https://www.faz.net/-gpf-sg9x

Christen und Muslime : Auf Augenhöhe in Marxloh

  • -Aktualisiert am

Die Pollmann-Moschee ein Jahr nach Grundsteinlegung Bild: F.A.Z. - Edgar Schoepal

In Duisburg entsteht Deutschlands größte Moschee. Die christlichen Pfarrer suchen neue Wege im demographischen Wandel. Und in kleinen Schritten nähern sich Christen und Muslime einander an. Eine Reportage von Peter Schilder.

          7 Min.

          Marxloh im Duisburger Norden gilt als „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“. Um so mehr verwundern die zahlreichen Geschäfte für Hochzeitsausstattung rund um das Pollmann-Kreuz. Den Schnittpunkt von Weseler Straße und Kaiser-Wilhelm-Straße, wo einst das Kaufhaus Pollmann den Mittelpunkt von Marxloh markierte, nennt der Volksmund - egal, ob deutscher oder anderer Zunge - noch immer „den Pollmann“. Geschäftslokale, die vor einigen Monaten noch leer standen, zeigen nun festliche Kleider mit viel Tüll in leuchtenden Farben in den Auslagen.

          An Wochenenden herrscht dort Hochbetrieb. Dann kommen Türken und türkischstämmige Bürger aus den Niederlanden, aus Belgien und sogar aus Frankreich und England, um sich für eine Hochzeit einzukleiden. Dann verstärkt sich rund um Pollmann der Eindruck, als läge Duisburg nicht am Rhein, sondern am Bosporus.

          Schuhe, Schmuck und süße Spezialitäten

          Türkische Hochzeiten versammeln oft mehrere Hundert Gäste, die allesamt fein herausgeputzt sind. Da sind gute Geschäfte zu machen. Brautleute und Gäste kommen gern nach Marxloh, denn die Auswahl ist dort groß. „Früher sind wir nach Köln gefahren, weil es nur dort diese Läden gab“, sagt eine eingebürgerte Marxloherin in akzentfreiem Deutsch. Nicht nur sie freut sich über die neue Kundschaft, sie kündigt für viele einen Wandel an. Auch Schuhe, Schmuck und süße Spezialitäten bekommen türkische Hochzeitsgäste rund um Pollmann. Und andere Migrantengruppen eröffnen Geschäfte mit Angeboten, die ebenfalls vorwiegend ihren eigenen Bedarf decken. Unverhofft lebt Marxloh wieder als Einkaufsstadt auf.

          Wiederbelebung der Geschäftswelt dank neuem Publikum
          Wiederbelebung der Geschäftswelt dank neuem Publikum : Bild: F.A.Z. - Edgar Schoepal

          Bis in die sechziger und siebziger Jahre hinein war der Ort ein beliebtes Einkaufziel am Niederrhein. Manche Fassade in der Kaiser-Wilhelm-Straße - liebevoll mit öffentlichen Mitteln restauriert - erinnert noch daran. Der Wandel ist sogar in Zahlen ablesbar. Die Nachfrage nach Immobilien nimmt zu, und die Preise ziehen an. In der Nähe der Warbruckstraße sind etwa vierzig Reihenhäuser entstanden. Alle sind verkauft. Nebenan nämlich, dort, wo früher die Kantine der Zeche war, entsteht derzeit eine Moschee. Es soll die größte in Deutschland werden, mit einem 34 Meter hohen Minarett, allerdings ohne Muezzin. Die Pollmann Merkez Camii (Pollmann- Zentrum-Moschee) wird neben einem großen und prächtigen Gebetsraum im osmanischen Stil ein Islam-Archiv, eine Bildungsstätte und ein Begegnungszentrum mit einem für alle offenen Cafe beherbergen.

          Trümmerkulisse für „Das Wunder von Bern“

          Während die Bauarbeiten noch in vollem Gang sind, hat das Begegnungszentrum, das unter anderem Deutschkurse anbietet, in provisorischen Containern schon seinen Betrieb aufgenommen. Türken kommen, die sich nach dem Fortgang an ihrer Moschee erkundigen. Auch Deutsche schauen gelegentlich vorbei. Sie trauen sich noch nicht so recht. Am leichtesten fällt es ihnen, wenn zum Beispiel der katholische Pfarrer Kemper über die Bedeutung Jesu und Marias im Koran spricht. Dann ist der Pastor der Türöffner.

          Die katholische Kirche Sankt Peter liegt nur ein paar hundert Meter von der Moschee entfernt, und noch ein Stück weiter Richtung Hamborn steht die evangelische Kreuzkirche. Zwischen Sankt Peter und der Pollmann-Moschee liegt der Elisenhof. Das ist der Innenhof einer früheren Wohnanlage, deren eine Seite so verfallen war, daß sie als Trümmerkulisse für eine Szene in dem Film „Das Wunder von Bern“ taugte. Die Ruine ist abgerissen und der Platz zur Moschee hin offen. Eine Bürgerinitiative will, daß er als Rosengarten die Gotteshäuser verbinde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auch so eine Überschrift: „Es hilft, wenn mal die Katze durchs Bild läuft“

          Kolumne „Nine to five“ : Kuriose neue Arbeitswelt

          „Polizei jagt Homeoffice-Sünder“ – solche Schlagzeilen wären doch vor Corona undenkbar gewesen. Im Archiv eines Jahres Pandemie-Heimarbeitswelt kommen da so einige zusammen. Eine kleine Kostprobe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.