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Chinas Streitmacht : Stahlharte Brüder im Mondenschein

  • -Aktualisiert am

Strammstehen zu Rapklängen: Bild aus einem Image-Video der Volksbefreiungsarmee. Bild: Foto PLA

Xi Jinping hat Chinas Streitkräften die größte Reform ihrer Geschichte verordnet. Ein Werbevideo zeigt jetzt schon die Zukunft: eine moderne, aggressive Armee.

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          Zu den Klängen dramatischer Musik macht sich der Soldat der Volksbefreiungsarmee für den Einsatz bereit. Dann setzt ein aufpeitschender Rap-Song ein: „Ein Krieg kann jederzeit ausbrechen, seid ihr bereit? Wir verteidigen das Vaterland! Zum Angriff!“ Dazu werden Raketen, Kampfflugzeuge und Flugzeugträger vorgeführt. Modern und aggressiv, so präsentiert sich die chinesische Volksbefreiungsarmee in einem neuen Werbevideo. Die Propagandaabteilung des Militärs will mit der schmissigen Darstellung, die die Kampfkraft des Militärs verherrlicht, junge Leute für die Armee begeistern. Man wolle zeigen, dass die Volksbefreiungsarmee nicht mehr das altmodische Heer ist, das die jungen Leute aus historischen Filmen kennen, sondern eine moderne Streitmacht wie die der Vereinigten Staaten, zitierte die Zeitung „China Daily“ am Dienstag einen Armeeberater.

          Drei Jahre nach seinem Amtsantritt hat Staats- und Parteichef Xi Jinping, der als Leiter der Zentralen Militärkommission der Kommunistischen Partei auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, der Volksbefreiungsarmee den größten Umbau ihrer Geschichte verordnet. Die Verwirklichung von Xi Jinpings „Traum eines starken Militärs“ wird nicht nur von den Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres, wo Peking seine Gebietsansprüche immer selbstbewusster auch militärisch durchsetzt, sondern auch von Japan, Indien und den Vereinigten Staaten mit Sorge beobachtet.

          Die derzeit sieben Militärregionen der Volksrepublik wurden Anfang des Jahres in vier regionale „strategische Zonen“ und ein Zentralkommando umstrukturiert. Die alten „vier Hauptquartiere“, der Generalstab, die Logistik-Abteilung, die Politische Abteilung und die Waffenabteilung wurden aufgelöst und ihre Funktionen auf 15 neue Abteilungen umverteilt. Mit der Modernisierung soll eine Verkleinerung der Streitkräfte von derzeit 2,3 Millionen Angehörigen um 300.000 Stellen einhergehen. Ziel des Umbaus ist es, Strukturen für ein gattungsübergreifendes Kommando einzuführen, nachdem bislang Heer, Marine und Luftwaffe weitgehend eigenständig operierten. Dabei orientieren sich die Militärplaner nach Angaben westlicher Militärbeobachter am amerikanischen Vorbild.

          Machtdemonstration: Chinas erster Flugzeugträger

          Parteichef Xi Jinping selbst ließ sich in diesen Tagen zum Oberkommandeur eines neuen übergreifenden Kommandozentrums ernennen. Zu dessen Eröffnung erschien der Parteichef erstmals in Kampfuniform und sagte den versammelten Offizieren, dass das neue Kommandozentrum effizient und professionell arbeiten könne. Er ließ damit anklingen, dass es daran in der Volksbefreiungsarmee in der Vergangenheit gehapert hat.

          Ein riesiger Machtblock

          Die Reform ist kein einfaches Unterfangen. In der Volksrepublik gilt zwar der Grundsatz, dass die Streitkräfte der Kommunistischen Partei (nicht etwa der Regierung) unterstehen, doch tatsächlich ist die Volksbefreiungsarmee ein riesiger Machtblock innerhalb des kommunistischen Staates, der sich Eingriffen von oben bislang gut entziehen konnte. Alte Strukturen aus der sozialistischen Gründerzeit wirken noch nach, und bis jetzt konnten sich die Militärs viele Privilegien bewahren, ihre leitenden Generäle sind oft als Feudalherrscher bezeichnet worden.

          Während die ersten Parteiführer noch selbst frühere Militärführer waren, taten sich die Parteichefs in der Reformära schwer damit, die Führung der Armee unter Kontrolle zu bringen. Jiang Zemin gelang es in den neunziger Jahren, der Armee ihr Imperium kommerzieller Unternehmen zu nehmen und sie zumindest weitgehend auf rein militärische Aufgaben zu verpflichten. Xi Jinpings Vorgänger Hu Jintao konnte eine weitergehende Reform nicht durchsetzen.

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