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D-Day : Gezeichnete Erde hinter den Landungsstränden

Der Soldatenfriedhof bei Ohmaha Beach Bild: dpa/dpaweb

Das Interesse an „D-Day“ ist größer denn je. Botschaften der Versöhung beherrschen die Feierlichkeiten. Mit Schröder nimmt erstmals ein deutscher Kanzler teil.

          Die letzten Grabplatten sind erst vor ein paar Wochen eingelassen worden. Mehr als 21.500 deutsche Soldaten haben auf dem Friedhof La Cambe in der Normandie ihre letzte Ruhestätte gefunden. Noch immer stoßen Bauern bei der Feldarbeit oder Arbeiter auf Baustellen auf sterbliche Überreste von Soldaten der Wehrmacht. Der Landstrich hinter den Landungsstränden des „D-Day“ bleibt gezeichnete Erde. „Viele Gefallene konnten nicht identifiziert werden. Ihre Grabplatten tragen die Aufschrift: Ein deutscher Soldat“, sagt Lucien Tisserand, der Friedhofsverwalter.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Mit „Blumen gegen das Vergessen“ sind die Gräber des größten deutschen Soldatenfriedhofs in Frankreich kurz vor der offiziellen Zeremonie zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie geschmückt worden. Der Präsident des Bayerischen Landtages, Alois Glück, erinnert in La Cambe an das Schicksal der deutschen Gefallenen - sein Vater gehört zu ihnen. „Wir gedenken der Männer, die in einer für sie undurchschaubaren und unentrinnbaren Kriegsmaschinerie sinnlos, verbrecherisch benutzt und für eine größenwahnsinnige und gleichermaßen menschenverachtende Ideologie eingesetzt und als Menschenmaterial verbraucht wurden.“ 32 Fahnenträger französischer Veteranenorganisationen senken die Fahnen; es ist eine Freundschaftsgeste, welche die Toten des einstigen Kriegsgegners würdigen soll.

          Zum ersten Mal ein deutscher Kanzler dabei

          An versöhnlichen Gesten wird es nicht mangeln, wenn an diesem Sonntag zum ersten Mal ein deutscher Bundeskanzler an einer „D-Day“-Gedenkfeier teilnimmt. Eine Debatte über die Einladung an Gerhard Schröder hat es in Frankreich nicht gegeben. Irgendwie selbstverständlich scheint mittlerweile der Gedanke zu sein, daß der Bundeskanzler an der Seite des französischen, des amerikanischen, des russischen und des polnischen Staatspräsidenten, der britischen Königin und der anderen Staats- und Regierungschefs den Anfang vom Ende der Nazi-Herrschaft feiern will.

          Um die sechs vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterhaltenen Friedhöfe in der Normandie macht der Kanzler freilich einen großen Bogen - vielleicht aus dem Wunsch heraus, nicht in den Verdacht zu geraten, er wolle die Soldaten der Wehrmacht hervorheben. Eine solche „Vorsichtsmaßnahme“ haben sich die französischen Veteranenorganisationen und ihr zuständiger Staatssekretär im Verteidigungsministerium nicht auferlegt. Sie haben unterschiedslos alle Toten gewürdigt. Schröder besucht hingegen einen britischen Friedhof in Ranville, auf dem neben 2150 Briten auch 322 Deutsche und 76 Kanadier begraben liegen. Ranville, nahe der Pegasusbrücke, war das erste Dorf, aus dem die Alliierten am frühen Morgen des 6. Juni die deutschen Soldaten vertrieben hatten.

          Immer mehr deutsche Besucher

          Die Schauplätze des „D-Day“ ziehen schon seit geraumer Zeit Besucher aus aller Welt an. Neu ist, daß immer mehr Deutsche unter ihnen sind. Philippe fährt seine Kunden mit einem Jeep, Baujahr 1944, auf den schmalen Feldwegen hinter den Landungsstränden von zerfallenen Bunkern zu Friedhöfen, Gedenkstätten oder zu den Resten der künstlichen Hafenanlagen der Alliierten. „Noch vor zehn Jahren gab es nur Engländer und Amerikaner, die sich für die Gegend interessierten. Jetzt kommen immer mehr Deutsche, die meisten kennen den Krieg nur aus dem Geschichtsbuch und wollen sich selbst ein Bild machen“, sagt Philippe.

          Die Veteranen, die selbst noch mal einen Jeep steuern wollen, werden weniger, die Zahl der Jüngeren nehme zu. In der Statistik des Departement Calvados, in dem die Landungsstrände mit den Codenamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword liegen, nehmen die englischsprachigen Besucher noch immer den Spitzenplatz ein. Aber die Zahl der Deutschen, welche die 61 Museen und Gedenkstätten besuchen, die an die Schlacht in der Normandie erinnern, steigt von Jahr zu Jahr.

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