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D-Day : Gezeichnete Erde hinter den Landungsstränden

Jacqueline Simon war als junges Mädchen dem Aufruf de Gaulles gefolgt und hatte sich in London den französischen Freiwilligen angeschlossen. Am 23. Juni 1944 landete sie als Verbindungsoffizierin in der Normandie. „Ich hatte keine Angst, ich wollte nur für ein freies Frankreich eintreten“, erinnert sie sich. Auch wenn ihr Ziel damals die Kapitulation des Nazi-Regimes gewesen sei, empfinde sie keine Feindschaft den Deutschen gegenüber. „Die Einladung an den Bundeskanzler ist eine wichtige Botschaft an die junge Generation. Sie zeigt, daß die Alliierten auch für die Befreiung Deutschlands vom Joch der Nazi-Herrschaft gekämpft haben und die Deutschen das heute anerkennen.“

De Gaulles Skandal

Frankreich selbst hat sich mit dem Gedenken an den D-Day nicht immer leichtgetan. General de Gaulle verzieh Briten und Amerikanern nicht den Versuch, ihn und die Kämpfer des „Freien Frankreichs“ von der „Operation Overlord“ auszuschließen, sowie ihren ursprünglichen Plan, Frankreich unter alliierte Militärverwaltung zu stellen. Als de Gaulle 1964 als Staatspräsident die Feier zum 20. Jahrestag organisieren sollte, gab es einen Skandal. Er blieb der Zeremonie in der Normandie fern, ließ es sich aber nicht nehmen, zwei Monate später, am 15. August, in der Provence die Kämpfer der „Forces francaises libres“ zu ehren.

Kein Thema soll tabu sein, wenn sich Franzosen gemeinsam mit Deutschen des Krieges erinnern. Das zeigt das Interesse, das zum ersten Mal den „verfluchten Kindern“ zuteil wird - jenen Kindern, die in den vier Jahren Besatzungszeit aus Beziehungen zwischen Französinnen und deutschen Soldaten hervorgingen. Nach dem Kriegsende galt es in Frankreich als Schande, einen deutschen Vater zu haben; die etwa 200000 Kinder aus diesen Verbindungen wurden diskriminiert, ihre Identität wurde verheimlicht.

Les enfants maudits

Jetzt kommen im Fernsehen und in dem Buch „Les enfants maudits“ von Jean-Paul Picaper und Ludwig Norz die Betroffenen zu Wort. Damit richten die Franzosen die Aufmerksamkeit auf die unrühmliche Zeit der Abrechnung nach Kriegsende. Die Französinnen, die eine Liebesbeziehung zu deutschen Soldaten unterhalten hatten, wurden öffentlich gedemütigt, mit kahlgeschorenem Kopf und oftmals nackt wurden sie einer spottenden Menge vorgeführt.

Den Kindern wurde im besten Fall die Identität des Vaters verschwiegen. Viele erfuhren erst im Erwachsenenalter von ihrer Herkunft, nur wenigen gelang es, eine Beziehung zu „ihrer“ Familie in Deutschland aufzunehmen. Der heute 61 Jahre alte Daniel Rouxel berichtete im Fernsehen, wie er als Sohn eines „Boche“ verhöhnt und beschimpft wurde. Heute sei schon die Bezeichnung „Boche“ unvorstellbar. Für Rouxel wie für viele andere der Soldatenkinder hat die Einladung an den Bundeskanzler eine besondere Dimension. Das gemeinsame Gedenken rette alle, auch die deutschen Soldaten vor dem Vergessen.

Erinnerung an den deutschen Widerstand

Auf dem Weg in die Normandie hat die französische Führung auch den deutschen Widerstand mitgenommen, für deren begrenzte Rolle während der Diktatur Hitlers man inzwischen mehr Verständnis hat. Vor einigen Monaten zeichnete Staatspräsident Chirac Philipp von Boeselager, einen der letzten Überlebenden des 20. Juli, mit der „Ehrenlegion“ aus.

„Wir ehren mit Ihnen jenen Teil des Lichts, der Hoffnung und der Menschlichkeit, der in der deutschen Nation auch während der schrecklichsten Episode der europäischen Geschichte fortbestand“, sagte die damalige Europaministerin. Paris schickt sich an, den 60. Jahrestag des 20. Juli, dem gescheiterten Attentatsversuch gegen Hitler, mit hoher Präsenz in Berlin zu begehen. So soll der Blick in die Vergangenheit das Aussöhnungswerk vollenden.

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