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Corona-Lage in Großbritannien : Auf dem Weg zum zweiten Lockdown?

Newcastle im September Bild: AFP

In Großbritannien steigt die Infektionsrate scharf an. Das wurde lange Zeit entspannt gesehen. Nun geht auch die Zahl der Krankenhauseinlieferungen nach oben. Schon gibt es lokale Lockdowns.

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          Während sich in Deutschland vielerorts die Fußballstadien wieder vorsichtig füllen, nähern sich die Briten in immer schnelleren Schritten einem zweiten Lockdown. Seit Anfang der Woche gilt die „Rule of Six“, nach dem sich nicht mehr als sechs Personen treffen dürfen – innen wie an der frischen Luft. Anders als bei früheren Maßnahmen wird diesmal durchgegriffen. Neu rekrutierte Aufsichtspersonen („Covid-Marshalls“) sollen aufpassen, das sich das Volk an die Auflage hält. Bei Zuwiderhandlungen drohen hohe Bußgelder. Die Maßnahme ist nicht in allen Landesteilen gleich geregelt, aber die Unterschiede halten sich in Grenzen. In Schottland etwa sind Kinder aus der Sechser-Regel ausgenommen.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Parallel dazu wächst die Zahl der örtlich begrenzten Lockdowns, die ebenfalls unterschiedlich tief in den Alltag der Menschen eingreifen. Im Norden Englands gilt in vielen Regionen das Verbot, „Haushalte zu mischen“. In einigen Städten, etwa in Newcastle, müssen die Pubs früher schließen. In vielen Orten wird überdies erwogen, den Besuchsverkehr in Alten- und Pflegeheimen wieder zu stoppen. Am Freitag wurde damit gerechnet, dass die Regierung auch für den Rest Englands härtere Vorsichtsmaßnahmen anordnen wird, darunter eine Ausdehnung der Maskenpflicht, die bisher nur in öffentlichen Verkehrsmitteln, Behörden und Geschäften gilt.

          Hintergrund der Verschärfungen ist ein steiler Anstieg der Infektionsraten. Laut der Gesundheitsbehörde „Public Health England“ gibt es inzwischen 128 Gebiete, in denen die Infektionsrate bei mehr als 20 Fällen je 100.000 Einwohner in einer Woche liegen. Spitzenreiter ist derzeit Bolton (nahe Manchester), mit mehr als 200 Fällen je 100.000 Einwohner. Die Zahl der durch Test registrierten Neuinfektionen liegt landesweit bei 3.300 am Tag. Laut Antony Costello, Mitglied im offiziellen Corona-Beratungsgremium, wird die wahre Zahl in der Regierung auf 38.000 am Tag geschätzt.

          Längere Zeit wurde der Anstieg eher entspannt verfolgt, weil gleichzeitig die Zahl der Covid-Toten und klinischen Patienten kontinuierlich abnahm. Die meisten Neuinfektionen tauchten bei jungen Menschen auf, die sich oft auf Parties oder in Pubs angesteckt hatten. Aber seit einigen Tagen steigt die Zahl der Krankenhaus-Einweisungen wieder, und die meisten Patienten sind keine Jugendlichen. Matt Hanckock, der Gesundheitsminister, gab am Freitag bekannt, dass sich die Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern alle acht Tage verdoppelt. Offenbar blieb die Warnung, die er unlängst an junge Briten gerichtet hatte, ohne Wirkung: „Tötet nicht Eure Omi, indem Ihr Euch das Corona-Virus einfangt und dann weitergebt.“ Krankenhäuser und Kommunen wurden inzwischen aufgefordert, in den nächsten zwei Wochen mehr Betten für Corona-Patienten bereitzustellen.

          Derweil wächst die Kritik an der Regierung von Premierminister Boris Johnson. Während einigen Briten die Verschärfungen zu weit gehen, werfen andere der Regierung Unentschiedenheit vor. Einig ist man sich in der Kritik am „Test and Trace System“, das im Sommer vollmundig als das „weltbeste“ eingeführt worden war. Bis heute ist keine Corona-App im Einsatz. Die Testkapazitäten konnten zwar auf 230.000 Test am Tag heraufgefahren werden, aber zuletzt lag die Zahl der täglichen Anfragen bei einer Million. Das führt dazu, dass viele Briten tagelang auf ihren Test warten müssen oder aber aufgefordert werden, zum Teil hunderte Kilometer entfernte Testzentren aufzusuchen, die schwächer ausgelastet sind.

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