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Chris Turney : Der Eisbrecher

Chris Turney Bild: REUTERS

Der Expeditionsleiter Chris Turney sorgte offenbar maßgeblich dafür, dass aus dem unfreiwillig verlängerten Aufenthalt im Eis eine ausgelassene Polarparty wurde. Dabei hatte er eigentlich ein ernstes Anliegen.

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          Zum Weltentdecker hätten ihn unvorhergesehene Wendungen und eine gesunde Dosis wünschenswerter Zufälle gemacht. So beschreibt er es auf seiner Website. Mit dem Glück schien es allerdings vorübergehend vorbei zu sein, als der Professor für Klimawandel der Universität New South Wales am Heiligabend mit seinem Forschungsschiff im Polareis der Antarktis stecken geblieben war, etwa 2800 Kilometer von der nächsten Stadt, Hobart im australischen Tasmanien, entfernt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch Chris Turney muss über ein außergewöhnlich sonniges Gemüt verfügen. In der Presse als „oberster Stimmungsmacher“ beschrieben, sorgte der Expeditionsleiter offenbar maßgeblich dafür, dass sich der unfreiwillig verlängerte Aufenthalt für die Passagiere zu einer ausgelassenen Polarparty auswuchs. Sie tanzten auf dem Eis, posierten mit Pinguinen im Schnee und sangen an Bord selbst komponierte Lieder. Alles wurde von Chris Turney und seinen Begleitern auf Twitter dokumentiert und über das Satellitentelefon in die Welt posaunt.

          Buchstäblich in die Zange genommen

          Mit seinem fast kindlichen Enthusiasmus ließ er es so aussehen, als wäre alles nur ein Riesenspaß, während draußen insgesamt drei Eisbrecher tagelang vergeblich damit beschäftigt waren, sich einen Weg zu dem eingeschlossenen Schiff zu bahnen. Dabei hatte der Wissenschaftler den eigenen Angaben zufolge eigentlich ein ernstes Anliegen. Mit seiner Expedition wollte er die Veränderungen in der Umwelt in der Region um den Südpol erforschen und der Welt mitteilen. Dabei sollten die gleichen Methoden angewendet werden wie die des Polarforschers Douglas Mawson, der vor 100 Jahren auf einer abenteuerlichen Entdeckungsfahrt die Region bereist hatte. Auf dessen Spuren wollten sich auch die mehr als 50 mitreisenden Touristen, Journalisten und Forscher bewegen, bis das Eis sie buchstäblich in die Zange nahm.

          Turneys Spezialität ist es, Klimaveränderungen in der Vergangenheit zu erforschen, um damit Erkenntnisse über das Klima der Zukunft zu erlangen. Im heutigen Australien haben Klimaforscher wie er derzeit allerdings keinen leichten Stand. Die jetzige Regierung gehört zu den Skeptikern des Klimawandels und hat die Unterstützung für dessen Erforschung stark heruntergefahren. Eine Klimasteuer wird abgeschafft. Als die Mission, die unter anderem auch mögliche Nachweise für den Klimawandel erbringen wollte, statt schmelzender Eisberge zu finden nun selbst im Eis stecken blieb, sorgte das bei den Skeptikern naturgemäß für höhnische Kommentare.

          Als echter Bewohner des fünften Kontinents bleibt Turney aber auch dann freundlich, wenn seine Forschung in Frage gestellt wird. Der Autor mehrerer Bücher zum Thema wurde schon als moderner „David Livingstone“ bezeichnet. Er hat Preise gewonnen und ein Unternehmen zur Verwertung von Kohlenstoff gegründet. Er trägt einen Doktortitel der Royal Holloway University of London und ist mit seinen Forschungen zu den Fossilien der Zwergmenschen auf der indonesischen Insel Flores, den sogenannten Hobbits, bekannt geworden.

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