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Cornelia Funke : „Die Handschrift soll Gedanken fliegen lassen“

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Plädoyer für die Handschrift: Cornelia Funke im Günter-Grass-Haus in Lübeck neben der Illustration „Drachenreiter“ Bild: dpa

Die Schriftstellerin Cornelia Funke ist gegen die Abschaffung der Schreibschrift. Sie selbst schreibt ihre Manuskripte in der Erstfassung immer per Hand. Die „Tintenherz“-Autorin hat FAZ.NET ein Original zur Ansicht gegeben.

          Sie schreibt ihre Manuskripte zuerst mit der Hand. In Schreibschrift bringt Cornelia Funke Tintenherz und Wilde Hühner zu Papier. „Man arbeitet mit der Hand natürlich wesentlich unzensierter als mit dem Computer, weil die Handschrift einem sehr bewusst macht, dass man einen ersten Entwurf zu Papier bringt“, sagte die 20-Millionen-Auflage-Schriftstellerin zu F.A.S. „Eine fließende Handschrift bringt die Gedanken zum Fliegen.“

          Cornelia Funke, in 37 Sprachen verlegte Kinder- und Jugendbuchautorin, reagiert mit diesen Sätzen auf die Tatsache, dass die verbundene Schreibschrift in deutschen Schulen zu verschwinden droht. Die Kultusminister der Länder schreiben das Erlernen einer Schreibschrift nicht mehr vor. Der Grundschulverband hat dies zum Anlass genommen, eine neue Schrift einzuführen – die Grundschrift, die aussieht wie die Druckschrift und die Schreibschrift ersetzen soll. Das berichtet die F.A.S. in ihrer aktuellen Ausgabe.

          Cornelia Funke hat FAZ.NET zur Ansicht einen Originalauszug ihrer Schreibschrift zur Verfügung gestellt.

          Cornelia Funke schreibt ihre Manuskripte in der Erstfassung immer per Hand. Sie hat FAZ.NET vor ein paar Jahren zur Ansicht ein Original zur Verfügung gestellt

          „Ich hoffe sehr, dass die Schreibschrift in deutschen Schulen weiter gelehrt wird“, sagte Funke F.A.S. „Eine Druckschrift zu beherrschen reicht meiner Meinung als Handschrift nicht aus. Sie fließt nicht wie eine Schreibschrift und ist daher sehr viel langsamer. Eine fließende Handschrift dagegen fördert den Fluss der Gedanken - und ist gleichzeitig so individuell, dass man ganz bei sich ist.“

          Cornelia Funke lebt heute in Los Angeles, und sie rät „Kindern und Jugendlichen die schreiben wollen immer, die erste Fassung eines Textes in Schreibschrift zu schreiben.“ An ihren eigenen Schreibunterricht hat sie nicht nur gute Erinnerungen, deswegen fordert sie das Schreibenlernen zu einem Abenteuer zu machen. „Mir ist natürlich wichtig, dass Kinder die Schreibschrift auf inspirierte Weise lernen! Ihnen die Schönheit der Buchstaben bewusst machen, sie mit ihnen spielen lassen - man muss ihnen zeigen, wie sehr Handschriften sie selbst und ihre Gefühle und Gedanken ausdrücken können.“

          Der Grundschulverband will, dass ABC-Schützen sich die neue Grundschrift selbst beibringen. Sie sollten „selbst Schreibweisen ausprobieren und miteinander beraten“. Dieser Methode steht Funke skeptisch gegenüber. „Erst sollte einmal gründlich untersucht werden, was die Auswirkungen einer unverbundenen Schrift sind und ob Kinder daraus tatsächlich eigenständig eine fließende Schrift entwickeln, bevor man die Entscheidung trifft, sie abzuschaffen.“

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