https://www.faz.net/-gpf-9dxn0

Ausschreitungen bei Demos : Mindestens neun Verletzte in Chemnitz

  • Aktualisiert am

Angespannte Lage: Polizisten stellen sich der Demonstration der Rechtspopulisten entgegen. Bild: Reuters

Auch ein massives Polizeiaufgebot kann gewalttätige Übergriffe nicht verhindern. Bei Großkundgebungen der AfD und eines Bündnisses gegen Rechts herrscht eine aggressive Stimmung. Mitten in Chemnitz kommt es zu zahlreichen Zusammenstößen.

          Etwa eine Woche nach der Tötung eines Deutschen und ausländerfeindlichen Ausschreitungen sind bei den jüngsten Protesten in Chemnitz am Samstag mindestens neun Menschen verletzt worden. Insgesamt seien mindestens 25 Straftaten wie Sachbeschädigungen und Körperverletzungen verzeichnet worden, teilte die Polizei in der sächsischen Stadt am Abend mit. Demonstriert hatten etwa 8000 Teilnehmern verschiedener Lager. Eine Veranstaltung richtete sich gegen Fremdenfeindlichkeit, eine große AfD-Kundgebung machte gegen Migration mobil.

          An der von einem breiten Bündnis getragenen Großdemo unter dem Motto „Herz statt Hetze“ beteiligten sich einem Sprecher der Stadt Chemnitz zufolge fast 4000 Menschen. An der Kundgebung nahmen am Samstagnachmittag auch mehrere Spitzenpolitiker wie SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock teil.

          Mehr als zwei Stunden nach dieser Demonstration versammelten sich mehrere tausend Menschen zu der AfD-Kundgebung. Auch Teilnehmer einer Demonstration der rechten Organisation Pro Chemnitz schlossen sich an, nachdem die Organisatoren diese für beendet erklärt hatten. Laut dem Sprecher der Stadt beteiligten sich rund 4500 Menschen.

          Übergriffe gemeldet

          Abseits der Demonstrationsorte wurde ein 20 Jahre alter Afghane von vier Vermummten angegriffen und leicht verletzt. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung auf. Es werde geprüft, ob es sich bei den Tätern um ehemalige Versammlungsteilnehmer handele.

          Eine Besuchergruppe um den SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol wurde nach seinen Angaben am Abend von Rechtsradikalen überfallen. „Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen“, schrieb Bartol auf Twitter. Alle SPD-Fahnen seien „zerstört“ worden, einige seiner Begleiter seien „sogar körperlich angegriffen“ worden. Die Polizei habe schnell eingegriffen.

          Zwei MDR-Reporter wurden nach Angaben des Senders bei einem Angriff in einem Wohnhaus am Rande der Demonstrationsstrecke angegriffen und einer von ihnen dabei verletzt. Sie hätten vom Balkon der Wohnung die Dmeonstration drehen wollen und seien auf ihre Bitte eingelassen worden. „Während der Dreharbeiten auf dem Balkon kam plötzlich ein Mann in die Wohnung und attackierte die beiden Reporter“, erklärte der MDR. „Bei dem Angriff wurde ein Reporter die Treppe hinuntergestoßen, seine Kamera zerstört. Er wird derzeit ärztlich versorgt.“

          Spannungen in der Stadt

          Mit zunehmender Dauer der Veranstaltungen wurde die Stimmung in der Stadt angespannter. Der Zug mit rechten Demonstranten kam am frühen Abend nur stockend voran. Nach einem verspäteten Start wurde der Marsch kurz vor dem Denkmal mit dem Karl-Marx-Kopf wieder gestoppt und schließlich unter lautstarkem Protest abgebrochen. Wasserwerfer fuhren auf. Polizei und zahlreiche Demonstrationsteilnehmer standen sich auch nach Abbruch der Veranstaltung angespannt gegenüber.

          Weitere Themen

          „Die ganze Kirche war voller Blut“ Video-Seite öffnen

          Bericht einer Augenzeugin : „Die ganze Kirche war voller Blut“

          Die 16-jährige Primasha Fernando wohnt in Negombo, Sri Lanka. Sie lernte zu Hause gerade für anstehende Schulprüfungen, als sie eine Detonation hört. Sofort läuft sie zur nahegelegenen St.-Sebastian-Kirche. Im Interview erzählt sie, was sie mit ansehen musste.

          Polizei und Militär in vollem Einsatz Video-Seite öffnen

          Notstand in Sri Lanka : Polizei und Militär in vollem Einsatz

          Sieben Selbstmordattentäter sollen Ermittlern zufolge an den Anschlägen in Sri Lanka beteiligt gewesen sein. Einige vermuten militante Islamisten hinter der Attentatsserie. Der Notstand ermöglichte Polizei und Militär, bereits 40 Menschen festzunehmen.

          Topmeldungen

          Sinn und Unsinn von E-Autos : Gehen wir der Sache auf den Grund!

          Wie umweltfreundlich sind E-Autos wirklich? Zwei Professoren stellen die EU-Gesetzgebung in Frage – und bringen Tesla in Rage. Die Frage, wer recht hat, ist nicht einfach zu beantworten. Ein Faktencheck.
          Tudorel Toader muss sein Amt als rumänischer Justizminister verlassen.

          Rumänische Justiz : Nicht korrupt genug

          Rumänien bekommt einen neuen Justizminister, denn der bisherige Amtsinhaber Tudorel Toader hat sich den Zorn des mächtigen Liviu Dragnea zugezogen. Der neue soll nach dem Willen des Strippenziehers den Rechtsstaat schneller demontieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.