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Christian Wulff in Afghanistan : Mit dem Herzen und einem Fahrrad

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Bundespräsident Wulff mit Afghanistans Präsident Hamid Karzai Bild: dpa

Bundespräsident Wulff hat bei seiner Kurzvisite in Kabul den Afghanen Unterstützung zugesagt - auch nach dem Abzug deutscher Soldaten.

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          „Ein afghanisches Sprichwort sagt: ,Füße gehen dorthin, wohin das Herz geht’“, hat Bundespräsident Wulff in seiner Tischrede bei einem Essen in Kabul gesagt, das ihm zu Ehren der afghanische Präsident Karzai am Sonntag gab. Dieser nannte Wulff, der ohne seine Frau nach Kabul gereist war, einen „alten Freund Afghanistans“. Es war der erste Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten in Afghanistan seit 1967 - damals hatte Heinrich Lübke das Land besucht; Bundespräsident Horst Köhler hatte im Frühjahr 2010 auf dem Rückflug von einer Asien-Reise deutsche Soldaten in Afghanistan besucht.

          Wulff ging weit in die Vergangenheit zurück. „Deutsche und Afghanen hat es schon immer zueinander gezogen. Bereits in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts arbeiteten deutsche Ingenieure in Afghanistan, lernten Afghanen an der Amani-Schule in Kabul Deutsch. Der Besuch von König Amanullah 1928 in Berlin wurde von den Deutschen mit großer Begeisterung aufgenommen.“

          Wie meistens bei Reisen westlicher Politiker nach Afghanistan wurde das Vorhaben überaus kurzfristig öffentlich bekanntgemacht. Erst am vergangenen Wochenende hieß es, ein Staatsbesuch Wulffs in Kabul sei im September - wegen Terroranschlägen dort - wenige Stunden vor Abflug verschoben worden. Nun konnte Wulff sagen: „Ich bin nach Afghanistan gekommen, um deutlich zu machen: Deutschland wird Afghanistan nicht im Stich lassen. Wir werden Afghanistan bei der Bewältigung der kommenden Aufgaben auch nach vollständiger Übernahme der Sicherheitsverantwortung 2014 ein verlässlicher und dauerhafter Freund und Partner sein.“ Vor seinem Gespräch mit Karzai hatte Wulff Vertreter sogenannter Nichtregierungsorganisationen - darunter Frauen- und Menschenrechtsgruppen - getroffen. „Ich habe großen Respekt vor den Leistungen der afghanischen Zivilgesellschaft“, sagte er, was als Kritik an den herrschenden Verhältnissen dort zu verstehen war.

          Die Anreise nach Kabul verlief wie auch die Reisen anderer deutscher Politiker - am Samstag mit einem Airbus der Luftwaffe in das Bundeswehrlager Termes in Usbekistan und dann am Morgen mit einer Transall-Transportmaschine nach Kabul. Der vier Jahre alte Sohn Karzais, Mirwais, so berichtete dapd-Korrespondent Nikolaus Sedelmeier, erhielt von Wulff ein kleines blau-weißes Kinderrad mit Stützrädern und einen Korb Schokolade.

          Mit dem Besuch eines Polizei-Ausbildungszentrums in Mazar-i-Sharif setzte Wulff am Montagmorgen seine Reise in Afghanistan fort. Er war dort am Vortag eingetroffen, wo er den deutschen Soldaten für ihren Einsatz dankte und mehr gesellschaftliche Unterstützung für ihr Engagement forderte.

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