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Olympisches Lexikon: X : Im olympischen Spiegel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Siemons

Die Beziehung Chinas zu den Olympischen Spielen der Neuzeit kam langsam in Gang. Seit 1984 stieg jedoch die Medaillenausbeute kontinuierlich und damit auch die Versuchung, die Spiele als Spiegel des nationalen Selbstbewusstseins zu begreifen.

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          Xu Haifeng: chinesischer Scharfschütze, der 1984 in Los Angeles die erste olympische Goldmedaille für die Volksrepublik holte und seither einen herausragenden Platz in der Geschichtsschreibung des Landes einnimmt. In den Annalen ist vermerkt, dass seine Disziplin der erste Wettkampf der damaligen Spiele war und dass IOC-Präsident Samaranch persönlich dem 27 Jahre alten Schützen aus der ostchinesischen Provinz Fujian die Medaille überreichte. Insgesamt gewann China bei diesen Spielen, die von der Sowjetunion und den Warschauer-Pakt-Staaten boykottiert wurden, fünfzehnmal Gold, achtmal Silber und neunmal Bronze. Im Handbuch für olympische Freiwillige ist der Durchbruch in den angemessenen historischen Rahmen gestellt: „Das chinesische Volk hat den Traum verwirklicht, den Zustand der Isolation und Verachtung hinter sich zu lassen und eine mächtige Nation zu werden, die olympisches Gold nach Hause bringt.“

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Weg dorthin war beschwerlich. Es ist nicht einmal klar, ob China zu den ersten Spielen der Neuzeit 1896 in Athen überhaupt eingeladen wurde, und noch zweifelhafter ist, ob die damals regierende Kaiserinwitwe mit der Einladung etwas anzufangen gewusst hätte. Es dauerte bis 1928, dass das Land seinen ersten Beobachter nach Amsterdam entsandte, und erst 1932 nahm mit Liu Chanchun der erste Athlet teil, den China auch heute als den seinen anerkennt (im Unterschied zu den Sportlern, die sich für das von Japan eingesetzte Regime in Manchukuo aufstellen ließen). Der Hundertmeterläufer schied jedoch schon in den Vorläufen aus. 1936 in Berlin war China dann schon mit 69 Athleten dabei, aber weder dort noch in London 1948 oder in Helsinki 1952 erreichte es irgendeinen der vorderen Plätze.

          Olympischer Spiegel

          In den Folgejahren zog sich die Volksrepublik wegen der Taiwan-Frage wieder von Olympia zurück - und gab auch damit seiner zunehmenden Selbstabschließung Ausdruck, die in der Kulturrevolution ihren Höhepunkt erreichte. Kaum war die vorüber, wurde ein Kompromiss geschlossen, demgemäß die Volksrepublik künftig unter der Nationalflagge und die Delegation aus Taiwan unter dem Namen: „Chinesisches Olympisches Komitee Taipeh“ antreten konnten. Nach Los Angeles wurden die chinesischen Teilnehmer dann immer erfolgreicher: In Seoul gewannen sie fünf Goldmedaillen, in Barcelona und Atlanta jeweils sechzehn, in Sydney 28 und in Athen 32, die zweitmeisten nach den Vereinigten Staaten. Und noch dramatischer als die Medaillenzahl wuchs in Peking das Bewusstsein für Olympia als Spiegel der eigenen nationalen Bedeutung in der Welt, weshalb es schließlich als logisch erschien, die Gastgeberschaft als Gipfelpunkt der Wiederankunft unter den großen Weltzivilisationen zu feiern.

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