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CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer : Die große Geschichte vom kleinen Doktor

  • -Aktualisiert am

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer Bild: dpa

Auch nach den Plagiatsskandalen der vergangenen Jahre tritt der neue CSU-Generalsekretär als „Dr. Andreas Scheuer“ auf. Je genauer man hinschaut, desto kühner erscheint das.

          Zu den Mysterien dieser Republik gehört die Gläubigkeit in die Magie der Zeichenkombination „Dr.“ Für sie haben manche Politiker große Opfer in Kauf genommen - selbst Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen Adelsprädikat schon Wunderkräfte zugeschrieben wurden. Zu den besonders Opferbereiten darf der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gerechnet werden. Ihm hat der „Doktor filozofie“, ein sogenannter „kleiner Doktorgrad“, den er an der Prager Karls-Universität 2004 erworben hat, einigen Ärger eingebracht - von einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft, das eingestellt wurde, bis zu Plagiatsvorwürfen in Medien in seiner Heimat Passau. Doch der 39 Jahre alte Scheuer hält an seinem Glauben fest - über seinem Lebenslauf prangt in großen Lettern „Dr. Andreas Scheuer“. Und auch seine Partei präsentiert ihn auf ihren Websites als „Dr. Andreas Scheuer“.

          Scheuers Aufbruch in die magische Welt der „Dr.“ begann unauffällig, wie so oft bei Erweckungsgeschichten. Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium Leopoldinum in Passau legte er 1998 das 1. Staatsexamen für das Lehramt für Realschulen ab. Es folgte ein Studium der „Politikwissenschaften/Soziologie/Wirtschaft“ an der Universität Passau. Bei der Magisterarbeit machten sich die Prägungen bemerkbar, die Scheuer als Jungpolitiker in der CSU erfuhr; er befasste sich in der Arbeit mit dem Wahlkampf von Edmund Stoiber. Scheuer ist nicht der Erfinder des Transfers früher politischer Erfahrungen in wissenschaftliche Prosa; er führt einen Traditionsstrang fort, der bis zu Helmut Kohl zurückreicht.

          Auf vertrautem Terrain

          Auf die Graduierung als „Magister Artium“ (M.A.) 2001 in Passau folgte ein Jahr später die Wahl in den Bundestag. Scheuer gehörte zu der Kohorte junger CSU-Politiker, die anders als Altvordere in der Partei richtig eingeschätzt hatten, dass mit einem bayerischen Kanzlerkandidaten auch hintere Listenplätze für den Einzug ins Parlament reichten. Manche hätten schon der Zeichenfolge „MdB Andreas Scheuer M.A.“ magische Wirkungen zugetraut - Scheuer machte sich nach Prag auf. In der tschechischen Hauptstadt fand er in dem Politikwissenschaftler Rudolf Kučera einen Mentor, wie ihn sich alle, die an die Wunderkräfte der Zeichenfolge „Dr.“ glauben, nicht schöner erträumen können.

          Scheuer musste sich nicht mit Vergleichen deutscher und tschechischer Politik quälen, sondern konnte mit einer Arbeit über „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“ auf vertrautem Terrain bleiben. Er musste sich auch nicht mit der Konjugation tschechischer Verben und der Intonation stimmhafter palataler Nasale quälen. Die Arbeit konnte in deutscher Sprache abgefasst werden; auch das Rigorosum fand in deutscher Sprache statt. Kučera spreche ausgezeichnet Deutsch, ließ Scheuer seinen Sprecher auf Fragen dieser Zeitung, wie es um Scheuers Tschechisch-Kenntnisse bestellt sei, mitteilen; es sei nicht erforderlich gewesen, Tschechisch zu erlernen.

          Dissertation zwischen zwei Buchdeckeln

          Kučera ergänzte gegenüber dieser Zeitung, Scheuer habe keine Lehrveranstaltungen in Prag besucht; Kenntnisse des Tschechischen seien nicht verlangt worden. Der CSU-Politiker sei auch nicht der einzige Ausländer gewesen, der auf diese Weise ein Doktorat in Prag erworben habe; das sei zu dieser Zeit „ganz normal“ gewesen. Studenten, die zu dieser Zeit akademische Würden in der Tschechischen Republik anstrebten, berichten von einer anderen Normalität. Auch Dozenten, die im Deutschen bestens zu Hause gewesen seien, hätten darauf bestanden, dass in Seminaren und Prüfungen die Landessprache gesprochen werde.

          Spätestens an diesem Punkt setzt ein Raunen ein. Es wird auf eine Nähe Kučeras zur CSU über die Paneuropa-Union verwiesen - und zu den Sudetendeutschen. Die vorgehaltene Hand, mit denen solche Bemerkungen begleitet werden, ist aber gar nicht nötig: Kučera macht in einem Geleitwort zur Arbeit Scheuers kein Hehl daraus, dass er Sympathien für die CSU hegt. Die „langfristigen Erfolge“ der bayerischen Partei könnten „meines Erachtens für die Tschechische Republik eine Quelle positiver und hilfreicher Modelle politischen Handelns“ sein, schreibt er.

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