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D-Day-Feierlichkeiten : Nicht einmal Blickkontakt mit Putin

Barack Obama und Francois Hollande beim gemeinsamen Abendessen am Donnerstag in Paris, ebenfalls am Tisch sitzen die Außenminister John Kerry (l.) und Laurent Fabius (2.v.r.). Bild: AFP

Der amerikanische Präsident wünscht kein „tête-à-tête“ mit Putin, wenn in Paris die Weltpolitik am Vortag der D-Day-Feiern zusammentrifft. Wie das Elysée-Protokoll Obama vor peinlichen Situationen bewahrt.

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          Sie sei heilfroh, dass sie „Wladimir Putin nicht die Hand schütteln muss“, hat die ehemalige französische First Lady Valérie Trierweiler ihren Landsleuten mitgeteilt. Für François Hollande, der sich als gewiefter internationaler Zeremonienmeister in Szene setzen will, kommt die Äußerung sehr ungelegen. Er hat keine Mühen gescheut, es allen seinen hohen Gästen am Donnerstag in Paris recht zu machen. Den berühmtesten Platz – direkt am Triumphbogen – für Königin Elisabeth II., das beste Restaurant – „Le Chiberta“ – für den amerikanischen Präsidenten und den schönsten Palast – L’Elysée – für den russischen Präsidenten: so lautet die ausgeklügelte Formel, mit der Hollande am Vortag der Feierlichkeiten zum „D-Day“ in der Normandie alle zufriedenstellen wollte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am leichtesten machte es ihm die 88 Jahre alte britische Königin, die am Nachmittag pünktlich mit einem Eurostar im Pariser Gare du Nord einfuhr. Die Schnellzugverbindung durch den Ärmelkanaltunnel ist das modernste Symbol der französisch-britischen „entente cordiale“, die schon viele Streitigkeiten überdauert hat. Für die Königin, von ihrem fehlerfreien Französisch hatte bereits Präsident Valéry Giscard d’Estaing geschwärmt, handelt es sich um den fünften und – wie die Zeitung „Le Figaro“ bedauernd feststellte – vermutlich letzten Staatsbesuch in Frankreich. Das Gespräch Hollandes mit der Königin im Elysée-Palast am späten Nachmittag wurde als überaus angenehm beschrieben.

          Über die Unterhaltung mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama und Außenminister John Kerry im Restaurant des Sterne-Kochs Guy Savoy unweit des Triumphbogens war Stillschweigen vereinbart worden. Hollande soll es wenig goutiert haben, in der Programmgestaltung für den 6. Juni ständig neue amerikanische Forderungen berücksichtigen zu müssen. Fast hätte der sozialistische Gastgeber gaullistische Töne angeschlagen und sich die amerikanische Bevormundung verbeten, schmunzelte ein Berater im Elysée. Die Kränkung, die Obamas Rückzieher in der Syrien-Krise für Hollande bedeutete, wirkt noch nach. Der französische Präsident hatte sich auf Militärschläge gegen das Regime Baschar al Assads eingestellt und fühlte sich von Obamas Kehrtwende im Stich gelassen.

          Das Vertrauen in das Krisenmanagement Obamas im Falle der Ukraine ist bei Hollande seither begrenzt. Mangelnde Rücksichtnahme auf französische Wirtschaftsinteressen wird Obama im Streit um den Verkauf der zwei Hubschrauberträger vom Typ Mistral an die russische Marine unterstellt. Auch deshalb hegt Hollande, anders als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy, nicht den Ehrgeiz, als Vermittler in der Auseinandersetzung mit Moskau aufzutreten. Sarkozy wird an diesem Freitag auf der Ehrentribüne in Ouistreham sitzen, ebenso der frühere französische Präsident Giscard d’Estaing. Hollande hat seine Vorgänger eingeladen, auch um der französischen Seite bei den Feierlichkeiten mehr Gewicht zu geben.

          Sprache der Monarchie

          Den diplomatischen Reigen bestimmt der Gastgeber nur bedingt. Obama hat angekündigt, er wünsche kein „tête-à-tête“ mit Putin. Beim Mittagessen im Schloss von Bénouville an diesem Freitag sind Obama und Putin laut Informationen der Zeitschrift „Le Point“ an den äußeren Enden der Tafel plaziert – sie müssen noch nicht einmal miteinander in Blickkontakt treten, heißt es. Ebenso sei Sorge dafür getragen worden, dass Putin nicht gezwungen sei, dem ebenfalls anwesenden designierten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko die Hand zu schütteln. Der britische Premierminister und die Bundeskanzlerin haben bereits Vier-Augen-Gespräche mit Putin organisiert. Merkel trifft Putin an diesem Freitagvormittag in Deauville, Cameron traf ihn am Donnerstagabend in Paris. Gänzlich isoliert wird sich der russische Präsident in Frankreich nicht fühlen.

          Um Hollandes Nachtmahl mit Putin am Donnerstag zu beschreiben, griff das Elysée-Protokoll zur Sprache der Monarchie. Er empfange den russischen Präsidenten zu einem „souper“, hieß es. Vor dem standesgemäßen Essen im Präsidentenpalast beschwor Putin im französischen Privatfernsehsender TF1, er wolle verhindern, dass ein „kalter Krieg“ ausbreche. Doch dann giftete er gegen die ehemalige amerikanische Außenministerin Hillary Clinton, die ihn mit Hitler verglichen hatte. Es sei besser, sich mit Frauen nicht zu streiten, sagte Putin. „Wenn Leute über die Stränge schlagen, dann nicht, weil sie zu stark sind, sondern weil sie zu schwach sind. Aber vielleicht ist Schwäche ja nicht die schlechteste Eigenschaft für eine Frau“, sagte Putin lächelnd. Diese Äußerung war auch der Grund für Valérie Trierweilers Empörung. Eine Aktivistin der Gruppe „Femen“ schlug am Donnerstag unter „Diktator Putin“-Rufen auf die Wachsfigur Putins im Musée Grévin in Paris mit einem Holzmeißel ein, bis diese mit zerschlagenem Schädel am Boden lag.

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