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Chronik : Gesucht wegen Völkermordes: Ratko Mladic

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Seit nahezu zehn Jahren ist der ehemalige Befehlshaber der bosnisch-serbischen Armee auf der Flucht. Ihm wirft das UN-Kriegsverbrechertribunal Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

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          Seit nahezu zehn Jahren ist der ehemalige Befehlshaber der bosnisch-serbischen Armee auf der Flucht. Ihm wirft das UN-Kriegsverbrechertribunal Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

          12. März 1943: Ratko Mladic wird in einem Bergdorf in der Hercegovina geboren. Die Eltern kämpften bei den Partisanen, der Vater fällt 1945.

          1958: Mladic beendet seine Ausbildung auf der Militärschule Zemun bei Belgrad. Es folgt eine Offizierskarriere in der Jugoslawischen Volksarmee.

          1991: Mladic wird von seiner Position als stellvertretender Befehlshaber eines Armeekorps im Kosovo abberufen, um den Aufstand der Krajina-Serben militärisch zu leiten.

          Januar 1992: Gründung der international nicht anerkannten Serbischen Republik Bosnien-Hercegovina (später nur Republika Srpska, RS)

          März 1992: Mladics Tochter begeht im Alter von 23 Jahren Selbstmord.

          April 1992: Völkerrechtliche Anerkennung von Bosnien-Hercegovina durch die EU und die Vereinigten Staaten. Mladic wird zum General befördert und zum militärischen Befehlshaber der bosnischen Serben ernannt.

          April 1994: Mladic befehligt den serbischen Angriff auf Gorazde, die von den UN zur „Sicherheitszone“ erklärte Muslim-Enklave im Osten Bosniens. Erst auf Druck der Nato brechen seine Truppen die Belagerung ab.

          April 1995: Das Haager UN-Kriegsverbrechertribunal bezeichnet Mladic und den „Präsidenten“ der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, offiziell als Verdächtige.

          Mai 1995: Nach Bombardierungen von serbischen Stellungen durch Kampfflugzeuge der Nato nehmen bosnische Serben UN-Soldaten gefangen und ketten sie als „menschliche Schutzschilde“ an strategisch wichtigen Punkten an. Die Kroaten erobern Westslawonien zurück. Mladic droht mit „Terrorangriffen“ auf die Hauptstädte von Staaten, die Truppen zur Durchsetzung des Friedensplans nach Bosnien entsenden.

          11. Juli 1995: Truppen der bosnischen Serben unter dem Befehl von Mladic nehmen die muslimische Enklave Srebrenica ein. In den folgenden Tagen ermorden sie etwa 7000 muslimische Männer in der UN-Schutzzone.

          26. Juli 1995: Das Haager Tribunal klagt Mladic wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

          August 1995: Die Kroaten erobern die Krajina zurück.

          11. Juli 1996: Das UN-Kriegsverbrechertribunal erläßt internationale Haftbefehle gegen Mladic und Karadzic. Schon 1991 habe Mladic getrennte Einrichtungen für Serben und die „Türken“ empfohlen. Aufgrund der Haftbefehle sind alle Staaten dazu verpflichtet, die Angeklagten festzunehmen.

          November 1996: Gegen den Widerstand seiner Offiziere setzt die neue RS-Präsidentin Biljana Plavzic Mladic als Armeechef ab.

          November 2001: Laut Carla Del Ponte, der Chefanklägerin des Internationalen Kriegsverbrechertribunals, lebt Mladic mit Wissen der jugoslawischen Regierung in Belgrad. Die Regierung bestreitet das.

          November 2002: Der serbische Innenminister Mihajlovic sagt dieser Zeitung, etwa bis Mitte 2001 habe Mladic sich mit Wissen der Regierung in Serbien aufgehalten. „Seine Leibwächter fuhren Fahrzeuge mit Nummernschildern der jugoslawischen Armee“. Da Mladic bewaffneten Schutz genoß, sei eine Festnahme unmöglich gewesen.

          21. Februar 2006: Meldungen über eine Festnahme Mladics werden umgehend dementiert.

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