https://www.faz.net/-gpf-3fcg

Cornelia Pieper : Genschers Mädchen möchte regieren

Hallenser hilft Hallenserin: Genscher und Pieper Bild: dpa

Bloß kein Risiko! Cornelia Pieper möchte Ministerpräsidentin von Sachsen-Anhalt werden oder FDP-Generalsekretärin in Berlin bleiben.

          4 Min.

          Die Wahlen in Sachsen-Anhalt werden zur Testwahl für den Bund stilisiert. Zwar sind es in diesem Jahr die einzigen Landtagswahlen vor dem 22. September. Doch könnten die Voraussetzungen in Magdeburg und Berlin nicht unterschiedlicher sein. Nicht nur wegen der Besonderheiten der Parteienlandschaft in Ostdeutschland. Von einer Persönlichkeitswahl kann in dem Bindestrich-Land nun weiß Gott keine Rede sein. Allein die FDP macht ihren Kopf zum Kern ihrer Kampagne: Das ist der Grund, warum Cornelia Pieper sagt, sie wolle Ministerpräsidentin in Magdeburg werden.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Das Landeskind „Conny“ strahlt Dynamik aus. Auch weiß die Generalsekretärin der Liberalen ihr bundespolitisches Format zu nutzen. Ihre Konkurrenten Reinhard Höppner (SPD), Wolfgang Böhmer (CDU) und Petra Sitte (PDS) besitzen allesamt kein Charisma. Auch große Wahlkämpfer sind sie nicht. Das ist Cornelia Pieper schon eher. Ihr Auftreten ist bestimmt, ihr Umgang mit Menschen und Medien professionell. Sie ist beileibe keine große Rednerin: Aber sie beherrscht die Kunst, Formeln zu finden, um Politik zu vermittelt und unbequeme Fragen nur scheinbar zu beantworten. Auch kann sie abgegriffene Worthülsen durch neue ersetzen, etwa wenn sie von ihrem Abc-Programm für Sachsen-Anhalt spricht: A wie Arbeitslosigkeit bekämpfen, B wie Bildungspolitik erneuern ...

          Arbeitsteilung zwischen „Guido“ und „Conny“

          Pieper hat damit Erfolg. Schließlich holte Guido Westerwelle sie deshalb vor einem Jahr ins Thomas-Dehler-Haus. Als sich der Parteivorsitzende vor seiner Wahl um die Nachfolge für das Amt des Generalsekretärs umschaute, durfte er nicht der Gefahr erliegen, sich selbst zu duplizieren. Pieper ist weiblich, ostdeutsch und spricht den mitunter etwas biederen Mittelständler eher an als den schicken Yuppie der New Economy. Beide decken arbeitsteilig ein breites Spektrum ab und kommen sich nicht in die Quere.

          Zwar ist die FDP in den Umfragen mit sieben bis acht Prozent in Sachsen-Anhalt weit vom Projekt 18 entfernt, das auch an Elbe und Saale eifrig propagiert wird. Doch werden die Liberalen in Magdeburg nicht nur in den ersten ostdeutschen Landtag zurückkehren und die Siegesserie von Düsseldorf, Hamburg und Berlin fortsetzen. Die FDP wird wohl auch ihr Ergebnis von 1998 verdoppeln. Im Thomas-Dehler kann man am Tag nach der Wahl dann leicht argumentieren: Wenn wir dies im Bund wiederholen, stehen wir gut da. Ja, schon am Abend des 21. April wird die FDP-Spitzenkandidatin - dann bereits wieder ganz Generalsekretärin - sagen: Dieses Ergebnis ist auch das Resultat unserer guten Oppositionsarbeit im Bunde und gibt uns Rückenwind für den 22. September.

          Genschers Zögling

          Keine Frage, Cornelia Pieper beherrscht das politische Geschäft. Sie tut dies so gut, dass es so manch einem verdächtig vorkommt: Wo ist das Ostdeutsche an ihr, möchte man fragen, das sowohl wohltuend Unkonventionelle als auch zuweilen arglos Naive. Wo sind die Brüche in ihrer Biografie, die ihr parteiintern seltene Zwischentöne erlauben könnten? Wo sind die sehr persönlichen Sichtweisen, die aus der Erfahrung der Systemopposition stammen könnten. Es gibt sie nicht. Selbst wenn die 43-Jährige Hallenserin beteuert, Klaus Kinkels Etikett der Partei der Besserverdienenden tue ihr leid und sei ein großer Fehler gewesen, unterscheidet sie dies nicht von den Sozialliberalen der Westpartei. Dass Pieper zur ostdeutschen Vorzeigeliberalen werden konnte, offenbart zweierlei: zum einen, dass die FDP nie auch nur ansatzweise eine Bürgerrechtspartei im Osten war; zum anderen, dass in der Ost-FDP nur groß wurde, wer sich möglichst kaum vom westlichen Mainstream unterschied. Das hatte Pieper offenbar früh erkannt.

          Weitere Themen

          Kollektives Trauern

          Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

          Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.

          Topmeldungen

          Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

          Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

          Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.
          Trotz Staatshilfen: Lufthansa fliegt au dem Dax

          Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

          Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

          Corona-Politik in Moskau : Das Virus des Westens

          Russland in Siegesstimmung: Moskau verordnet sich neue Quarantäneregeln. Einige sind freilich so absurd, dass sie auf Youtube parodiert werden. Und Polizisten fühlen sich ohnehin nicht an sie gebunden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.