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Chinas Kampf gegen das Virus : Kopfgeld auf kranke Russland-Heimkehrer

Ausschau nach unerwünschten Heimkehren: Ein Mitarbeiter eines Kontrollpunktes in der Grenzstadt Suifenhe in der Provinz Heilongjiang. Bild: AFP

Peking fürchtet den Zustrom von infizierten Chinesen aus Russland und hat deshalb die Landgrenze geschlossen. Dahinter steht die Angst vor einer zweiten Infektionswelle.

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          In der chinesischen Grenzprovinz Heilongjiang sollen sich die Bewohner jetzt als Grenzschützer betätigen. Jeder, der einen Übeltäter beim illegalen Grenzübertritt aus Russland erwischt und ihn eigenhändig der Polizei ausliefert, erhält eine Belohnung von umgerechnet 650 Euro. Wer nicht selbst Hand anlegen will, sondern nur sachdienliche Hinweise auf entsprechende Personen liefert, kann immerhin noch auf 390 Euro hoffen.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Das Kopfgeld richtet sich keineswegs gegen illegale Einwanderer. Vielmehr handelt es sich bei den Einreisenden um chinesische Staatsbürger, die aus Angst vor Covid-19 aus Russland fliehen. Weil es nur noch wenige Flüge zwischen Moskau und Peking gibt, waren mehr als 2000 Chinesen, vor allem Händler, Anfang April nach Wladiwostok geflogen, um von dort über die Landgrenze nach China heimzukehren. Doch als sich unter ihnen immer mehr Infizierte fanden, schloss China die Landgrenze auch für die eigenen Staatsbürger. Dahinter steht die Angst vor einer zweiten Infektionswelle, die Chinas Hoffnungen auf eine Normalisierung der Lage zerschlagen könnte.

          Chinas Botschafter in Russland, Zhang Hanhui, zeigte wenig Verständnis für die Ängste seiner Staatsbürger. In einem Interview mit dem chinesischen Staatsfernsehen sagte er, es sei „moralisch verwerflich, das Virus zurück (nach China) zu bringen“. Zudem warf er ihnen vor, Chinas Beziehungen zu Russland zu belasten, weil sie den Eindruck erweckt hätten, Russland behandle sie schlecht. „Dieses Verhalten ist verachtenswert.“ Chinesen in Russland beklagen, dass sie aufgrund ihrer Nationalität schärferen Quarantänemaßnahmen unterworfen würden als russische Bürger. Für China, das eine Annäherung an Russland sucht, sind solche Irritationen, unangenehm. Anders als bei den Vereinigten Staaten hatte Peking nicht lautstark protestiert, als Russland bereits Ende Januar Einreisen über die Landgrenze verboten hatte.

          Im chinesischen Internet riefen Zhangs Äußerungen ein geteiltes Echo hervor. Einerseits ist die Angst in China groß, dass importierte Fälle die bisherigen Anstrengungen gegen Covid-19 zunichtemachen könnten. Andererseits gab es Stimmen im Internet, die sich sarkastisch darüber äußerten, dass das sonst so patriotische oder kraftmeiernde China nicht in der Lage sein sollte, sich um seine kranken Staatsbürger zu kümmern.

          Trotz der Sicherheitsmaßnahmen hat sich Heilongjiang inzwischen zum Epizentrum innerhalb Chinas entwickelt. Die kleine Grenzstadt Suifenhe, wo es inzwischen mehr als 400 Fälle gibt, führte strikte Ausgangsbeschränkungen ein, wie man sie bislang vor allem aus Hubei kannte. Alle Wohngebiete wurden abgeriegelt und nur eine Person pro Haushalt darf alle drei Tage einkaufen gehen.

          Die russische Lokalregierung auf der anderen Seite der Grenze würde die gestrandeten Chinesen lieber heute als morgen los. Ein Flug von Moskau ins chinesische Xi‘an in dieser Woche ließ erahnen, dass die russischen Behörden es bei der Gesundheitskontrolle der Passagiere nicht allzu genau nehmen. Von den 166 Passagieren wurden 28 nach der Landung positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

          Neben Suifenhe ist auch die Provinzhauptstadt Harbin stark von einem neuen Ausbruch betroffen. Das liegt vor allem an einer Infektionskette, die von einer aus New York zurückgekommenen Studentin ausging. Sie habe einen Nachbarn angesteckt, der bei einem Familientreffen eine weitere Person infizierte, die wiederum später wegen eines Gehirnschlags ins Krankenhaus kam und dort Dutzende Patienten und Angehörige ansteckte. Der Fall führte dazu, dass China erstmals seit sechs Wochen mehr „heimische“ als „importierte“ Infektionen meldete. Die Bestrafung durch die Partei für nachlässige Präventionsmaßnahmen folgte prompt: 18 Verantwortliche erhielten eine Notiz in ihrer Parteipersonalakte, die ihrer Karriere sicher nicht förderlich sein wird.

          Auch in Harbin gelten deshalb seit dieser Woche drastische Regeln: Im Falle von bestätigten Infektionen wird der gesamte Wohnblock des Betroffenen samt aller Nachbarn für 14 Tage abgeriegelt. Die Bewohner werden vom Nachbarschaftskomitee mit Lebensmitteln versorgt. In der ganzen Stadt dürfen die Menschen ihre Wohnblocks nur noch verlassen, wenn ihnen auf einer App die gesundheitliche Unbedenklichkeit bescheinigt wird. Besuche von Familienangehörigen und Freunden wurden untersagt ebenso wie Hochzeiten, Beerdigungen und öffentliche Veranstaltungen.

          Die Lokalregierung rief zudem ein Kopfgeld auf jeden aus, der aus dem Ausland oder einem chinesischen Risikogebiet nach Harbin zurückkehre und sich nicht an die Quarantänevorschriften halte. Bürger, die solche Personen denunzieren, sollen eine Belohnung von umgerechnet 390 Euro erhalten. Jeder, der in einer Apotheke fiebersenkende Mittel, Hustensaft oder antivirale Medikamente kauft, wird den Gesundheitsbehörden gemeldet.

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