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Hacker-Angriff auf Bundestag : Die wahre Bedrohung

  • -Aktualisiert am

Bild: Greser & Lenz

Der Cyberangriff auf den Bundestag zeigt: In Deutschland wird meist über die falschen Gefahren geredet, wenn es um Datensicherheit und Geheimdienste geht.

          Allmählich kommt heraus, dass der Deutsche Bundestag Ziel eines massiven Cyberangriffs war. Offenbar gab es noch nie eine Attacke dieser Größe auf eine Einrichtung des Bundes. Irgendjemand hat sich auf höchst professionelle Art und Weise Zugang zu den Computern verschafft, die im Zentrum des parlamentarischen Entscheidungsprozesses dieses Landes stehen. Es kann sein, dass wichtige politische Informationen, höchst vertrauliche Daten, sogar Staatsgeheimnisse in die Hände von Leuten geraten sind, die sie nie hätten sehen sollen. Offenbar kann man noch nicht einmal sagen, ob der Angriff überhaupt schon gestoppt ist. Die Informationstechnologie des Bundestags muss erneuert werden, vielleicht sogar zu großen Teilen.

          Man weiß nicht so recht, worüber man mehr staunen soll: darüber, dass das Zentrum unserer Demokratie nicht besser geschützt ist, oder darüber, dass der politische Betrieb in Berlin mit diesem schweren Angriff auf sein Innenleben recht unbekümmert umgeht. In den mehr als vier Wochen, die seit Entdeckung des Angriffs vergangen sind, haben die Abgeordneten den Vorgang öffentlich behandelt, als seien ein paar Rechnerkabel locker. Die Verwaltung des Bundestags schweigt beharrlich, der sonst so redegewandte Bundestagspräsident äußerte sich sehr spät. Auf der linken Seite des Hauses wurde sogar die Aufklärung behindert, weil man dort den Verfassungsschutz für den größeren Feind hält als fremde Spionageprogramme auf dem eigenen Bürocomputer.

          Bei solchen Vorfällen ist es immer schwierig, den Urheber eindeutig zu identifizieren. Dass es aber Hinweise darauf gibt, dass der Angriff aus dem Ausland kommt, womöglich aus Russland, ist ein erschreckender Beleg dafür, wie sehr bei diesem Thema im Berliner Alltag an der Wirklichkeit vorbeigeredet wird. Seit Jahren verläuft die politische Diskussion so, als gehe die größte Gefahr für die Datensicherheit vom deutschen Staat oder von dem amerikanischen Verbündeten aus. Binnen Stunden wird Zeter und Mordio geschrien, wenn nur der leiseste Verdacht gegen den BND oder die NSA aufkommt. Ohne Zweifel muss man auch die eigenen Dienste im Auge behalten. Die wahre Bedrohung im digitalen Zeitalter, so scheint es, kommt aber aus einer anderen Himmelsrichtung.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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