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Überwindung der Kirchenspaltung : Christliche Politiker fordern mehr Ökumene

Norbert Lammert: Initiator des Zusammenschlusses prominenter Christen. Bild: dapd

Prominente Christen fordern die „gelebte Einheit“ der katholischen und evangelischen Kirche. Sie haben sich auf Initiative von Bundestagspräsident Norbert Lammert zusammengeschlossen und nehmen Bezug auf den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren.

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          Unter dem Titel „Ökumene Jetzt - ein Gott, ein Glaube, eine Kirche“ rufen auf Initiative von Bundestagspräsident Norbert Lammert prominente Christen, Katholiken wie Protestanten, zur Überwindung der Kirchenspaltung auf. Ziel dürfe nicht „Versöhnung bei Fortbestehen der Trennung“ sein, sondern „gelebte Einheit“. Ökumene dürfe nicht in ein „Niemandsland zwischen den Konfessionen“ abwandern. Der Aufruf, der dieser Zeitung vorliegt, wird an diesem Mittwoch in Berlin vorgestellt. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz wollen erst nach der Veröffentlichung Stellung zu dem Vorstoß nehmen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Zu den Unterzeichnern zählen neben Bundestagspräsident Lammert (CDU, katholisch) und seinem Stellvertreter Wolfgang Thierse (SPD, katholisch) auch der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker (evangelisch), die Bundesminister Annette Schavan (katholisch) und Thomas de Maizière (evangelisch) sowie der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier (evangelisch). Weitere Unterzeichner sind der langjährige bayerische Kultusminister und Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Hans Maier (CSU), der Freiburger Soziologe Hans Joas (katholisch) und der Fernsehmoderator Günther Jauch (katholisch).

          Ökumene bedeutet mehr als gegenseitige Anerkennung

          Der Aufruf nimmt Bezug auf den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vor 50 Jahren und die 500-Jahr-Feier des Beginns der Reformation im Jahr 2017. „In Deutschland soll die ,Luther-Dekade’ der Vorbereitung und Würdigung eines historischen Datums dienen, das im Rückblick eine Zäsur in der Geschichte nicht nur unseres Landes darstellt. Beide Ereignisse betreffen nicht nur jeweils eine Konfession, sondern sind eine Herausforderung an alle und eine Angelegenheit insbesondere, aber nicht nur der Kirchen“, heißt es in dem zweiseitigen Papier. „Wir wollen alles tun, dass nach den Jubiläen nicht alles so bleibt, wie es vorher war.“ Die geistliche Einheit der Christen müsse auch „sichtbar Gestalt gewinnen.“ Die Unterzeichner warnen, man dürfe die Sorge um die Einheit der Kirche nicht ruhen lassen, bis sich Kirchenleitungen theologisch über das Verständnis des Amts oder des Abendmahls verständigt hätten.

          Auch dürfe man sich nicht mit dem Ziel zufrieden geben, dass Kirchen sich gegenseitig als Kirchen anerkennen. „Dieses Ziel ist notwendig, aber zu klein.“ Die Unterzeichner wollen nicht „Versöhnung bei Fortbestehen der Trennung, sondern gelebte Einheit im Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt.“ Christen beider Konfessionen verbinde mehr als sie trenne; deshalb rechtfertigten bestehende Unterschiede nicht die Kirchenspaltung.

          Martin Luther wollte die Kirche erneuern

          Die Unterzeichner würdigen die bisherige „Anstrengung um Fortschritt der Ökumene“, die in den Gemeinden stärker ausgeprägt sei als in Kirchenleitung und Theologie. An die Kirchenleitung appellieren die Unterzeichner, „die Entwicklungen in den Gemeinden so zu begleiten, dass die Ökumene nicht in ein Niemandsland zwischen den Konfessionen abwandert, sondern die Trennung unserer Kirchen zu überwinden.“ An die evangelische Kirche gerichtet heißt es in dem Papier, Martin Luther habe die Kirche nicht spalten, sondern erneuern wollen. Auch in der wichtigsten evangelischen Bekenntnisschrift, Melanchthons Confessio Augustana von 1530 heiße es, dass es zur Einheit der Kirche genüge, das Evangelium rein zu predigen und die Sakramente auf rechte Weise zu reichen. Nicht nur „gravierende Differenzen und Missverständnisse“, sondern auch „handfeste politische Gründe“ hätten dazu geführt, dass es dennoch im Verlauf der Reformation zur Spaltung der abendländischen Christenheit gekommen sei. „Für die dauerhafte Trennung der Kirchen wurden Machtfragen wichtiger als Glaubensfragen.“

          An die katholische Kirche gerichtet heißt es, im Ökumenismus-Dekret („Unitatis Redintegratio“) des Zweiten Vatikanischen Konzils seien die Christen in die Pflicht genommen, sich für die Wiederherstellung der Einheit der Christen einzusetzen. Der Aufruf zitiert das Konzilsdokument: „Eine solche Spaltung widerspricht aber ganz offenbar dem Willen Christi, sie ist ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden (...).“ „Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht jeden an.“

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