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Scholz' Rhetorik : Die Schnoddrigkeit des Kanzlers ist eine Schwäche

„Könnte ich. Das war’s“: Kanzler Olaf Scholz während einer Pressekonferenz auf dem G-7-Gipfel in Elmau Bild: dpa

Ein Kanzler, der auf ernst gemeinte Fragen nicht mehr antwortet, verkennt seine Verantwortung. Dann wird er zum Trotzomat.

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          Bundeskanzler Olaf Scholz ist dafür bekannt, gelegentlich schnoddrige Antworten zu geben. Diese werden ihm in den meisten Fällen als hanseatischer Humor ausgelegt, welcher sich von anderen Humoren, etwa dem britischen, dadurch abhebt, dass er weniger lässig als herablassend ist. Wobei ein Hanseat das sicher anders ausgedrückt hätte – hätte, hätte, Fahrradkette, wie der Hanseat Peer Steinbrück mal gesagt hat. Weniger bekannt ist, dass Steinbrück diesen Hanseatismus, mit dem er seinerzeit eine unliebsame Nachfrage parierte, wenige Sätze später gleich ins Hochdeutsche übersetzte: „Nun ist auch gut.“

          Schnoddrigkeiten dieser Art bringen zum Ausdruck, dass der, der sie äußert, jetzt mal in Ruhe gelassen werden will. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen. Hanseaten, aber auch alle anderen, sogar Politiker, werden mitunter mit Unnötigkeiten behelligt. Es ist nur recht und billig, dass sie ihren Unwillen dann auch erkennen lassen, es handelt sich bei ihnen ja nicht um Border Collies, die auf dem Agility-Parcours beweisen müssen, dass sie auch noch übers siebzehnte Stöckchen springen können. So war es denn auch verständlich, dass Olaf Scholz vor wenigen Tagen einem ARD-Journalisten, der ihn danach fragte, ob er denn „praktische Alltagstipps zur Hand“ habe, wie Bürger Energie sparen könnten, etwa weniger heizen oder kürzer duschen, einfach antwortete: „Nö.“

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