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Bunte Auswahl an Demos : Themenwochenende Toleranz in Hannover

Rund 300 Leute demonstrierten für „Vielfalt statt Einfalt“. Die Stadt Hannover solidarisierte sich mit ihnen durch Regenbogenbeflaggung (im Hintergrund) Bild: dpa

Eine Woche nach der Hooligan-Demonstration wurde in Hannover gleich wieder ausgiebig demonstriert. Dieses Mal allerdings zu vielen verschiedenen Themen. So vielfältig, dass die Polizei nicht immer den Überblick hatte.

          Das Grundrecht der Versammlungsfreiheit wurde am Wochenende in Hannover wieder ausgiebig in Anspruch genommen. Eine Woche nach der Demonstration der „Hooligans gegen Salafisten“  waren für Samstagnachmittag gleich sechs Versammlungen angemeldet. Den geringsten Zulauf hatte mit nur 12 Teilnehmern dabei eine Kundgebung, die auf das Schicksal der Jesiden aufmerksam machen wollte.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Insgesamt 74 Personen kamen zu einer Demonstration unter dem Titel „Für die Opfer von linker Gewalt“. Sie war eine Reaktion auf den brutalen Angriff auf vier abreisende Hooligans durch vermummte Linksextremisten eine Woche zuvor. Zu der Demonstration rief ein Mitglied der Partei „Die Rechte“ auf, die vor wenigen Tagen im Dortmunder Stadtrat eine „Judenzählung“ beantragt hatte. Auch an diesem Samstag gab es wieder eine Gegendemonstration -  etwa 150 linksgerichtete, teils schwarzgekleidete Aktivisten versammelten sich unter dem Motto „Kein Platz für Nazis“ nur einen Steinwurf entfernt.

          Wiederum einige Meter versammelten sich die Verfechter von „Ehe und Familie vor! – Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“. Die Veranstalter begehren gegen die Pläne der rot-grünen Landesregierung auf, die Themen Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität stärker in den Lehrplänen zu berücksichtigen. Zu dieser Demonstration kamen etwa 300 Gegner der Gender-Theorie. Auch hier gab es eine Gegendemonstration, denn kurz vorher und wiederum nur wenige Meter entfernt versammelten sich unter dem Motto „Vielfalt statt Einfalt“ etwa 300 Personen unter  Regenbogenfahnen sowie den Bannern von SPD, Piratenpartei und Linkspartei. Die Gegendemonstranten zogen nach dem offiziellen Ende ihrer Demonstration mit ihren kleinen Regenbogenfahnen in großer Zahl die paar Meter weiter zu den Gegnern der Gender-Theorie und schrien und pfiffen deren beginnende Demonstration nieder. Unterstützt wurden sie von einigen schwarzgekleideten Teilnehmern der anderen Gegendemonstration „Kein Platz für Nazis“.

          Die Stadt Hannover solidarisierte sich mit den Gegendemonstranten unter anderem dadurch, dass sie Fahnenmasten nahe der Bühne mit großen Regenbohnenfahnen beflaggen ließ, die in städtischem Eigentum sind. Bemerkenswert ist auch die Darstellung des Ablaufs durch die Polizei Hannover: Polizeisprecher behaupteten später, man habe keine Wanderungsbewegung von der Demonstration „Vielfalt statt Einfalt“ zu den Gegnern der Gender-Theorie verzeichnet, obwohl dort viele Dutzend kleiner Regenbogenfahnen zu sehen waren.

          Nachzutragen ist noch die sechste Demonstration in der niedersächsischen Landeshauptstadt: Zur Kundgebung „Pro Babytragen“ versammelten sich 30 Teilnehmerinnen. Eine Gegendemonstration gab es nicht.

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