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Datenschutz : Blick in die Seelen

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Natürlich kann man sich über die Gier nach Informationen, die Geheimdienste auszeichnet, erregen. Beunruhigend ist vor allem das intime Zusammenspiel zwischen Behörden und den großen kommerziellen Akteuren der Datenindustrie.

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          Da die Opposition sofort verkündet hatte, Innenminister Friedrich sei von seiner Reise nach Amerika mit leeren Händen zurückgekehrt, wird sie nicht erwartet haben, dass er vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium ein Füllhorn neuer Erkenntnisse ausschütten würde. Das negative Urteil über die Bundesregierung, bis hin zu dem verstiegenen Vorwurf, die Kanzlerin werde ihrem Amtseid nicht gerecht, lag von vornherein fest - wie könnte es in Wahlkampfzeiten anders sein?

          Wahlkampfgetöse sind auch Aufforderungen, Berlin (ersatzweise: Europa) müsse die Amerikaner über Rechtsstaatlichkeit belehren und Washington endlich zeigen, was eine Harke ist. Was Europa angeht, halten sich die Briten, die selbst mit einem großen Schleppnetz in den internationalen Datenströmen fischen, auffällig zurück. Und die Franzosen, in puncto geheimdienstlicher Überwachung auch keine Kinder von Traurigkeit, waren prompt bereit, Washington dabei zu helfen, Edward Snowden nicht aus Moskau entwischen zu lassen - nicht gerade ein Akt des Widerstands gegen den „big brother“ in Amerika.

          Natürlich kann man sich über die vom Prinzip her unbegrenzbare Gier nach Informationen, die Geheimdienste auszeichnet, erregen. Das geschieht regelmäßig, wenn irgendwelche Überwachungsexzesse bekannt werden; und das ist auch gut so. Dennoch lässt sich die Wahnvorstellung, je größer der Heuhaufen der Informationen sei, desto leichter finde man darin die sprichwörtliche Nadel, vermutlich nicht ausrotten.

          Auf der anderen Seite der Bilanz steht, dass die Amerikaner europäischen Geheimdiensten Hinweise gegeben haben, mit deren Hilfe terroristische Anschläge verhindert werden konnten - wie viele das waren und ob die Tipps in jedem Fall zielführend waren, wird man vermutlich nie erfahren.

          Beunruhigend an der ganzen Affäre ist vor allem das enge, geradezu intime Zusammenspiel zwischen Behörden und den großen kommerziellen Akteuren der Informations- und Datenindustrie. Der geht es vor allem um das Ausrechnen und Stimulieren von Konsumentenwünschen. Damit ist aber eine Breite und eine Tiefe des „profiling“ verbunden, die letztlich alle individuellen Präferenzen und Schwächen offenlegen - das macht den Blick in jedermanns Seele möglich. Ob sich die vielen naiven Nutzer von Google und Facebook darüber im Klaren sind?

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