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Bayern und Sachsen : Impfpflicht? „Was denn sonst!?“

Im Stadthaus Heidenau warten die Leute auf eine Impfung gegen Sars-CoV-2 durch ein mobiles Impfteam des DRK. Bild: Robert Gommlich

Viele wollen sich nun doch impfen lassen. In Bayern und Sachsen liegt die Impfquote dennoch viel zu niedrig. Woran liegt es?

          9 Min.

          Um kurz vor neun Uhr ringelt sich die Menschenschlange aus dem Vorraum die Treppe hinab ins Foyer und hinaus auf den Hof, einmal um das Haus herum über den Platz bis zur Straße. „Impfen ohne Termin beim Mobilen Impfteam“ hat der Landkreis Sächsische Schweiz angekündigt, und rund 300 Menschen hier hoffen am Donnerstagmorgen, eine Corona-Impfung zu bekommen. „Ich bin seit um sieben hier“, sagt eine ältere Frau, die einen der wenigen Stühle im Warteraum ergattert hat. Der Mann neben ihr berichtet, dass seine Hausärztin im Urlaub und dies sein dritter Versuch sei, an die Impfung zu gelangen. Zwei Mal schon sei er in anderen Orten weggeschickt worden, „weil der Impfstoff alle war“. Die Erfahrung teilen mehrere Wartende, als plötzlich Bewegung in die Schlange kommt. Eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, das in Sachsen die Mobilen Impfteams koordiniert, eilt im blauen OP-Kittel die Treppe hinauf, schließt den Impfraum auf, verteilt Aufklärungsbögen. Sie sei kurzfristig als Ersatz eingesprungen, sagt sie. Jetzt müsse man sehen.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.
          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Dabei ist schon am Morgen klar: Es wird nur für maximal die Hälfte der Leute reichen, und das liege nicht am Impfstoff, sagt Kai Kranich vom DRK. „Unsere Teams nehmen immer nur so viel mit, wie sie mit dem vorhandenen Personal an einem Tag verimpfen können.“ Rund 100 Impfungen seien die Norm, inzwischen schaffe man auch 150. Zwei Teams hat Sachsens DRK in jedem Landkreis im Einsatz, seit Ende September die Impfzentren mangels Nachfrage geschlossen wurden. Auch im Oktober habe es kaum Impfbedarf gegeben, sagt Kranich. Seit Anfang November jedoch rennten die Leute ihnen die Bude ein. Weniger die Ungeimpften, sondern vor allem Menschen, die ihre Drittimpfung, den „Booster“, erhalten wollten. Mehr als zwei Drittel Auffrischungsimpfungen und gerade mal ein Sechstel Erstimpfungen weist die DRK-Statistik seitdem aus. Auch in Heidenau heben bei der Frage nach dem Booster fast alle im Warteraum ihre Hand.

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