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Pressekonferenz nach Anschlag : Orlandos Polizeichef: Attentäter wirkte „cool und ruhig“

  • Aktualisiert am

Orlandos Polizeichef John Mina bei einer Pressekonferenz am Montagmorgen. Bild: AP

Nach dem blutigen Anschlag auf den Nachtclub in Orlando tritt die Polizei vor die Presse. Es gibt eine erste Erklärung, warum die Einsatzkräfte erst nach drei Stunden das „Pulse“ stürmten.

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          „Cool und ruhig“ sei der 29-jährige Todesschütze Omar Mateen während seiner Bluttat in Orlandos Schwulen- und Lesbenclub „Pulse“ gewesen, sagte der Polizeichef der Stadt, John Mina, während einer Pressekonferenz am Montagmorgen (Ortszeit). Er schilderte weitere Details des Einsatzes am frühen Sonntagmorgen, als Mateen schwer bewaffnet ein Massaker in dem Nachtclub anrichtete. Demnach habe sich der Attentäter im Badezimmer des Clubs mit „vier oder fünf“ Geiseln verschanzt. Ein Spezialteam der Polizei für Verhandlungen in Krisensituationen stand in Kontakt mit dem Täter. Es wurde laut Polizei „von Bomben und Sprengstoff geredet“. Mina korrigierte die Zahl der Todesopfer von 50 auf 49. Bislang sei der von der Polizei erschossene Mateen mitgezählt worden.

          Bild: dpa

          Mehrere Stunden dauerte die Geiselnahme in dem Club an. Um zwei Uhr hatte Mateen das „Pulse“ zum ersten Mal betreten und das Feuer eröffnet. Danach erst soll er den Notruf abgesetzt haben und sich am Telefon zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannt haben. Damit korrigierte Mina frühere Berichten, demzufolge sich Mateen noch vor der Tat zur Terrormiliz bekannt habe. Auch teilte die Polizei bei der Pressekonferenz mit, dass Mateen den Großteil seiner Schüsse wohl gleich unmittelbar nach Betreten des Clubs abgefeuert habe.

          Als Mateen mit den Geiseln in den Toiletten verbarrikadiert war, sei die Situation relativ stabil gewesen, so die Polizei. Nach drei Stunden um fünf Uhr morgens habe sich die Polizei entschlossen, das „Pulse“ zu stürmen, weil man davon ausging, dass der Verlust weiterer Leben drohte. „Es war die richtige Entscheidung“, so Polizeichef Mina.

          Fluchtweg: Mit Fahrzeug Loch in die Wand gerammt

          Zur Befreiung der Geiseln hatte die Polizei zunächst vorgehabt, ein Loch in die Wand des Clubs zu sprengen, um einen Fluchtweg zu schaffen. Weil die Explosion nicht ausgereicht hatte, rammten die Einsatzkräfte schließlich mit einem Fahrzeug die Wand. Durch das so entstandene Loch konnten sich einige der Clubgäste ins Freie retten.

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          Zur Frage, wieso der Schütze trotz der FBI-Ermittlungen wegen des Verdachts auf Terrorismus zwei Schusswaffen kaufen konnte, äußerten sich die Behörden bei der Pressekonferenz nicht. Man ermittle auch in die Vergangenheit, sagte Paul Wysopal, Verantwortlicher für die FBI-Behörde in Tampa, einer Stadt in Florida. Es sei zu früh, um festzustellen, ob das FBI bei den Ermittlungen irgendwelche Warnungen übersehen habe. Mehr als 100 Hinweisen sei man bereits nachgegangen, so Wysopal. Weiter sagte er, dass die Polizei das Massaker im „Pulse“ für ihre Ermittlungen rekonstruieren wolle. Er könne jetzt noch nicht sagen, ob die Bundespolizei frühe Warnzeichen hinsichtlich des Attentäters, der mehrere Male von Ermittlungsbeamten befragt wurde, ignoriert oder nicht erkannt habe.

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          Bisher wurden laut „New York Times“ 48 der 49 Opfer identifiziert, allerdings erst bei 26 Opfern die Angehörigen informiert. Sie seien zwischen 20 und 50 Jahren alt, berichtet die Lokalzeitung „Orlando Sentinel“.

          Die Solidarität für die Opfer ist derweil auch international hoch. Zum Gedenken wollen am Montagabend Schwulenbars im Zentrum Londons eine Mahnwache abhalten. In Londons Stadtteil Soho sollen am Abend um 19 Uhr Ortszeit die Lokale eine Stunde lang geschlossen bleiben, wie Tom Knight, Organisator der Initiative, der Zeitung „Gay Times“ sagte.

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