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D-Day-Feierlichkeiten : Obama Beach

In der Normandie trafen sich nicht nur Militärveteranen. Auch viele der Politiker kennen sich schon lange. Putin aber ist ihnen allen ein Rätsel geblieben.

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          Zum Gedenken an die Landung der Alliierten vor siebzig Jahren kamen in der Normandie nicht nur Militärveteranen zusammen. Auch einige der Staatsoberhäupter und Regierungschefs sind schon lange im Geschäft, wenn auch noch nicht ganz so ausdauernd wie Königin Elisabeth II. Sie musste nicht erst in die Geschichtsbücher schauen, um zu wissen, wo damals die Engländer landeten.

          Doch haben auch nach dem Krieg Geborene wie Kanzlerin Merkel und Präsident Obama schon genügend Gelegenheiten (und Mittel) gehabt, sich zumindest kennenzulernen. Auch Putin, der sie vermutlich alle im Amt überdauern wird, ist für sie kein neues Gesicht mehr. Er aber bleibt für die westlichen Politiker ein Rätsel, das auch an den Stränden der Normandie nicht entschlüsselt worden ist.

          Ist er ein Stratege oder doch nur ein Taktiker? Welche langfristigen Ziele verfolgt er in der Ukraine und im sonstigen „nahen Ausland“? Wie soll die Zukunft aussehen, in die er Russland führen will? In Konfrontation oder in Kooperation mit dem „dekadenten“ Westen? Dessen politisches Führungspersonal hat Putin auch bei dieser Gelegenheit versichert, dass niemand Interesse an einer anhaltenden Abkühlung der Beziehungen oder gar an einem neuen Kalten Krieg habe. Doch können die westlichen Verbündeten nach der Annexion der Krim auch nicht so tun, als hätten sie Moskaus Schwenk zurück zu „alten, gefährlichen Denkmustern“ (Merkel) nicht bemerkt.

          Putin seinerseits scheint inzwischen verstanden zu haben, dass die Ukraine-Krise für den Westen ein anderes Spiel ist als der Georgien-Konflikt. Er hat die Flamme im Osten des Landes etwas heruntergedreht, aber nur so weit, dass in Kiew, Berlin und Washington keiner vergisst, wer die Hand auch an diesem Gashahn hat. Die andere gab Putin in der Normandie Poroschenko, weil er weiß, wie sehr sich mancher im Westen über kleine Gesten freut, wenn sie nur als Zeichen der Entspannung gewertet werden können. Soll man dazu auch das kurze Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten zählen, das noch vor ein paar Monaten als schiere Selbstverständlichkeit gegolten hätte? Obama hatte zuvor den „Omaha Beach“, wo damals besonders viele Amerikaner fielen, „a Bridgehead of democracy“ genannt. Das würde man gerne auch über die Strände der Krim sagen. Doch die sind zu einem Brückenkopf der Autokratie geworden.

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