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Dachorganisation geplant : Deutsche Muslime formieren sich

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Muslime in Deutschland. Maximal 300.000 sind organisiert Bild: ddp

Die muslimischen Organisationen in Deutschland wollen sich noch in diesem Jahr zu einer einzigen Interessenvertretung zusammenschließen, was bisher als unwahrscheinlich galt. Dafür möchten sie in den nächsten Monaten einen Verein gründen.

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          Die muslimischen Organisationen in Deutschland wollen sich noch in diesem Jahr zu einer Interessenvertretung zusammenschließen. Dafür möchten sie in den nächsten Monaten einen Verein gründen. „Wir sind entschlossen, als Vertreter aller Muslime in Deutschland aufzutreten“, sagte Bekir Alboga, der Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bisher hatte es als unwahrscheinlich gegolten, dass sich die Muslime in Deutschland zu einer einzigen Organisation zusammenfinden. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich im Vorfeld der von ihm im September 2006 gegründeten Islam-Konferenz für eine übergreifende Struktur der muslimischen Verbände ausgesprochen. Der Staat brauche einen Ansprech- und Verhandlungspartner, um Fragen wie etwa den islamischen Religionsunterricht entscheiden zu können.

          Über Struktur und Inhalt wird beraten

          Die islamischen Verbände seien derzeit dabei, sich über die Strukturen des Vereins und über die Inhalte seiner Arbeit zu einigen, teilte Alboga mit. „Ich gehe davon aus, dass es noch vor den Sommerferien zur Vereinsgründung kommt. Der Koordinierungsrat der Muslime erstellt derzeit eine Geschäftsordnung und Satzung.“

          Zum Koordinierungsrat gehören neben Ditib noch der Islamrat, der Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Der Rat hatte sich 2006 als Zweckbündnis gegründet, um Verhandlungen mit dem Land Nordrhein-Westfalen aufnehmen zu können, das bald einen islamischen Religionsunterricht einführen will.

          „Noch Abstimmungsbedarf“

          Der Vorsitzende des Islamrates, Ali Kizilkaya, sagte, auch sein Dachverband setze darauf, dass bald eine Repräsentanz der Muslime in Deutschland entstehe. „Alle sind daran interessiert, dass es so schnell wie möglich geht. Aber ein bisschen Zeit brauchen wir noch“, sagte Kizilkaya der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Zentralrat der Muslime bestätigte ebenfalls die Pläne, die Vereinsgründung voranzutreiben.

          Allerdings sind wichtige Fragen bisher nicht entschieden. So ist nach übereinstimmenden Angaben aus den Organisationen noch unklar, wie der Vorstand besetzt werden solle - paritätisch nach Organisationen oder gemäß der Mitgliederzahl. Auch über einen Namen haben sich die Verbände noch nicht geeinigt. Möglich sei, dass man sich weiter Koordinierungsrat oder aber Kooperationsrat nenne oder einen dritten Namen wähle.

          Maximal 300.000 organisierte Muslime

          Vieles, was den geplanten Verein betreffe, sei noch abstimmungsbedürftig, sagte Kizilkaya. „Wir haben eine Form der Zusammenarbeit, die noch ausbaufähig ist“, sagte er. Ditib sieht es ähnlich. Alboga sagte aber: „Wir sind sehr optimistisch, dass es zur Gründung des Vereins kommt. Denn alle sehen die Notwendigkeit einer solchen Repräsentanz.“

          Strittig bleibt aber, wie viele Muslime in Deutschland die Verbände überhaupt repräsentieren können. Von den 3,2 bis 3,5 Millionen Menschen aus muslimisch geprägten Ländern in Deutschland sind maximal 300.000 organisiert. Zahlreiche Menschen aus islamisch geprägten Ländern sehen sich als säkulare Muslime.

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