https://www.faz.net/-gpf-2hev

Chronologie : Von Seattle bis Davos

  • Aktualisiert am

Die Gastgeber haben sich gerüstet Bild: AP

Die Globalisierungsgegner organisieren sich weltweit über das Internet. Aus der virtuellen Gegnerschaft wird vor Ort eine recht handfeste. Eine Chronologie von Seattle bis Davos.

          Seattle war das große Vorbild: Gegner der Globalisierung schafften es, die Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) lahm zu legen. Es war mehr als spontaner Protest: Über das Internet organisierten sich die unterschiedlichen Protestbewegungen global und holten lokal in der Westküsten-Stadt zum Schlag aus. Seattle ist seither Symbol für die Durchschlagskraft der vernetzt organisierten Bewegung, die sich gegen eine ökonomische Globalisierung richtet und dabei insbesondere Institutionen wie die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds und die WTO ins Visier nimmt. Eine Chronologie von Seattle bis Davos.

          November/Dezember 1999: Konferenz der Welthandelsorganisation in Seattle

          Für die Globalisierungsgegner war es ein Überraschungscoup: Zu Tausenden hatten sie sich im Internet informiert und organisiert. Junge Leute aus ganz Amerika, aus Kanada und Europa waren angereist und blockierten die Straßen rund um das Konferenzzentrum. Die Sicherheitskräfte waren überrumpelt. Nicht alle Demonstranten blieben friedlich, es kam zu Plünderungen.

          April 2000: Treffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Washington

          „Woodstock mal zehn“ hätte es werden sollen, zumindest aus Sicht der Demonstranten. Tränengas und Pfefferspray lagen in der Luft, und noch vor den eigentlichen Hauptveranstaltungen waren mehr Globalisierungsgegner festgenommen als in Seattle. Die Polizei war vorbereitet - und so konnten die Protestler ihr Ziel auch nicht erreichen, die ganze Konferenz lahm zu legen. Aber sie schafften es, ihre Aktionen ohne große Zeitverzögerung in Wort, Ton und Bild im Internet zu veröffentlichen. Die Organisation über das Netz war nahezu perfekt: Es gab Börsen für Übernachtungs- und Mitfahrgelegenheiten, Einsteigerkurse für Erste Hilfe auf der Straße und den Theorie-Crash-Kurs: „IWF und Weltbank für Anfänger“.

          September 2000: Weltwirtschaftsforum (WEF) in Melbourne

          Mehrere Tausend Globalisierungsgegner demonstrierten gegen das Treffen des in der Weltwirtschaftsforums - ausdrücklich mit dem Ziel, „Seattle nach Melbourne zu bringen“. Aufrufe im Internet sorgten für die nötige Öffentlichkeit, Fachleute nannten die Website der Globalisierungsgegner besser gemacht als die des WEF. Besondere Provokation für die Protestierenden: Die Tagungsstätte in Melbourne war das Casino Crown, die größte Spielhölle am Südpazifik, ein Symbol für besondere Extreme des Kapitalismus. Hunderte der Forumsteilnehmer gelangten nicht in das Casino und saßen in ihren Hotels fest. Die australische Polizei, wenig erfahren im Umgang mit Großdemonstrationen diesen Ausmaßes, war teilweise hilflos. Aber Befürchtungen, die Demonstranten könnten auch die im Oktober in Sydney abgehaltenen Olympischen Spiele stören, bewahrheiteten sich nicht.

          September 2000: Treffen von Weltbank und Währungsfonds in Prag

          „Turn Prague into Seattle“ war das Motto, mit dem die Anti-Globalisierungsbewegung zur ersten großen Protestveranstaltung in Europa aufrief. Auch hier spielte das Internet eine wichtige Rolle: Oft waren die Meldungen über Krawalle in der Prager Altstadt über die Homepages der Protestler schneller als die Nachrichten der Agenturen.

          Januar 2001: Weltwirtschaftsforum in Davos

          Die Globalisierungsgegner haben sich auf Davos vorbereitet - im Internet gab es sogar Anleitungen zum Iglu-Bau zu lesen, damit die Unterkunft gesichert ist. Besondere Schwierigkeit: Der Ort soll so abgesperrt werden, dass nur Personen mit einer Hotelreservierung durchgelassen werden. Die Gegner der Protestler wiederum fürchten das Schlimmste: „Davos wird brennen“ titelte das Boulevardblatt „Blick“. Auch in den vergangenen Jahren gab es in Davos Proteste, doch in diesem Jahr werden besonders gewalttätige Auseinandersetzungen befürchtet. Die Schweiz hat 300 Einreisesperren gegen Leute verhängt, die sich für Gewalt eingesetzt haben sollen. Das US-Außenministerium warnt davor, Davos in diesen Tagen zu besuchen. Weniger medienwirksam als der militante Protest ist, was Lobbyisten von 30 eingeladenen Nichtregierungsorganisationen zum Treffen beitragen. Eingeladen sind unter anderem Vertreter von Amnesty International und Greenpeace.

          Weitere Themen

          Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Merkel ermutigt junge Forscher Video-Seite öffnen

          Preisverleihung in Berlin : Merkel ermutigt junge Forscher

          Bei der Vergabe des Preises für die originellste Arbeit beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ wies Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Fachkräftemangel im IT-Bereich hin. Gewinner waren dieses Jahr der 17-jährige Anton Fehnker und der ein Jahr ältere Simon Raschke.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.