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Cyber-Kriminalität : Das Gift des Misstrauens

Cyber-Banküberfall: Der Angeklagte nutzt einen sehr „analogen“ Sichtschutz, Geld soll er aber elektronisch geraubt haben. Das Bild entstand im August im Düsseldorfer Landgericht Bild: dpa

Computer-Kriminalität wird zum Massendelikt. Die Strafverfolgung wird auch dadurch erschwert, dass die NSA-Affäre großes Misstrauen gegen Behörden hat entstehen lassen. So gerät die deutsche Cyber-Abwehr zunehmend ins Hintertreffen.

          Es war ein Banküberfall mit 40 Millionen Euro Beute. Keine Waffen, keine Gewalt, bloß ein paar Computer und leere Magnetkarten benötigten die raffinierten Täter. Innerhalb von zwei Tagen raubten sie im Februar 2013 bei mehr als 17000 Transaktionen Geldautomaten in 23 Ländern aus. Zuvor waren sie per Internet in zwei arabische Banken eingedrungen, hatten Daten von Prepaid-Kreditkarten manipuliert und diese Datensätze anschließend an weltweit verteilte Helfer geschickt. Die Komplizen kodierten Blankokarten mit diesen Daten, und dann ging es an die Geldautomaten. Allein in Deutschland zogen die Gangster an 1000 Automaten unter anderem in Essen, Hamburg und Frankfurt etwa 2,5 Millionen Euro.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Alltäglicher als solche spektakulären Raubzüge sind kleinere Betrügereien, Diebstähle, Sabotage-Angriffe, die mit dem Tatwerkzeug Internet begangen werden. Bei der Polizei angezeigt werden pro Jahr (Stand 2012) etwa 230000 Fälle. Anonymisierte Befragungen des Landeskriminalamtes Niedersachsen ergaben allerdings, dass nur zehn Prozent der tatsächlichen Vorfälle zur Anzeige gelangen. Taten, die aus dem Ausland verübt wurden, gehen gar nicht erst in die Kriminalstatistik ein. Nach Angaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) werden täglich bis zu 2000 Cyber-Angriffe auf Systeme des Regierungsnetzwerks registriert. Gegen deutsche Unternehmen und ihr Know-how dürften es Zehntausende sein.

          Während Cyber-Spionage und Computerkriminalität zum Massendelikt werden, hat gleichzeitig das Vertrauen in staatliche Strafverfolgung einen Tiefpunkt erreicht. In Sachen Internet misstrauen immer mehr Bürger der Polizei und erst recht ihren Nachrichtendiensten. In der Wirtschaft weigern sich die meisten Firmen aus Angst um ihr Image, bei Computerangriffen die Kripo zu rufen. Bei einer Befragung der Industrie- und Handelskammer Nord gaben nur 6 Prozent der befragten Unternehmen an, im Falle von Cyber-Attacken die Polizei zu verständigen. „Kriminalistik 2.0“, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, seine Gegenoffensive gegen das internetbasierte Verbrechen nennt, hat also ein Imageproblem. Nie haben sich mehr Bürgerinnen und Bürger gegen ein Fahndungsinstrument engagiert als bei der Vorratsdatenspeicherung.

          Für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung

          Dabei geben Computer- und Handydaten den Strafverfolgern oft erste und nicht selten letzte Spuren von Tätern, beispielsweise bei der Suche nach Kinderpornographen. Auch Schutzgelderpressungen im Internet nehmen zu. So wurden 2012 mit Hilfe von Schadprogrammen mehr als 200000 private Computer lahmgelegt, um Geld zu erpressen. Mehr als 32000 Mal sei das gelungen, berichtet das BKA über eine Methode wie den so genannten „BKA-Trojaner“, der den Betroffenen vorgaukelte, die Polizei habe verbotene Pornodarstellungen bei ihnen entdeckt und den Rechner deswegen gesperrt. Nach einem vergleichbaren Tatmodell handelten Anfang 2012 unbekannte Täter und attackierten die Websites von Online-Shops. Nach ersten Erfolgen boten die Täter in Erpresser-Mails an, gegen eine Zahlung von 10000 Dollar auf weitere Besuche mit dem Cyber-Baseballschläger in den Geschäften zu verzichten. Auch hier behinderten rechtliche Schranken Ermittlungen, deren Spuren zunächst nach Litauen führten.

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