanden“, sagt Eberhard Veit, der Vorstandsvorsitzende von Festo. Lernfähige Teile, mit Sensoren ausgestattet, gibt es seit Jahren; ebenso Maschinen, die einen Wartungstechniker rufen, bevor sie heißlaufen, oder Lagersysteme, die sich selbst organisieren. Doch all dies zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, das wird erst jetzt möglich, weil das Internet nun auch die gigantischen Speicher- und Datenverarbeitungsmöglichkeiten des „Big Data“ bietet.

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