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D-Day : 17 Staatsmänner, 17 Kriegsschiffe

Erinnerungen in der Normandie. Bild: REUTERS

Zehntausende werden zur D-Day-Feier in der Normandie erwartet. Es herrscht höchste Sicherheitsstufe in Frankreich. Der amerikanische Präsident Bush bringt trotzdem lieber 500 eigene Sicherheitskräfte mit.

          Der Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ hat schon Kurs auf die Kanalküste genommen. Wenn am Wochenende 17 Staats- und Regierungschefs und die britische Königin mit ihren Delegationen sowie Zehntausende Kriegsveteranen und Besucher zur D-Day-Feier die Normandie-Strände bevölkern, herrscht höchste Sicherheitsstufe in Frankreich. Vor der Küste werden 17 Kriegsschiffe kreuzen, der Luftraum wird nur für militärische Überwachungsflieger freigegeben sein.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Zum Schutz der Staatsgäste hat die Staatsführung in Paris mehr als 18.000 Sicherheitskräfte mobilisiert: 6000 Gendarmen, 3300 Polizisten, 8000 Soldaten sowie 1500 Feuerwehr- und Notrettungsleute. Schätzungsweise 800.000 Euro pro Tag werde der D-Day-Sicherheitsaufwand den französischen Steuerzahler kosten, hat die Zeitung „Figaro“ errechnen lassen. Innenminister de Villepin wird von der Kommandozentrale in Paris aus den Ablauf überwachen. Ziel sei es, die Besucher der Gedenkveranstaltung so wenig wie möglich durch die Sicherheitsvorkehrungen zu beeinträchtigen. „Aber die Gefahren haben seit dem 50. Jahrestag zugenommen.“

          Bush kommt mit 500 eigenen Leuten

          Trotz der immensen Anstrengungen der französischen Gastgeber hat sich der amerikanische Präsident auserbeten, 500 eigene Sicherheitskräfte mitzubringen. Zudem kontrollieren amerikanische Fachleute im Auftrag des Weißen Hauses die französischen Pläne und Vorkehrungen, wie aus der D-Day-Zentrale in Paris leicht gekränkt vermeldet wurde. „Das kennen wir schon vom G-8-Gipfel in Evian. Wenn sie okay sagen, heißt das, daß sie unsere Vorkehrungen einem Test unterziehen werden“, so wird ein hoher französischer Sicherheitsbeamter zitiert.

          Für die Kriegsveteranen, von denen die meisten älter als 80 Jahre sind, hat die französische Regierung eigens 1500 Krankenschwestern und -pfleger vorgesehen, die einspringen sollen, wann immer sich jemand unwohl fühlt. Etwa 300 ehemalige Kämpfer, die von Präsident Chirac mit der Ehrenlegion ausgezeichnet werden, können kostenlos in Fünf-Sterne-Hotels in Paris übernachten.

          Hotels seit Monaten ausgebucht

          „Aus Dankbarkeit gegenüber den Befreiern“, haben sich die Hotels Crillon, George V und Meurice zu dieser Aktion entschlossen. Im Hotel „Meurice“ hatte der deutsche Befehlshaber für Groß-Paris seine Kommandozentrale. In der Nähe der Landungsstrände sind alle Hotels und Pensionen seit Monaten ausgebucht. Die amerikanischen Organisatoren haben nahe Colleville-sur-Mer und Sainte-Mère-Eglise sogar Zeltlager errichtet, um genügend Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen.

          Jedes Land, das mit Truppen an der Normandie-Schlacht beteiligt war, begeht in nationalen Gedenkfeiern den 60. Jahrestag. Am frühen Nachmittag des 6. Juni kommen die 17 Staats- und Regierungschefs dann zu einer gemeinsamen Veranstaltung auf dem Deich von Arromanches zusammen, von dem der Blick auf das Meer und die Überreste des künstlichen Hafens Mulberry fällt. Eine weiße Madonna steht erhaben an dem Küstenstrich, an dem für die Feier ein gigantischer Parkplatz entstanden ist.

          Gedenken an die Gefallenen

          Bundeskanzler Schröder will darauf verzichten, einen der sechs deutschen Soldatenfriedhöfe in der Normandie zu besuchen und die dort bestatteten insgesamt 50.000 deutschen Gefallenen mit einer Kranzniederlegung zu würdigen. Er wird nach der internationalen Zeremonie den britischen Friedhof in Ranville besuchen, auf dem auch etwa 200 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Ranville war das erste Dorf, das am 6. Juni 1944 von britischen Einheiten befreit wurde.

          Am frühen Abend trifft Bundeskanzler Schröder mit dem französischen Staatspräsidenten zu einer binationalen Gedenkstunde am Memorial von Caen ein. Durch alliierte Bombenangriffe und den Häuserkampf der Nazi-Truppen wurde Caen zu mehr als 80 Prozent zerstört. Der Kanzler und der Staatspräsident wollen im Memorial, einem von Präsident Mitterrand 1988 eröffneten Museum, eine Gedenktafel einweihen.

          Die Rolle des deutschen Widerstands

          Für die französische Seite verbindet sich mit der Feier der Wunsch, im Aussöhnungsprozeß mit Deutschland nichts auszulassen. So hat Frankreich in diesem Jahr auch die Rolle des deutschen Widerstands besonders hervorgehoben. Zum 60. Jahrestag des gescheiterten Hitler-Attentats am 20. Juli soll eine hohe Delegation nach Berlin reisen.

          Eine Debatte über die Anwesenheit des Bundeskanzlers bei den D-Day-Veranstaltungen hat sich nicht entwickelt. Die französischen Veteranenverbände haben die Einladung allesamt positiv aufgenommen. Sie legten zu Pfingsten Kränze auf dem größten deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe nieder - eine Geste, auf die Bundeskanzler Schröder bewußt verzichtet.

          Boykottrohungen wegen Bush und Putin

          Zu einer Kontroverse hat hingegen die Präsenz des russischen Präsidenten Putin und des amerikanischen Präsidenten Bush in Paris geführt. Mehrere grüne und sozialistische Regionalabgeordnete kündigten einen Boykott der Feier wegen der „Freiheitsverächter“ Putin und Bush an.

          Der frühere sozialistische Premierminister Laurent Fabius, der sich Hoffnungen auf eine Präsidentschaftskandidatur 2007 macht, sagte, die Anwesenheit Bushs in der Normandie sei ein Paradox. „Präsident Bush wird als Repräsentant der Männer empfangen, die für die Freiheit starben; aber er gilt als der Mann, der das Gegenteil jener Werte vertritt, für die wir Amerika lieben“, sagte Fabius.

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