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Corona-Lockerungen in Holland : Zurück in den Kindergarten und auf den Sportplatz

Der niederländishce Premierminister Mark Rutte spricht am 10. April mit Kindern in einem Kindergarten in Den Haag. Bild: EPA

In den Niederlanden werden jetzt die Beschränkungen für Kinder gelockert. Ministerpräsident Rutte sagt, ihr Infektionsrisiko sei gering. Sogar Mannschaftssport ist wieder erlaubt.

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          Die Niederlande gehen in der Corona-Krise weiter ihren eigenen Weg. Das zeigte sich, als Ministerpräsident Mark Rutte am Dienstagabend Lockerungen bekanntgab, die vor allem Kinder betreffen. Während in Deutschland Kitas und Grundschulen zunächst geschlossen bleiben, werden sie im Nachbarland als erstes wieder öffnen. Vom 11. Mai an dürfen Eltern ihre Kleinsten wieder in Betreuungseinrichtungen bringen. Die Grundschulen sollen mit halber Klassenstärke starten. In der Praxis werden die Stundenpläne wohl halbiert, so dass die Kinder im Wechsel Unterricht bekommen können. Weiterführende Schulen sollen erst vom 2. Juni an wieder schrittweise öffnen.

          Thomas Gutschker
          (T.G.), Politik

          Viel Zeit für Unterricht bleibt dann nicht mehr – die Sommerferien beginnen in den Provinzen zwischen dem 4. und 18. Juli. Zur Begründung sagte Rutte: „Alle Daten zeigen, dass es weniger wahrscheinlich ist, dass sich junge Kinder infizieren, und dass das Risiko für diese Gruppe gering ist.“ Außerdem wolle er Eltern das Leben erleichtern.

          Nur unter Aufsicht und keine Wettkämpfe

          Schon Ende dieses Monats sind deshalb auch sportliche Aktivitäten wieder erlaubt, die über Joggen hinausgehen. So dürfen Kinder bis 12 Jahren sogar Mannschaftssport betreiben, bei dem sie untereinander körperlichen Kontakt haben. Die Älteren bis 18 Jahren dürfen jeden Sport betreiben, bei dem anderthalb Meter Abstand zwischen den Spielern gehalten werden, also etwa Tennis oder Tischtennis. In beiden Fällen gilt die Einschränkung: nur unter Aufsicht und keine Wettkämpfe.

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          Die Gemeinden sollen mit den Sportvereinen entsprechende Vorkehrungen treffen. Erwachsene müssen sich dagegen auf individuellen Sport beschränken. Athleten dürfen wieder trainieren, sofern sie das Abstandsgebot wahren. Massenveranstaltungen, also auch Fußballspiele vor Publikum, bleiben bis Anfang September verboten.

          Die Regierung kann sich dabei auf die Empfehlungen einer von ihr eingesetzten Expertengruppe stützen. Der Leiter der niederländischen Infektionsschutzbehörde Jaap van Dissel sekundierte Rutte mit Zahlen. Von 34.000 Menschen, denen im Land eine Infektion nachgewiesen wurde, seien nur 147 jünger als 14 Jahre gewesen. Von denen wiederum mussten 47 im Krankenhaus behandelt werden. „Kinder sind bei der Zahl der Erkrankungen klar unterrepräsentiert“, sagte der Virologe. „Wir sehen das auch andernorts auf der Welt.“ Das stimmt, allerdings folgt daraus nicht automatisch der Schluss, dass Kinder sich selbst nicht infizieren. Es könnte ebenso sein, dass Kinder meistens nicht erkranken und deshalb auch nicht getestet werden, das Virus aber an Erwachsene weitergeben. Um das zu klären, sind zusätzliche Studien notwendig.

          Weiter geschlossen sind in den Niederlanden Restaurants, Cafés, Bars, Bordelle und Frisörsalons. Geschäfte und Hotels durften dagegen schon in den vorigen Wochen offen bleiben, wenn sie ausreichend sozialen Abstand zwischen ihren Kunden wahren – das war Teil des niederländischen Sonderwegs. Allerdings wurden Verstöße von den Behörden streng geahndet.

          Insgesamt ist es dem Land gelungen, das Virus unter Kontrolle zu bekommen. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern geht zurück, auch auf den Intensivstationen. Die Niederlande verfügen zwar nur über 3000 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten, doch wurde diese Kapazität zu keinem Zeitpunkt voll ausgeschöpft. Am Anfang der Krise hatte Ministerpräsident Rutte den Eindruck erweckt, er strebe eine „Herdenimmunität“ an. Dann wäre das Virus frei unter der normalen Bevölkerung zirkuliert, Ältere und Risikogruppen hätten dagegen besonders geschützt werden müssen. Allerdings stellte die Regierung nach Kritik an diesem Ansatz schnell klar, dass auch für sie das oberste Ziel sei, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

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