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Debatte um Hessentag : Vielen lieb und allen teuer

  • -Aktualisiert am

Unbezahlbare und nachhaltige Wirkung

Der Hessentag sei seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Publikumsmagnet, sagte Minister Wintermeyer. „Wir wollen, dass möglichst viele Menschen die Gelegenheit haben, ihn zu besuchen. Deshalb geht er über zwei Wochenenden.“ Der Steuerzahlerbund vergleiche Äpfel mit Birnen, indem er Investitionen der ausrichtenden Stadt und des Landes in bleibende Werte zu den Kosten für den laufenden Betrieb addiere. „Das wäre, wie wenn Sie privat ein Haus bauen, die Investitionen für den Bau mit denen der Einweihungsfeier zusammenrechnen und dann sagen: Die Feier hat zu viel gekostet.“ Entscheidend sei, dass die Ausrichterkommune die Organisation des Hessentages mit ihrer langfristigen Stadtentwicklungsperspektive verbinde. Mit der auf 8,5 Millionen Euro reduzierten Landesförderung würden städtische Projekte und Infrastrukturvorhaben verwirklicht, die schon lange geplant gewesen seien und die für Jahrzehnte Bestand hätten. Hinzu kämen hohe private Investitionen. Unter dem Strich habe der Hessentag eine unbezahlbare und nachhaltige Wirkung für die ausrichtende Kommune, für die Region und für das Land. „Deshalb rechnet er sich.“

Die Grünen im Landtag gehörten jahrelang zu den schärfsten Kritikern des Hessentages und forderten aus Kostengründen einen nur noch zweijährigen Rhythmus für die „Megasause“. Inzwischen in der Regierungsverantwortung, äußert sich der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Mathias Wagner, eher vorsichtig: Sicher sei der Hessentag für seine Besucher sowie für die austragende Stadt ein Ereignis. „Gleichzeitig bleibt jedes Jahr neu die Frage berechtigt: „Geht‘s auch ein bisschen kleiner?“

Für den AfD-Landtagsabgeordneten Arno Enners ist der Hessentag unverzichtbar, weil er die hessische Identität und den Zusammenhalt im Land stärke. „Letzteres erscheint uns, gerade in diesen Zeiten, als ein sehr wichtiger Aspekt.“ Allerdings sei aus Kostengründen zu erwägen, die Feierlichkeiten auf fünf oder sieben Tage zu begrenzen. Einmal im Jahr muss Hessenfest sein, meint auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Günter Rudolph; über die Dauer hingegen lasse sich reden. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler hält das Hessenfest für „zu kommerziell und zu groß“. Entweder, meint sie, sollte kürzer oder eben nur noch alle zwei Jahre gefeiert werden.

Für solche Experimente sieht Staatskanzleichef Wintermeyer keinen Anlass. Das Interesse, Hessentagsstadt zu werden, sei ungebrochen. Im nächsten Jahr werde in Bad Vilbel gefeiert, 2021 in Fulda und 2022 in Haiger. Für das Jahr 2023 haben nach Auskunft von Wintermeyer bereits Kommunen ihr Interesse bekundet, und für 2024 hat das nordhessische Fritzlar sogar schon seine Bewerbung eingereicht. „Das neue Konzept zieht“, sagt der Minister, „auch wenn es weniger Geld gibt als noch vor zehn Jahren.“

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