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Das tibetische Kloster Sakya : Alles Leid hat ein Ende

  • -Aktualisiert am

Ein Lama im Kloster Sakya Bild: AP

Ein Besuch im Kloster Sakya, dessen Geschichte viel über Tibet erzählt. Dort ist es fast so, als schrumpfe die Unendlichkeit der Wiedergeburten zur Einheit eines Augenblicks, in dem sich Schaudern und Hoffnung verbinden.

          7 Min.

          „Die ersten Minuten glitten wir nur langsam dahin“, notierte Sven Hedin, „dann aber wurde die Fahrgeschwindigkeit größer und betrug eineinviertel Meter in der Sekunde. Es war eine herrliche Fahrt, die schönste, die ich je erlebt habe. Ein halbes Jahr hatten wir uns unter unaufhörlichen Verlusten durch den Changthang hindurchgearbeitet, nun glitt ich gleichmäßig wie auf Öl auf dem Tsangpo-Brahmaputra meinem Ziel entgegen. Eines der größten Erosionstäler der Erde breitete um uns sein großartiges Panorama aus.“

          Großartig ist das Tal des Tsangpo noch heute. Hunderte von Kilometern trennt die wahrscheinlich gewaltigste Schlucht der Erde den indischen Subkontinent und Zentralasien wie eine riesenhafte Kerbe, die die Natur zwischen Himalaja und Transhimalaja geschlagen hat. So enorm die Ausdehnung, so vielfältig sind auch die Erscheinungsweisen des großen Tales. Gleicht es im tibetischen Westen einem letzten Überrest geologischer Urzeiten vor der Erschaffung des Lebens, wirkt es im tibetischen Kernland wie ein fruchtbarer Garten auf dem Dach der Welt. Als durchquerte man ein moderates Hügelland und nicht eine Landschaft auf viertausend Höhenmetern, prägen Wiesen, Weiden und Felder die Ansichten zwischen Lhatse und Schigatse. Ziegen, Schafe und Yaks weiden links und rechts der Straße - und als wären seit den Reisen Sven Hedins nicht hundert Jahre vergangen, flattern die Gebetsfahnen über den Behausungen der Menschen.

          Wie die Ausgeburt einer surrealen Phantasie

          Allerdings wird heute kein Reisender, der es eilig hat, mehr das Yakboot benutzten. Straßen und Brücken sind entstanden, und wo früher tibetische Patrouillen allen Unbefugten die Weiterreise nach Schigatse und Lhasa verwehrten, überwachen heute chinesische Kontrollposten den Durchgangsverkehr. Seitdem die große Verbindungsstraße zwischen der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu und Lhasa mit bestimmten Einschränkungen für den Tourismus geöffnet wurde, bilden diese chinesischen Kontrollposten das unfreiwillige Kontrastprogramm zur notorischen Freundlichkeit der Tibeter. Verunsichert und fern ihrer gewohnten Lebenswelt, unterbezahlt und unbeliebt, zeigen die meist sehr jungen Amtsträger Einheimischen wie Touristen gegenüber kein sehr großes Entgegenkommen - vor allem dann, wenn ausländische Besucher die Fernverkehrsstraße nach Schigatse und Lhasa verlassen und in Seitentälern kulturelle Sehenswürdigkeiten besuchen wollen, die sie selbst als Manifestationen des schlimmsten Aberglaubens betrachten.

          Bereits seit 2002 wird das Kloster restauriert

          Eine solcher Abzweig von der Hauptstraße führt kurz vor Schigatse nach Sakya, einer der ältesten und eigentümlichsten Klosteranlagen ganz Tibets. Vorbei an grün übermoosten Bergen, an Weiden und Wiesen mit gelben Butterblumen, fahren Traktoren und Lastwagen eine gute Stunde über eine halsbrecherische Wellblechpiste zu einem Panorama, wie man es sogar in Tibet selten sieht. Inmitten einer Kulisse hintereinander gestaffelter Bergrücken und umgeben von zahlreichen Pilgerbehausungen, improvisierten Hütten, Zelten und Tschörten, beherrscht das große Wehrkloster Sakya wie die Ausgeburt einer surrealen Phantasie das Landschaftsbild.

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