https://www.faz.net/-gpf-84egl

Hacker-Angriff auf Bundestag : Die wahre Bedrohung

  • -Aktualisiert am

Bild: Greser & Lenz

Der Cyberangriff auf den Bundestag zeigt: In Deutschland wird meist über die falschen Gefahren geredet, wenn es um Datensicherheit und Geheimdienste geht.

          1 Min.

          Allmählich kommt heraus, dass der Deutsche Bundestag Ziel eines massiven Cyberangriffs war. Offenbar gab es noch nie eine Attacke dieser Größe auf eine Einrichtung des Bundes. Irgendjemand hat sich auf höchst professionelle Art und Weise Zugang zu den Computern verschafft, die im Zentrum des parlamentarischen Entscheidungsprozesses dieses Landes stehen. Es kann sein, dass wichtige politische Informationen, höchst vertrauliche Daten, sogar Staatsgeheimnisse in die Hände von Leuten geraten sind, die sie nie hätten sehen sollen. Offenbar kann man noch nicht einmal sagen, ob der Angriff überhaupt schon gestoppt ist. Die Informationstechnologie des Bundestags muss erneuert werden, vielleicht sogar zu großen Teilen.

          Man weiß nicht so recht, worüber man mehr staunen soll: darüber, dass das Zentrum unserer Demokratie nicht besser geschützt ist, oder darüber, dass der politische Betrieb in Berlin mit diesem schweren Angriff auf sein Innenleben recht unbekümmert umgeht. In den mehr als vier Wochen, die seit Entdeckung des Angriffs vergangen sind, haben die Abgeordneten den Vorgang öffentlich behandelt, als seien ein paar Rechnerkabel locker. Die Verwaltung des Bundestags schweigt beharrlich, der sonst so redegewandte Bundestagspräsident äußerte sich sehr spät. Auf der linken Seite des Hauses wurde sogar die Aufklärung behindert, weil man dort den Verfassungsschutz für den größeren Feind hält als fremde Spionageprogramme auf dem eigenen Bürocomputer.

          Bei solchen Vorfällen ist es immer schwierig, den Urheber eindeutig zu identifizieren. Dass es aber Hinweise darauf gibt, dass der Angriff aus dem Ausland kommt, womöglich aus Russland, ist ein erschreckender Beleg dafür, wie sehr bei diesem Thema im Berliner Alltag an der Wirklichkeit vorbeigeredet wird. Seit Jahren verläuft die politische Diskussion so, als gehe die größte Gefahr für die Datensicherheit vom deutschen Staat oder von dem amerikanischen Verbündeten aus. Binnen Stunden wird Zeter und Mordio geschrien, wenn nur der leiseste Verdacht gegen den BND oder die NSA aufkommt. Ohne Zweifel muss man auch die eigenen Dienste im Auge behalten. Die wahre Bedrohung im digitalen Zeitalter, so scheint es, kommt aber aus einer anderen Himmelsrichtung.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Weitere Themen

          „Es gibt keine Ausreden mehr" Video-Seite öffnen

          Klimaaktivistin Luisa Neubauer : „Es gibt keine Ausreden mehr"

          Nur wenige Tage vor der Bundestagswahl plant die Klimabewegung Fridays for Future bundesweit in hunderten Städten Protestaktionen. Im AFPTV-Interview betont Klimaaktivistin Luisa Neubauer die Bedeutung der Wahl.

          Was spricht für welche Koalition?

          Nach der Wahl : Was spricht für welche Koalition?

          Wo sind Brücken, wo sind Hindernisse in den bevorstehenden Sondierungen? Ampel und Jamaika liegen gar nicht so weit auseinander. Insofern gilt: Grüne und FDP suchen sich den Kanzler.

          Topmeldungen

          Wahlplakate in Berlin

          Nach der Wahl : Was spricht für welche Koalition?

          Wo sind Brücken, wo sind Hindernisse in den bevorstehenden Sondierungen? Ampel und Jamaika liegen gar nicht so weit auseinander. Insofern gilt: Grüne und FDP suchen sich den Kanzler.
          Urbanes Gärtnern auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

          Wege aus der Wohnungskrise : Bullerbü statt Babylon?

          Der grüne Traum vom innerstädtischen Blühstreifen begeistert die Wohlhabenden in Prenzlauer Berg. Was ist aber mit Marzahn oder Hellersdorf? Bei der Wahl, nicht nur in Berlin, geht es darum, wie wir wohnen werden.
          Hans-Georg Maaßen trifft Thilo Sarrazin (r), früheres SPD-Mitglied und Politiker, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saal Simson des Congress Centrum Suhl.

          Maaßen und Sarrazin : Wahlkampf der alten Männer

          In Suhl diskutiert CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen mit dem früheren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin. Dabei geht es weniger um Inhalte und vielmehr um die persönliche Kränkung der beiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.