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Unterdrückung der Uiguren : Bilder des Leids

Qasim Metniyaz Bild: Adrian Zenz/Xinjiang Police Files

Die Bilder aus den Umerziehungslagern belegen, wie totalitär und brutal die chinesische Unterdrückung der Uiguren ist.

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          Bisher gab es nur eine symbolische Größe: eine Million. So hoch wurde zwischenzeitlich die Zahl der Insassen in Xin­jiangs Umerziehungslagern geschätzt. Jetzt gibt es Gesichter und Namen. Natürlich wusste man auch vorher schon von vielen Einzelschicksalen. Von Menschen, deren Angehörige im Ausland verzweifelt auf Nachrichten über den Verbleib ihrer Ehepartner, Geschwister, Eltern und Kinder warten. Auch von ihnen gab es Bilder, aus ihrem früheren Leben. Die Fotos auf dieser Seite sind auf eine andere Art erschütternd. Sie wurden von den Tätern aufgenommen, im Augenblick der Internierung. In ihrem banalen Bürokratismus dokumentieren sie das totalitäre Ausmaß der Unterdrückung in Xinjiang. Der junge Mann auf dem Bild oben heißt zum Beispiel Qasim Metniyaz. Als das Foto 2018 aufgenommen wurde, war er 20 Jahre alt. Als Grund für seine Internierung heißt es in der Polizeiakte, er habe 2012, mit 14 Jahren, ein verbotenes Video mit islamischen Inhalten angeschaut. Patigul Tohti, die Frau auf dem zweiten Bild in der Galerie, hat offenbar nur der Opfer eines tödlichen Polizeieinsatzes am 15. Dezember 2013 gedacht. Schon das reichte für ihre Verurteilung. Oder Rozi Hesen (drittes Bild in der Galerie): Er wurde mit 24 Jahren interniert, weil er sein Handy längere Zeit nicht benutzt hatte. Daraus schloss die Polizei offenbar, dass er sich der Überwachung entziehen wolle.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die Fotos sollen bei einem Hackerangriff auf einen Polizeiserver in Xinjiang erbeutet worden sein; zusammen mit Dienstanweisungen für das Wachpersonal in Umerziehungslagern, Bildern von Polizeiübungen zum Umgang mit Internierten und geheimen Reden des früheren Parteichefs von Xinjiang, Chen Quanguo, und des amtierenden Ministers für öffentliche Sicherheit, Zhao Ke­zhi. Der deutsche Forscher Adrian Zenz hat die Dokumente im Internet zugänglich gemacht. Die Reden des Parteichefs und des Ministers geben Einblicke in die Vorgehens- und Denkweise der Kommunistischen Partei. Aus ihnen geht hervor, dass Staats- und Parteichef Xi Jinping detaillierte Anweisungen zum Aufbau des Lagersystems gegeben hat. Die Umerziehungslager sind nur der erste Schritt in einem Fünf-Jahres-Plan, mit dem die kulturellen und ethnischen Wurzeln der Uiguren „gekappt“ werden sollen, wie es ganz offiziell heißt. Auf das Lager folgt die Zwangsarbeit – in den Worten des Parteichefs: „Wir entlassen sie in Arbeit, wenn sie transformiert sind. Das kann ein, zwei oder drei Jahre dauern.“ „Transformiert“ heißt, dass ihr Wille gebrochen ist und sie statt eigener Gedanken nur noch Parteiparolen von sich geben.

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