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CSU-Ministerposten : Drei mal Eins macht sehr viel Bayern

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Aus den Möglichkeiten das beste gemacht: So präsentieren Horst Seehofer und seine Partei die Ressortverteilung in der großen Koalition. Bild: dpa

Die CSU rechnet sich ihre Ressorts Landwirtschaft, Entwicklung und Verkehr schön. Dafür bedarf es höherer und höchster Mathematik.

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          Schwerstarbeit haben am Sonntag die kleinen und großen Auguren der CSU leisten müssen. Es galt, die Berliner Kabinettsliste so zu deuten, dass sie eine herrliche Zeit für die Partei Horst Seehofers in der großen Koalition verhieß. Besondere Beliebtheit erfreute sich der numerische Ansatz: Es wurde Eins (Verkehr) und Eins (Landwirtschaft) und Eins (Entwicklungshilfe) zusammengezählt – und heraus kam eine bärenstarke CSU, die mit drei Ressorts alle Lügen strafe, die ihr nur eine Nebenrolle im großkoalitionären Berlin prophezeien.

          Eine weiteres Zahlenspiel hellte die CSU-Mienen noch mehr auf: Bei 7,4 Prozent der Wählerstimmen, welche die CSU bezogen auf das Bundesgebiet errang, seien drei Ressorts eine optimale Bewirtschaftung begrenzter Ressourcen. Die CSU erhalte ein Ministerium je 2,47 Prozent der Stimmen, wurde errechnet; um auf ein solches Preis-Leistungsverhältnis zu kommen, hätte die CDU rund vierzehn Ministerien besetzen müssen.

          Zahlen, Zahlen, Zahlen

          Weniger gern wurden im Umkreis des Münchner Literaturhauses, in dem zur abendlichen Stunde der CSU-Vorstand zusammentrat, soziologische Deutungen gehört, die das Berliner Kabinett als eine Art Klassengesellschaft interpretierten. Die Ressorts des Äußeren, Finanzen, Wirtschaft, Innen, Justiz und Verteidigung als Bourgeoisie, die Entwicklungszusammenarbeit als Proletariat, dazwischen die Ressorts für Verkehr und Landwirtschaft.

          Zahlen, Zahlen, Zahlen, hieß die Devise, zumindest solange Seehofer in Hörweite war. Seines Wohlwollens durfte sicher sein, wer ohne zu stocken vorrechnen konnte, dass in der Großen Koalition in den Jahren 1966 bis 1969 die CSU auch nur drei Minister stellte. Und das Maximum an Zuwendung versprach die einfachste aller Rechnungen, bezogen auf die große Koalition von 2005 bis 2009: Eins und eins – mehr habe es für die CSU bei den Ressorts in dieser Zeit nicht zu addieren gegeben. Wer noch vorrechnete, dass Seehofer den Berliner Ministeranteil verglichen zu 2005 bis 2009 um 50 Prozent gemehrt hat, sollte sich mindestens bis zum Kreuther CSU-Treffen im Januar nicht mehr um seine innerparteiliche Zukunft sorgen müssen.

          Viel gegen wenig Ärger eingetauscht

          Es darf nur nicht der Fehler unterlaufen, dem einige Hasardeure in der CSU am Sonntag gefährlich nahe waren, indem sie bezweifelten, dass in der Politik Eins immer Eins ist. Sie mäkelten, dass in den sechziger Jahren Franz-Josef Strauß als Finanzminister die großkoalitionäre Arithmetik belebt habe. Ja, sie schreckten sogar nicht davor zurück, daran zu erinnern, dass im ersten Kabinett Merkel für das Amt des Wirtschaftsministers ein eigener Zahlenwert, der „Stoiber“, eingeführt wurde. Als der Namensgeber nicht mehr nach Berlin wollte und an seine Stelle erst Michael Glos, dann Karl-Theodor zu Guttenberg ins Kabinett einrückte, galt wieder die übliche Mathematik.

          Weg von der politischen hin zu mehr ökonomischen Rechenarten führten am Sonntag andere Betrachtungsweisen. Für eine Regionalpartei – an sich ein verbotenes Wort in der CSU – verheiße das Verkehrs- und Landwirtschaftsressort eine Gewinnmaximierung: Das habe sich schon in der schwarz-gelben Vorgängerkoalition gezeigt. Der Tausch des Innen- mit dem Entwicklungszusammenarbeitressort möge aus Berliner Perspektive nahe an eine politische Insolvenz kommen; aus Münchner Sicht werde viel Ärger gegen wenig Ärger eingetauscht. Richtig geschadet habe es schließlich nicht, dass die CSU schon einmal in der Ära Kohl die Entwicklungshilfe in Berlin verwaltet habe, mit Carl-Dieter Spranger.

          Die Berechnung des Antipathie-Faktors

          Blieb am Sonntag noch der Blick auf die letztverbindliche Mathematik – die Verrechnung der Sympathien und Antipathien. Insoweit war Peter Ramsauer im Verkehrsressort immer schon eine prekäre Existenz; um auszudrücken, was Seehofer von ihm und er von Seehofer hielt, bedurfte es keiner großen Formeln. Wobei Sympathien und Antipathien nicht persönlich, sondern politisch-instrumentell gesehen werden müssen.

          Hätte Ramsauer zu einer Zeit, in der das möglich war, zum Vorsitz des mächtigen CSU-Bezirks Oberbayern gegriffen, wäre nicht auszuschließen gewesen, dass Alexander Dobrindt jetzt freudig entdeckt hätte, dass seine Leidenschaft unterentwickelten Regionen auf dem Globus gilt. Die Bezirksvorsitzenden haben in der CSU Gewicht. Hans-Peter Friedrich ist Vorsitzender des CSU-Bezirks Oberfranken – da war es auch dem Mathematiker Seehofer nicht möglich, ihm vorzurechnen, dass Innenministerium gleich Entwicklungshilfeministerium sei. Es musste schon das Landwirtschaftsministerium in die Rechnung aufgenommen werden.

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