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Coronavirus : Man kann nicht vorsichtig genug sein

Infektionsherd? Das Uni-Klinikum Eppendorf in Hamburg Bild: dpa

Die Deutschen decken sich mit Lebensmitteln ein – aus Sorge, dass sie in Quarantäne müssen. Auch die Bahn und die Bundeswehr bereiten sich auf eine mögliche Epidemie vor.

  • Aktualisiert am
          7 Min.

          Der Einkaufszettel ist eindeutig. Benötigt werden 20 Liter Getränke, gute drei Kilogramm Getreide, Brot, Nudeln oder Reis, dazu vier Kilogramm Gemüse oder Hülsenfrüchte. Ergänzt wird die Liste um 2,6 Kilogramm Milchprodukte, etwa genauso viel Obst und Nüsse sowie anderthalb Kilo Fleisch und Eier. Damit soll eine Person zehn Tage lang auskommen. Die Empfehlungen stammen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, und sie dürften dieser Tage für viele von besonderem Interesse sein. Überall in Deutschland decken sich die Menschen in Supermärkten mit Lebensmittelvorräten ein, seitdem aufgrund des Ausbruchs des neuartigen Coronavirus mehrere hundert Personen, die Kontakt mit Infizierten hatten, von den Behörden unter häusliche Quarantäne gestellt wurden – für zwei Wochen übrigens, nicht nur für zehn Tage. Der Lebensmittelkonzern Aldi-Süd berichtete von Hamsterkäufen in einzelnen Filialen, die Kunden würden haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel in größeren Mengen kaufen als gewöhnlich.

          Nicht immer spricht die Bundesregierung mit einer Stimme, wenn es um den richtigen Umgang mit dem Coronavirus geht. Die Deutschen stürzen sich nicht nur auf Lebensmittel, sondern auch auf Atemschutzmasken. Am Donnerstagabend dachte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Fernsehen laut darüber nach, diese Masken notfalls beschlagnahmen zu lassen. Sie sind derzeit in vielen Apotheken vergriffen. „Wir müssen uns auf eine Knappheit in diesem Bereich einstellen“, sagte Spahn. Wenn sich die Lage verschärfte dürften die Masken nicht mehr exportiert werden oder anderweitig das Land verlassen. Spahn sagte: „Das wäre nämlich angesichts dessen, was sich entwickeln kann, dann falsch.“ Am Freitag rückte das Robert-Koch-Institut, die Bundesbehörde für Infektionskrankheiten unter dem Dach des Gesundheitsministeriums, die Darstellung zurecht. Der Vizepräsident des Instituts, Lars Schaade, hält den Gebrauch von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln im Alltag nämlich für unnötig. „Wasser und Seife reicht“, sagte Schaade. Und zum Gebrauch der Schutzmasken fügte er hinzu: „Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass das irgendeinen Sinn hat.“

          Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Deutschland ist unterdessen weiter gestiegen, sie lag am Freitagabend bei mehr als 50. Nachdem bereits am Donnerstagabend 19 zusätzliche Ansteckungen bekanntgeworden waren, davon 14 im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, vier in Baden-Württemberg und eine in Bayern, stiegen die Zahlen am Freitag erwartungsgemäß weiter. Ein Arzt der Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg hat sich mit dem Coronavirus infiziert und befindet sich in häuslicher Isolation, wie die zuständige Gesundheitsbehörde in der Nacht zu Freitag bestätigte. Der Mann wohne in Schleswig-Holstein und habe Urlaub im italienischen Trentino gemacht, das nicht zum Risikogebiet zählt. Es seien etwa 50 enge Kontaktpersonen des Arztes ermittelt worden, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Freitag. Die Betroffenen seien auf die Erkrankung getestet worden. „Alle bisher vorliegenden Ergebnisse sind negativ“, sagte sie. Unter ihnen seien 16 Kinder, die zusammen mit je einem Elternteil auf der Station isoliert worden seien, und zwölf ärztliche Mitarbeiter, die zu Hause in Isolation seien.

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