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Fachkräftemangel in China : Nicht mehr als ein Jodeldiplom

  • -Aktualisiert am

Ingenieur oder ungelernt, dazwischen ist das Angebot rar Bild: REUTERS

Auch in China suchen Unternehmen verzweifelt qualifiziertes Personal. Viele Absolventen sind aber schlecht ausgebildet. Die wenigen Guten sind teuer.

          Größer konnte das Gedrängel nicht sein. 800.000 Menschen harrten Anfang Februar auf und um den Bahnhof von Guangzhou aus in der Hoffnung, irgendwie zum größten chinesischen Feiertag nach Hause zu kommen. Doch der schneereichste Winter seit Menschengedenken warf alle Reisepläne über den Haufen. Millionen von Wanderarbeitern kamen zum chinesischen Neujahr erst verspätet nach Hause.

          Ein Großteil ist nicht an seine alten Arbeitsplätze zurückgekehrt, beobachten Unternehmer vor allem im Süden der Volksrepublik. Damit wird der ohnehin schon gravierende Mangel an Arbeitskräften weiter verschärft. Dem bevölkerungsreichsten Land der Welt gehen die Fachkräfte aus. Geschätzt 3000 ausländische Unternehmen wagen jeden Monat den Geschäftsstart im Reich der Mitte. Die Folge: Immer mehr Unternehmen suchen vergebens geeignete Mitarbeiter unter den mehr als 1,3 Milliarden Chinesen.

          Keine Facharbeiter ausgebildet

          „Wir haben auch unsere Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden. Wir haben letztes Jahr umgeschaltet und Leute fürs Training hergeholt. Alle zwei Wochen machen wir jetzt Mitarbeiterschulung“, sagt Uwe Seeger vom Schraubenhersteller Würth. Denn die Facharbeiter und Vertriebsleute, die das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Künzelsau in Fernost braucht, werden in China nicht ausgebildet. „Der Arbeitsmarkt gibt entweder Hochschulabsolventen her oder ungelernte Arbeiter. Die normale Berufsausbildung gibt es hier nicht“, klagt Seeger.

          Mit diesem Problem musste auch MTU fertig werden. Gemeinsam mit Partner China Southern, der größten Fluggesellschaft des Landes, wartet MTU im südchinesischen Zhuhai Triebwerke. Ein Zukunftsmarkt im Reich der Mitte. Was fehlt, sind gut ausgebildete Triebwerksmechaniker. Geschäftsführer Walter Strakosch hat deshalb ein duales Ausbildungsprinzip eingeführt. Selbst graduierte Ingenieure schickt er zur Weiterbildung für sechs bis acht Monate nach Deutschland: „Es war nur schwierig, das unserem Joint-venture-Partner zu vermitteln. Der war immer der Meinung, wenn wir einen einstellen von der Universität und der schraubt, dann ist das hervorrragend. Dass der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und sich mit dem Schraubenzieher eher umbringt, war für unseren Partner schwer zu verstehen.“

          Schuld ist die Ein-Kind-Politik

          China brauche „unbedingt“ ein duales System wie in Deutschland, eine Mischung aus Berufsschule und Lehre im Betrieb, betont Meng Fanchen, der erste chinesische Geschäftsführer von Siemens in Schanghai. Denn noch immer hätten viele Tätigkeiten ein miserables Image, sagt Meng mit Blick auf seine Zeit in Deutschland: „Auch wenn man eine handwerkliche Ausbildung hat, hat man einen soliden Beruf. Diese Idee fehlt in China.“ Schuld daran ist auch die vor rund 30 Jahren begonnene Ein-Kind-Politik. Besonders in den Boomregionen wie Schanghai schicken Eltern den einzigen Nachwuchs wenn irgendwie möglich auf die Universität. Dafür wird eisern gespart, werden alle Reserven mobilisiert. Von frühester Schulzeit an bekommen selbst Einserschüler Nachhilfe, um die Aufnahmeprüfungen für die Hochschulen zu schaffen. Ein Arbeitsplatz in der Montage oder im Vertrieb wird nicht erwogen.

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