https://www.faz.net/-gpf-14dq9

Chronik : Frühe Hinweise auf zivile Opfer

  • Aktualisiert am

4.September 2009: Nach dem Luftschlag von Kundus Bild: ddp

FAZ.NET dokumentiert die wichtigsten Etappen der Diskussion über den Luftangriff auf die zwei Tanklastzüge bei Kundus. Schon am 4. September war dem Regionalkommando der Bundeswehr in Mazar-i-Scharif laut einem Bericht deutscher Feldjäger bewusst, dass es zivile Opfer gab.

          2 Min.

          FAZ.NET dokumentiert die wichtigsten Etappen der Diskussion über den Luftangriff auf die zwei Tanklastzüge bei Kundus

          4. September 2009: Nachdem Aufständische zwei Tanklastzüge entführt haben, fordert der deutsche Kommandeur Oberst Klein kurz nach Mitternacht amerikanische Luftunterstützung an. Kampfflugzeuge übertragen Live-Bilder vom Geschehen in das deutsche Kommandozentrum. Oberst Klein befiehlt den Luftangriff. Noch am 4. September ist dem Regionalkommando der Bundeswehr in Mazar-i-Scharif laut einem Bericht deutscher Feldjäger bewusst, dass es zivile Opfer gegeben habe. Auch aus dem Bericht eines Oberstarztes der Bundeswehr an das Einsatzführungskommando in Potsdam vom 4. September soll hervorgehen, dass es zivile Opfer gab. Ein Bericht der Behörden von Kundus vom 4. September hatte laut Franz Josef Jung dagegen keine Hinweise auf zivile Opfer, sondern sprach von 56 getöteten bewaffneten Personen.

          5. September: Der Oberbefehlshaber der Internationalen Schutztruppe Isaf, General McChrystal, sagte: „Für mich ist es klar, dass es einige zivile Opfer gab.“ Verteidigungsministers Jung (CDU) sagt dagegen: „Nach allen uns vorliegenden Informationen sind bei dem durch ein US-Flugzeug durchgeführten Einsatz ausschließlich terroristische Taliban getötet worden.“

          6. September: Die Zeitung „Washington Post“, deren Mitarbeiter von den amerikanischen Offizieren mit in die Lageunterrichtung durch Oberst Klein genommen worden waren, berichtet umfassend über den Luftangriff. Unter den Opfern seien mindestens zwei Dutzend Zivilisten gewesen.

          Der deutsche Oberst Georg Klein
          Der deutsche Oberst Georg Klein : Bild: AP

          9. September: Der jetzt bekannt gewordene Feldjäger-Bericht über den Angriff wird fertig gestellt und an das Verteidigungsministerium übergeben. Jung sagt, er habe erst am 5. oder 6. Oktober davon erfahren, worauf er der Nato für ihre Untersuchung zur Verfügung gestellt wird.

          13. September: In Kabul teilt die vom afghanischen Präsidenten Karzai eingesetzte Untersuchungskommission mit, dass bei dem Luftangriff 30 Zivilisten getötet und neun weitere Zivilisten verletzt worden seien. 69 Taliban seien bei dem Luftangriff getötet worden.

          28. September: Der Untersuchungsbericht der Nato über den Luftangriff wird dem deutschen Verteidigungsministerium übergeben. Der Bericht wird von der Nato als geheim eingestuft und vorerst nur in wenigen Exemplaren in Papierform verbreitet.

          29. September: Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Schneiderhan, beurteilt den Luftangriff als „militärisch angemessen“. Die Zahl der Getöteten sei nicht mehr feststellbar. Er zitiert unterschiedliche Quellen, wonach zwischen 17 und 142 Menschen getötet worden seien. Der Bericht belege nicht, „dass Unbeteiligte getötet wurden“.

          4. November: Der neue Verteidigungsminister zu Guttenberg - Franz Josef Jung wurde im neuen Kabinett Arbeitsminister - fordert die von der Nato geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf auf, eine „veröffentlichungsfähige“ Fassung des Untersuchungsberichts zu übermitteln.

          6. November: Guttenberg bezeichnet den Luftschlag als „militärisch angemessen“. Zwar habe es Fehler gegeben, was die Einhaltung der Einsatzregeln betrifft, doch komme er in Kenntnis eines Nato-Berichts und einer Auswertung des Generalinspekteurs der Bundeswehr zu dem Schluss: „Selbst wenn es keine Verfahrensfehler gegeben hätte, hätte es zu dem Luftschlag kommen müssen.“

          Weitere Themen

          Habeck und Söder sprechen über 10 H

          Windkraft in Bayern : Habeck und Söder sprechen über 10 H

          Bayerns Ministerpräsident ist überzeugt, dass der Mindestabstand zu Windrädern die Energiewende nicht behindert. Der Bundesumweltminister ist gänzlich anderer Meinung, setzt aber erst einmal auf Dialog.

          Topmeldungen

          Ausbau der Windenergie : Die schwierige Zwei-Prozent-Mission

          Seit Jahren lahmt der Ausbau der Windkraft. Jetzt sollen sich die Flächen mehr als verdoppeln. Unser Blick in die Länder zeigt, wie schwer diese Mission wird. Aber Robert Habeck hat einen Joker.